So fühlt man sich als Opfer

Albtraum Einbruch: Serientäter erwischt

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Im Haus sind alle Schubladen aufgerissen.

München - Seit 2011 steigt die Zahl der Einbrüche in München dramatisch an. Einer der Täter stand am Mittwoch vor Gericht. Ein tz-Reporter beschreibt, wie man sich als Opfer fühlt.

Im vergangenen Jahr wurden 4945 Fälle aktenkundig. Diese Zahl wird 2014 noch bei weitem übertroffen. Hinter den Taten stehen immer häufiger Banden aus Osteuropa, die geschickt und arbeitsteilig vorgehen.

Mitleids-Masche: Serientäter kommt billig davon

Terrassentüren hebelt er in Sekundenschnelle auf. Als Einbrecher ist Darko R. (36) ein Profi, der in Villen in München und Grünwald fette Beute machte. Im Februar erwischte ihn die Polizei auf frischer Tat. Anhand von DNA-Spuren konnten ihm vier Einbrüche nachgewiesen werden. Diese gab er am Mittwoch vor Gericht zu und kam sehr billig davon.

Darko R. wurde im Februar von der Polizei erwischt. Seither sitzt er in Stadelheim.

Im November 2011 erbeutete er in einer Villa in Bogenhausen ein Ölgemälde, wertvolle Uhren und Bargeld im Wert von über 26.000 Euro. Richtig fette Beute machte Darko R. am 8. 3. 2013 in Harlaching: Ihm fielen Schmuck für 80.000 Euro und 16.000 Euro Bargeld in die Hände. Einen Monat später gelangte er über eine Terrasse in ein nobles Haus in Grünwald, wo er 15.000 Euro in seine Taschen steckte. Bei einem weiteren Dämmerungs-Einbruch in Grünwald am 15. Dezember fühlte der Täter sich gestört und suchte ohne Beute das Weite.

Die Familie von Darko R. ließ ihn nicht im Stich. Sie engagierte gleich zwei bekannte Anwälte, um ihn rasch aus dem Knast zu holen: Peter Pospisil und Steffen Ufer. Diese beantragten nach Verlesung der Anklage ein Rechtsgespräch mit Gericht und Staatsanwältin hinter verschlossenen Türen.

Dabei spielten die Verteidiger vor allem die Mitleids-Karte aus: Zuhause in Belgrad habe Darko R. ein dreijähriges Kind, das mit einem Herzfehler zur Welt gekommen sei. „Die Schwiegereltern haben für die Operationen 20.000 Euro für das kranke Kind zur Verfügung gestellt“, so Steffen Ufer. „Er war für sie der Bettler.“ Es kam ein Deal zustande, ein mildes Urteil: zwei Jahre und vier Monate Knast.

Reporter: Schock nach dem Einbruch

Seit 15 Jahren berichte ich über Verbrechen, die vor Gericht verhandelt werden. Ich habe mit Opfern gesprochen, die psychisch unter der Tat leiden. Doch niemals habe ich daran gedacht, dass es mir selber passieren könnte. Ein schlichtes Reihenhaus – wer will da einbrechen?

Doch nun ist es passiert. Und wer das noch nicht mitmachen musste, der kann sich nur glücklich schätzen. Es fühlt sich einfach schrecklich an, zu wissen, dass jemand in sein ureigenes Revier, in seine Zuflucht, in seinen Schutzraum eingedrungen ist – ein wildfremder Mensch in meinem Haus.

Am 5. August komme ich gegen 13 Uhr in die Redaktion, als meine Frau aufgelöst anruft: „Bei uns wurde eingebrochen!“ – „Hast du die Polizei angerufen?“ – „Nein.“ – „Rufe sofort 110!“

Persönliches wie alter Modeschmuck liegen verstreut am Boden.

Als ich heimkomme, finde ich ein Chaos vor: Schränke sind geöffnet, Schubladen aufgerissen. Viele Sachen liegen am Boden. Die Wäsche im Schlafzimmer ist durchwühlt, ein Teil liegt auf dem Boden. Im Flur des ersten Stocks liegt eine alte Handtasche und ein Schmuckkästchen meiner Frau, der Inhalt ist am Boden verstreut.

Der Schmuck, alte Erinnerungsstücke meiner Frau, wurde verächtlich auf den Boden geworfen. Der Spiegelschrank im Bad steht offen, ist durchwühlt.

Der Täter hatte das Küchenfenster aufgehebelt. Ein Kriminalbeamter sucht nach Spuren.

Die uniformierten Beamten sehen sofort zwei Spuren eines Hebelwerkzeugs am Küchenfenster. Der Kriminaldauerdienst wird informiert. Ein Beamter von der Spurensicherung macht sich ans Werk. Ein Kriminaler fotografiert das Chaos.

Es fällt auf, dass der Täter das Haus fluchtartig über die Terrassentür verlassen hat. Diese steht sperrangelweit offen. Was fehlt? Außer den 200 Euro, die meine Frau als eiserne Reserve in eine Schublade aufbewahrt, vermissen wir auf den ersten Blick nichts.

Nach dem Einbruch schraubt tz-Redakteur Eberhard Unfried das defekte Fenster zu.

Bei meiner Frau sitzt der Schock tief. Sie ist überzeugt, dass sie den Täter aufgeschreckt hatte, als sie vom Arzt heimkehrte. Eine Frage lässt sie nicht los: „Was wäre passiert, wenn ich dem in die Arme gelaufen wäre?“ Ich bin wütend, dass es jemand wagte, in meinen höchstpersönlichen Lebensbereich vorzustoßen. So wird das Aufräumen zur Qual.

Eberhard Unfried

Polizei warnt vor neuer Betrugsmasche

Der Trick ist gut. Sehr gut sogar. Sodass es vermutlich bereits eine ganze Reihe Opfer geben könnte, von denen die Polizei noch gar nichts weiß: Eine bundesweit agierende Tätergruppe schwatzt gutgläubigen Hausbewohnern die Wohnungsschlüssel ab – angeblich, um sie vor Einbrechern zu schützen! Allein in Grünwald wurden am 6. August vier Bewohner von einem dubiosen „Kommissar Schmidt“ angerufen, der sich als Beamter der Polizei in Grünwald ausgab.

Der falsche Polizist erklärte, es gebe dringende Hinweise auf einen kurz bevorstehenden Einbruch oder gar einen Überfall. Er empfahl den Bewohnern, rasch Geld und Wertgegenstände zusammenzusuchen und diese einem Boten zu übergeben, der gleich kommen werde. Die Polizei werde die Werte verwahren, bis die Täter geschnappt seien. Als Sonderservice bot „Kommissar Schmidt“ sogar an, sich um Haus oder Wohnung zu kümmern. In diesem Fall hätten die Bewohner ihre Hausschlüssel abgeben sollen. Keiner der vier Angerufenen fiel auf den Trick herein. Alle legten auf und verständigten die echte Polizei. Mittlerweile steht fest, dass die Täter im gesamten Bundesgebiet versuchen, mit diesem perfiden Trick an das Hab und Gut argloser Bewohner heranzukommen.

Für den Fall eines solchen Anrufes empfiehlt die Polizei, sich eine Rückrufnummer geben zu lassen. Fragen Sie immer nach dem Namen und der Dienstelle des Anrufers und rufen Sie im Zweifelsfall sofort (!) den Polizeinotruf 110 an. Unter gar keinen Umständen dürfen Sie am Telefon Auskunft über Ihre Vermögenswerte geben oder gar einem fremden Boten Ihre Hausschlüssel anvertrauen.

Dorita Plange

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