Prozess gegen Islam-Krieger

Aleppo-Angriff: Harun P. bestreitet Schüsse

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„Ich habe nicht geschossen“, sagte Harun P. über seinen Kriegseinsatz in Syrien.

München - Jetzt geht’s um seinen Kriegseinsatz! Vor dem Oberlandesgericht sagte Harun P. (27) am Donnerstag erstmals über die angeklagten Kampfhandlungen in Syrien aus.

Laut Generalbundesanwaltschaft nahm der gebürtige Münchner Anfang Februar 2014 am Terrorangriff auf das Zentralgefängnis in Aleppo teil, bei dem mindestens 29 Menschen starben. Harun P. gab zu, bei den Kämpfen dabei gewesen zu sein. „Ich selbst habe nie geschossen“, behauptet der mutmaßliche Terrorist.

Er weinte, als seine Ex-Freundin aussagt, wie das Paar ihr Baby beerdigen musste. „Danach hat er sich verändert“, sagte Deria (26). „Er wollte nach Syrien. Ich glaubte ihm nicht.“

Monate später kämpfte P. mitten im Heiligen Krieg! „Es war erst kurz vor Abfahrt klar, dass ich mit nach Aleppo darf.“ Denn der Befehlshaber im Terrorcamp hatte „Zweifel an meiner Zuverlässigkeit“, sagt P. Zwölf Stunden lang fuhr er in einer Kolonne von der Küste ins Landesinnere. „Ich dachte, vielleicht werde ich in den nächsten Tagen sterben“, sagt P. „Einige Kämpfer feierten sich als Märtyrer und schwärmten von Jungfrauen. Sie liefen als erstes davon, als wir ankamen.“ Denn in Aleppo gerät die Junud al-Sham direkt unter Beschuss. „Wir versteckten uns in einer leeren Fabrik im Industriegebiet. Um uns flogen Raketen und Panzergeschosse.“ Wie Hunderte Radikale erhielt P. Kalaschnikows, Granaten und Magazine.

Laut Anklage steuerte ein Selbstmordattentäter aus diesem Lager auf das Gefängnis zu – sein Lkw explodierte, als Regierungssoldaten ihn abschossen. „Die Welle erschütterte unser Gebäude“, sagte P. „Nachts bombardierten uns Kampfjets. Wir waren nur Kanonenfutter in diesem Krieg.“ Trotzdem blieb er zwei Wochen als Wachposten. Und sah den Angriff: „Scharfschützen schossen aus unserem Gebäude auf das Gefängnis – aber ich nicht.“ Laut Anklage waren dagegen 1600 Kämpfer an dem Überfall beteiligt. Auch Harun P.? Er sagt am 5. März weiter aus.

A. Thieme

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