Weil's an der Isar zu laut ist

Alarm: Enten entern die Balkone

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Endlich Ruhe! Eine Ente hat ihre Kinder im Balkonkasten ausgebrütet.

München - Überall Menschen, Krach und Lärm – das hält die stärkste Ente nicht aus - und sucht sich ungewöhnliche Nistplätze.

Auf der Flucht vor den ständigen Störungen und auch mangels geschützter Nistplätze flüchten die Münchner Stadtenten an unkonventionelle Plätze – nämlich auf Balkone und Dachterrassen, Flachdächer und manchmal sogar Dachrinnen. Je höher, desto lieber. Denn da oben ist endlich Ruhe.

An der Isar ist es den Tieren zu laut und voll geworden.

Dicht bewachsene Kübel und Balkonkästen sind so ganz nach dem Geschmack der Großstadtente, deren Anwesenheit oft erst spät bemerkt wird. Eierklau verboten: Ente, Nest und Eier sind vom Gesetz geschützt und damit unantastbar. Beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in München häufen sich in letzter Zeit die Anrufe besorgter Bürger, die wissen möchten, wie man mit brütenden Dach-Enten umgehen soll. Die Vogelkundlerin Dr. Sophia Engel vom LBV in München hat zunächst eine beruhigende Nachricht: „Entenkinder können aus dem vierten Stock und notfalls auch noch höher abspringen. Dabei flattern sie mit ihren Stummelflügelchen und spreizen ihr Füße wie Fallschirme.“

Schwierig wird es, wenn unten Hindernisse wie Mauern und Brüstungen im Wege stehen, an denen sich die Tierchen verletzen könnten. Manchmal reicht schon ein schräges Brett als Abstiegshilfe. In schwierigen Fällen oder wenn der Fußmarsch zum nächsten Fluss oder See über Hauptverkehrsstraßen führen würde, gibt es nur eine Lösung: Die Familie muss eingefangen werden und im Karton zum nächsten Wasser reisen. Aber wie? Auch da weiß der LBV Rat.

"Einen zweiten Einfang-Versuch gibt es nicht"

„Eine Entenmutter ist ungemein wachsam, verlässt ihre Jungen aber nur bei äußerster Gefahr. Darum kann man sich ihr sehr weit nähern. Es ist darum gut, wenn sie sich schon in der Brutzeit an die gelegentliche Anwesenheit von Menschen gewöhnt hat.“ Beim Einfangen muss man zuerst die Entenmutter beherzt ergreifen: „Einen zweiten Versuch gibt es nicht, weil eine einmal geflohene Entenmutter nicht mehr zu ihren Küken zurückkehrt“, so Sophia Engel. Am See lässt man zuerst die Küken heraus. Erst wenn sie nach Mama piepsen, lässt man auch Mutter Ente frei.

Dorita Plange

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