Albtraum Scheidung: Was Frauen wissen müssen

München - In München scheitert fast jede zweite Ehe. Was sollten Frauen im Fall der Fälle unbedingt wissen? Worauf sollten sie vorbereitet sein? Was eine Münchner Anwältin und Psychologin rät:

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Plötzlich ist es aus. Die Ehe ist nicht mehr zu retten. Sie hat es schon lange geahnt und gefürchtet, vielleicht sogar erhofft. Doch jetzt ist alles anders. Sie überfallen Selbstzweifel und Zukunftsangst. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht und nicht mehr geliebt zu werden. Das Gefühl, als Frau und Mutter versagt zu haben. Und Tag und Nacht quält sie die Frage: „Was wird jetzt aus mir und den Kindern?“

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Die Forschung hat längst erkannt, dass Scheidungen gerade bei Frauen „starke psychische Belastungen auslösen“. Von Identitäts-Krisen bis zu jahrelangen Depressionen. Keine Frage: Wer psychisch krank ist, braucht dringend professionelle Hilfe. Doch den meisten Frauen könnten schon viele kleine Schritte und Entscheidungen aus der Krise helfen. Was die Münchner Scheidungsanwältin und Psychologin Annegret Wiese allen Betroffenen rät:

Helfen Sie sich selbst!

Das nächste Thema im großen Scheidungsreport: Die Ängste der Väter

Ob verliebt, verheiratet – oder bald geschieden: Frauen sollten „immer die eigene Existenz im Auge behalten“. Sprich: Ausbildung, Beruf oder zumindest einen Mini-Job nach der Kinderpause. Denn mit der Unterhaltsreform von 2008 ist die Versorger-Ehe Vergangenheit. Geschiedene Mütter müssen viel früher wieder arbeiten, der Unterhalt für die Ex-Frau kann viel leichter reduziert oder gestrichen werden.

Oft helfen Job oder Ausbildung auch dabei, unabhängig zu werden. Expertin Wiese weiß: „Manche Frauen trauen sich dann erst, eine unglückliche Ehe zu beenden.“

Mut zur Veränderung!

Zudem steigert die Arbeit das Selbstwertgefühl, schafft neue Freundschaften – die sich oft gerade in Trennungs-Situationen bewähren. Etwa bei der Kinderbetreuung oder der Wohnungssuche.

Annegret Wiese will den Frauen aber auch die Angst vor dem Gang zum Sozialamt nehmen. Wenn der Ex keinen Cent zahlt, nicht mal mehr eisernes Sparen hilft – dann bleibt kein anderer Ausweg. Das Geld vom Staat kann eine „Übergangslösung“ sein, um das Leben wieder in den Griff zu kriegen.

Ja zum Ehevertrag!

Der Mann macht Karriere. Sie bleibt zuhause bei den Kindern – und hat, nach neuem Recht, nach der Scheidung oft das Nachsehen.

Deshalb raten Experten zum Ehevertrag. Dort kann alles fixiert werden: die Lebensplanung, die Kinderbetreuungszeiten und eine Art „Abfindung“ im Scheidungs-Fall.

Seid nicht naiv!

Apropos Geld: Viele Frauen wissen gar nicht, was ihr Mann verdient! Dadurch können sie viel Geld bei der Scheidung verlieren. Deshalb raten Juristen: „Man sollte sich vor der Trennung alle notwendigen Unterlagen beschaffen und kopieren.“ Auch sollte frau sich von einem eigenen Anwalt vertreten lassen – und nicht auf den „gemeinsamen“ Anwalt des Mannes vertrauen. Jedenfalls, wenn sie wirtschaftlich von ihm abhängig ist.

Frauen, bleibt fair!

Frauen kämpfen bisweilen mit unfairen Mitteln. Mit List, Lügen und Liebesentzug. Präzise gesagt: Sie verweigern den Vätern den Umgang mit den Kindern. Klar ist: Dieser Boykott ist richtig und wichtig, wenn der Vater gewalttätig oder gar zudringlich war. Ist das aber nicht der Fall, ist die Blockade-Haltung der Mama unfair und dumm! Sie führt auch oft dazu, dass sich Väter stur stellen und keinen Unterhalt zahlen. Anders ausgedrückt: Ist der Kontakt zum Kind eng, stärkt das, so Annegret Wiese, „die innere Bereitschaft zu zahlen“.

Nur nicht nachgeben!

Fakt ist: Nur jede fünfte geschiedene Frau bekommt auch zwei Jahre nach der Scheidung noch Ehegattenunterhalt. Kindesunterhalt gibt’s nur für die Hälfte der Kinder. Zahlen die Väter aber, jammern sie nicht selten den Kindern vor, „dass die Mama das ganze Geld bekommt und mir fast nichts mehr bleibt“.

Immer wieder geben Frauen diesem Druck nach und verzichten auf Geld. Sie können die Erniedrigungen und die ewigen Kämpfe nicht mehr ertragen. Dennoch sollten sie unbedingt um berechtigte Ansprüche kämpfen. In ihrem Interesse – und im Interesse ihrer Kinder.

Ehe-Krieg macht krank

Was aber sagt die Psychologin und Anwältin einer Frau, die sich nicht scheiden lässt, „weil ich mir das nicht leisten kann“? Annegret Wiese stellt zwei Gegenfragen: „Was ist ein Leben ohne Lebensfreude wert?“ Und: „Welchen Sinn macht eine Beziehung, die mich krank macht?“

Denn eine belastete Ehesituation ist psychischer Dauer-Stress. Oft wirkt sich das auf die Gesundheit aus. Die Anwältin kennt Frauen, die sich erst nach einer Krebsdiagnose trennten. Sie weiß: „Auch wenn eine Ehe zerrüttet ist, ist es ein schwieriger, mühevoller Weg.“ Man muss ungeheuer stark sein. Eine 29-jährige Münchnerin, die all das durchgemacht hat, will anderen Mut machen. Sie sagt: „Man wird vom sozialen Netz nicht großartig aufgefangen. Aber man wird immerhin aufgefangen.“ Noch leben sie und ihr Baby von Hartz IV. Doch 2011 wird sie eine Stelle als Erzieherin antreten. Dann beginnt ein neues Leben…

Claudia Detsch

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