Entlassungen drohen - Gehälter in Gefahr

Alarm bei den Münchner Kliniken: Das Geld geht aus

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Die Münchner Klinik GmbH - hier das Krankenhaus Bogenhausen - hat Geldprobleme.

München - Das städtische Klinikum ist in akute Geldnot geraten. Es gilt nicht einmal mehr als sicher, dass ab November die Gehälter der Ärzte und Pflegekräfte noch voll bezahlt werden können.

Demnächst stehen "harte Entscheidungen" an, heißt es. Dabei schien der Patient  schon auf dem Weg der Besserung zu sein: Nach dem Hygiene-Skandal um OP-Besteck an den städtischen Krankenhäusern Bogenhausen und Neuperlach im Sommer 2010 sollte schnell alles wieder gut werden. Die Krise sei überwunden, versicherte Klinik-Finanzchef Franz Hafner Mitte Oktober.

Fast ein Jahr ist seitdem vergangen - doch mittlerweile steht fest, dass der kommunale Verbund von fünf Krankenhäusern schon wieder mit massiven Problemen zu kämpfen hat: Es ist viel zu wenig Geld in der Kasse. Bei einem Treffen des Aufsichtsrats der Klinik GmbH am Freitag legte die neue Klinikchefin Dr. Elizabeth Harrison Zahlen vor, die wenig erfreulich sind.

Minus von mindestens 23 Millionen Euro

Nach Informationen des Münchner Merkur könnte das Defizit heuer auf mehr als 43 Millionen Euro steigen. Selbst wenn es optimal läuft, soll das Minus des Konzerns mehr als 23 Millionen betragen. Die Liquidität schrumpft. Mittlerweile, so heißt es, ist nicht einmal mehr klar, ob ab November die Gehälter der Ärzte und des Pflegepersonals in vollem Umfang ausgezahlt werden können. Auch ob die Angestellten Weihnachtsgeld bekommen, ist plötzlich fraglich.

Bürgermeister Hep Monatzeder.

Weil der Kreditrahmen bei der Stadtsparkasse zu eng werden könnte, arbeitet das zuständige Gesundheitsreferat an einem Notfallplan: Die Stadt soll einspringen und die Liquidität sichern. Bei der Diagnose der Finanz-Insuffizienz sind sich die Verantwortlichen relativ einig. "Wir haben zu viel Personal", sagte der Aufsichtsratschef der Klinik GmbH, Bürgermeister Hep Monatzeder - um dann zu konkretisieren: in der Verwaltung und im ärztlichen Bereich. In der Pflege, so heißt es, herrscht dagegen eher Personalmangel.

Doch es gibt noch ein anderes Problem: Zwar stimmen die Fallzahlen, jedoch nicht die Schwere der Fälle. Sprich: Wer ein kleineres Problem hat, geht in die städtischen Krankenhäuser Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing oder an der Thalkirchner Straße. Patienten mit schwereren Leiden lassen sich lieber woanders behandeln. "Das macht deutlich, dass harte Entscheidungen getroffen werden müssen", sagte Monatzeder. Man müsse sich überlegen, ob man die verschiedenen medizinischen Angebote in allen Häusern vorhalte. Dennoch wolle er alle Standorte erhalten.

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Zugleich nahm Monatzeder Klinik-Chefin Harrison in Schutz, die im Februar das Ruder übernommen hatte, nachdem drei Geschäftsführer wegen des Hygiene-Skandals ihren Hut hatten nehmen müssen. "Frau Harrison findet diese Situation vor", erklärte Monatzeder. Sie wolle jetzt Konsequenzen ziehen - und der Aufsichtsrat müsse mitmachen. Bereits im Oktober sollen dem Gremium Vorschläge unterbreitet werden. Aller Voraussicht nach wird es dabei auch um Personalabbau unter den 8600 Beschäftigten des Klinikums gehen.

Matthias Kristlbauer

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