Alexander von Branca ist tot - Er brachte die Welt zur Wiesn

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Das Tor zum Oktoberfest: Der Münchner Alexander von Branca (r.) entwarf die U-Bahn-Station Theresienwiese. Jetzt ist einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsarchitekten 92-jährig gestorben

München - Alexander von Branca ist tot. Die Kunstwerke des Star-Architekten kennt wohl jeder Münchner. Die tz sprach mit seiner Tochter - und zählt seine wichtigsten Bauten in der Stadt auf.

Ein Besuch auf dem Oktoberfest beginnt für Menschen, die mit wachem Blick durch die Welt gehen, bereits an der U-Bahn-Station Theresienwiese. Hier wird man eingestimmt auf das größte und schönste Volksfest der Welt. Die Münchner Farben schwarz und gelb prägen die Haltestelle, die Architektur erinnert an Bierzelte.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

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Alexander von Branca, geboren am 11. Januar 1919 in München, hat das Tor zur Wiesn im Jahre 1984 gebaut. Jetzt ist der Künstler, der zu den erfolgreichsten und fruchtbarsten seines Landes zählt, 92-jährig gestorben. Seine Tochter Alexandra von Branca (54) erinnert sich in der tz an ihren berühmten Vater.

Sie haben Ihr Architekturbüro in München. Was war das Wichtigste, das Sie von Ihrem Vater gelernt haben?

Alexandra von Branca: Seine Zielstrebigkeit. Er ist immer seinen eigenen Weg gegangen und hat sich nie nach der Mode gerichtet. Er hat sich seine Integrität bewahrt und ist immer seinem Herzen gefolgt. Auch wenn es gerade von Seiten der Presse viel Kritik an seiner Neuen Pinakothek gab. Die sei anbiedernd in ihrer Postmodernität, hieß es.

Hat das Ihren Vater verletzt?

Von Branca: Ja, das hat ihn sehr getroffen. Vor allem, weil seine ersten Pläne schon viel älter waren als der tatsächliche Zeitpunkt des Baus. Ich finde, dass letztlich zählt, was die Zeit über ein Kunstwerk sagt. Es ist schwierig, im Hier und Jetzt etwas zu beurteilen.

Blicken wir nach vorne: Welche Bauten Ihres Vaters werden in 100 Jahren besonders wichtig sein?

Von Branca: Ich denke an die Museen, an die Botschaften in Madrid und für den Heiligen Stuhl in Rom – und an seine frühen Kirchen.

War Ihr Vater gläubig?

Von Branca: Ja, sehr. Das war für ihn lebensnotwendig. Wissen Sie, er wurde unter den Nazis in ein Arbeitslager gebracht, das an ein KZ angeschlossen war. In dieser Zeit gab ihm der Glauben viel Kraft. Für ihn war er auch in seinem Beruf notwendig – sonst hätte er diese Kirchen nicht bauen können.

Bei aller Ernsthaftigkeit im Beruf: War Ihr Vater ein humorvoller Mensch?

Von Branca: Sehr sogar. Er konnte uns Kinder – drei Söhne, zwei Töchter – sehr zum Lachen bringen. Ich erinnere mich auch gut daran, dass er permanent zeichnete – nicht nur Gebäude, sondern auch die Natur, die Berge. Doch letztendlich wusste er: Die Architektur war seine größte Herzensangelegenheit.

Matthias Bieber

Die Beerdigung wird öffentlich in Oberföhring sein, ein Termin steht noch nicht fest.

Ude: Das Vermächtnis von Brancas

OB Christian Ude hat Alexander von Branca als „ausgesprochen feinen Herrn“ in Erinnerung, „kultiviert und kulturell vielseitig interessiert“. Er habe dafür gesorgt, dass jeder Münchner U-Bahnhof ein „unverwechselbares Gesicht bekommt.“ Einmal habe er sogar mit von Branca, der damals Kreisheimatpfleger war, zum Protest aufgerufen: „Als es um den drohenden Abriss der Seidlvilla in Schwabing ging.“ Sein bedeutendstes Bauwerk in München sei die Neue Pinakothek: „Da ließ er konservative Motive anklingen, das ist bei Kunst aus dem 19. Jahrhundert ja passend.“

Bauten in München:

1953: Pavillon der Leichtmetallindustrie auf der Deutschen Verkehrsausstellung

1953– 55: Klosterkirche Herz-Jesu-Schwestern

1962 – 65: Katholische Pfarrkirche St. Matthias

1965 – 71: U-Bahnhof Marienplatz

1969 – 72: Olympia-Pressestadt

1974 – 78: Verlagshaus C.H. Beck

1981: Neue Pinakothek

1984: U-Bahnhof Theresienwiese

1984: U-Bahnhof Prinzregentenplatz

1991: Katholische Pfarrkirche St. Peter (Kirchheim, Ortsteil Heimstetten).

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