Albtraum von Antalya: Ein Münchner berichtet 

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Der Münchner Arzt Dr. Andreas Wagner wartet am Flughafen

München/Antalya - Eine Woche Erholung in Antalya – das hatte der Münchner Orthopäde Dr. Andreas Wagner eigentlich geplant. Doch bei der Rückreise erlebte der 41-Jährige einen absoluten Albtraum.

Nach 22 Stunden Warten, Hungern (und ohne Ahnung, wann er endlich heimfliegen kann) telefonierte er noch vom Flughafen Antalya aus am Montag mit der tz: „Es herrschen Zustände wie im Krieg!“

Nach einer Woche Ausspannen mit seinem Kollegen hätte Wagners Flieger am Sonntagabend um 20.25 Uhr gen München starten sollen. „Wir waren rechtzeitig am Flughafen. Plötzlich kam die Durchsage: Unwetter, mehrere Flüge seien verspätet.“ Wagners Flug wird verschoben, um eine Stunde. Und noch eine. Und wieder eine …

„Es war zum Verzweifeln. Andere Fluggesellschaften wie TUI flogen ihre Passagiere sehr wohl nach Deutschland. Nur wir wurden immer weiter vertröstet.“ Es gab keine Infos von Seiten der Fluggesellschaft Condor, erzählt der Arzt am Handy. Der Condor-Schalter war nicht besetzt, es gab keine Getränke, nichts zu essen. Familien mit schreienden Kleinkindern und Babys wussten sich kaum mehr zu helfen.

Erst um zwei Uhr nachts sei ein Condor-Mitarbeiter gekommen und habe den Wartenden gesagt: Es habe schon seit 22 Uhr festgestanden – kein Condor-Flieger startet mehr! „Die Leute wären dem Mann beinahe an die Gurgel gegangen!“ Die Wartenden mussten sich ohne Hilfe ihr Gepäck suchen – es stand völlig durchnässt im Regen. Weil sich auch keiner um die Kinder kümmerte, setzten sich Wagner und sein Kollege dafür ein, dass die Familien mit Kindern zuerst in ein Hotel kommen. „Um halb fünf Uhr früh waren wir erst im Hotel!“

Am nächsten Tag ging der Albtraum weiter. Kaum eine Info, keine Entschuldigung. „Ich musste meine Praxis lahmlegen, weiß nicht, wann ich endlich heimkomme. Ich fliege ja wirklich viel. So etwas habe ich aber noch nie erlebt!“ Condor-Sprecher Johannes Winter betont vor allem eines: „Das diente alles dem Schutz der Passagiere.“ Schuld seien tatsächlich die extremen Wetterbedingungen in Antalya gewesen. Flieger seien umgeleitet worden zum Flughafen Izmir. Nach den Umleitungen seien die vorgeschriebenen Flugzeiten der Crews überschritten gewesen.

Indes erlebten 156 Flugpassagiere aus Baden-Baden in einem Flieger der Sky Airlines eine Bruchlandung auf dem Flughafen Antalya: Diese Maschine war trotz des schlechten Wetters geflogen und in Schräglage gelandet. Die Passagiere kamen mit einem Schrecken davon.

Andrea Stinglwagner

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