Alexander von Branca ist tot - Er brachte die Welt zur Wiesn

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Das Tor zum Oktoberfest: Der Münchner Alexander von Branca (r.) entwarf die U-Bahn-Station Theresienwiese. Jetzt ist einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsarchitekten 92-jährig gestorben

München - Alexander von Branca ist tot. Die Kunstwerke des Star-Architekten kennt wohl jeder Münchner. Die tz sprach mit seiner Tochter - und zählt seine wichtigsten Bauten in der Stadt auf.

Ein Besuch auf dem Oktoberfest beginnt für Menschen, die mit wachem Blick durch die Welt gehen, bereits an der U-Bahn-Station Theresienwiese. Hier wird man eingestimmt auf das größte und schönste Volksfest der Welt. Die Münchner Farben schwarz und gelb prägen die Haltestelle, die Architektur erinnert an Bierzelte.

Münchens schönste U-Bahnhöfe

U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Unter Münchens Erde liegen zahlreiche Schmuckstücke. Sehen Sie hier die schönsten U-Bahnhöfe der Stadt. © Bodmer
Der brandneue U-Bahnhof Münchner Freiheit strahlt nach der 20-monatigen Umbauphase in neuen Farben (U 6). © Schlaf
Ein faszinierend helles Stück „Münchner Freiheit“: Der Münchner "Lichtpapst" Ingo Maurer hat der U-Bahnstation mit seiner Farb- und Lichtgestaltung und den Deckenspiegeln Leben eingehaucht. © Schlaf
Transparenz, Offenheit, Freundlichkeit – das ist der neue U-Bahnhof Münchner Freiheit. © Schlaf
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Farbenfroh, freundlich und großzügig: Der Georg-Brauchle-Ring (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die U-Bahn-Station ist nach dem ehemaligen zweiten Bürgermeister Münchens, Georg Brauchle (CSU, 1915 – 1968) benannt. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Absoluter Hingucker sind die Wandflächen, die der renommierte Künstler Franz Ackermann gestaltet hat. © Schlaf
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Vielleicht der geheimnisvollste Ort im Münchner U-Bahnnetz: der U-Bahnhof Westfriedhof (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die 3,80 Meter breiten Lampenschirme und die Beleuchtung stammen von Lichtdesigner Ingo Maurer, der auch die neue Münchner Freiheit konzipiert hat. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Spektralfarben satt und Glasschutz vor den lebenswichtigen Säulen und dunklere Farben Richtung Tunnel: der Candidplatz in Giesing (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Es ist nur ein Detail an einer Wand der Station: ein kleiner Schmetterling, auf den Flügeln steht „R. Knoll“ und „A. Wagner“. Dies sind die Namen der beiden Gestalter der Bahnsteigwände. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die Säulen der Station sind übrigens lebenswichtig: Der Bahnsteig, der in einer Kurve liegt, muss den Verkehrs- und Erddruck der Oberfläche aushalten – hier kreuzt auch die Candid­brücke am Mittleren Ring. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Eine faszinierende Mischung aus Hell und Dunkel, eine atemberaubende Architektur – und ein kühnes Konstrukt, durch das Tageslicht in den Schacht fällt: Das ist der U-Bahnhof St.-Quirin-Platz (U1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Wenn man die Rolltreppe nach oben fährt, ist die muschelförmige Glaskuppel zu sehen, die den Blick auf einen Park öffnet. © Bodmer
Auch ein Schmuckstück in Münchens Untergrund: Der U-Bahnhof Dülferstraße (U 2). © Bodmer
Die farbenfrohe Wandgestaltung ist von der Münchner Künstlerin Ricarda Dietz, die hohen Rundbögen und die "Orgelpfeiffen" an den Säulen erinnern an eine Kirche. © Bodmer
Auf dem Weg nach oben grüßen die bayerischen Farben. © Bodmer
Die mächtigen Schwingen der Station „Am Hart“ erinnert an einen Windkanal. © Bodmer
Mit seiner blau-weißen Farbgebung verweist die Station auch auf das, was an der Oberfläche ist: dem Forschungs- und Technologiezentrum von BMW. © Bodmer
Der U-Bahnhof "Am Hart" wurde 1993 eröffnet. Geplant wurde er von Hilmer + Sattler und ­dem U-Bahn-Referat. © Bodmer
Die U-Bahnstation "Hasenbergl" (U 2). © Bodmer
Wie ein langes Segel wirkt die Deckenverzierung auf den Betrachter – und vermittelt somit leise: „Wo soll’s hingehen?“ © dpa
Der Bahnsteig hat keine Säulen und ist relativ hoch, der graue Granitbelag wird durch dreieckige Muster aufgelockert und gleichzeitig aufgepeppt. © Bodmer
Es mag schönere, spektakulärere und interessantere Bahnhöfe geben als den in Thalkirchen – aber sagen Sie das mal Kindern! © Bodmer
Die allermeisten werden diese Station zum Lieblingsbahnhof erklären. Und dafür sorgen die Wandbilder von Ricarda Dietz, die am Wochenende aus Tausenden Kinderkehlen ausgiebig kommentiert werden („Elefant! Giraffe!“). © Bodmer
„In keinem Bahnhof sonst wird so klar und deutlich auf die Attraktion an der Oberfläche hingewiesen wie hier in Thalkirchen“, sagt Architektin Cornelia Dissing. Eben auf den Tierpark. © Bodmer
Überhaupt besticht der Ort durch seine Helligkeit und Klarheit. Keine Säulen stören Weg und Blick, nur wenige Bänke behindern die freie Kinderwagenfahrt für frohe Babys. „Es ist ein sehr freundlicher Bahnhof, auch wegen seiner harmonischen Farbgebung“, beobachtet Dissing. © Bodmer
Klarheit ist bei Zweckbauten wichtig. So wie hier: Wo der Ausgang Richtung Tierpark ist, gibt die mächtige, angenehm flache Rampe vor. „An den Rampenwänden mussten andere, unempfindlichere Platten und Materialien verwendet werden als an der Rückwand des Bahnsteiges, da er anfälliger ist. Somit haben die Tiermotive auch ein anderes Erscheinungsbild.“ Wird den Kindern ziemlich egal sein – Hauptsache, hier geht’s weiter mit den Tieren! Gleich sind wir im Zoo! © Bodmer
Die „grüne Lunge“ Münchens im Untergeschoß: Der U4-Bahnhof Böhmerwaldplatz erinnert an einen Wald. © Bodmer
Der Bahnhof wurde am 27. Oktober 1988 eröffnet und strahlt eine besondere Harmonie aus. © Bodmer
Nur ganz am Ende des Bahnsteigs, zum Nebenausgang hin und hinter der Rolltreppe, findet doch noch ein kleines Waldsterben statt: Die armen, weitgehend unbemerkten Säulen sind klein, dürr, fast weiß. Aber wer steht schon so weit hinten im Wald? © Bodmer
Das 15. Wiesn-Zelt: Die U-Bahnstation Theresienwiese U4/U5. © Bodmer
Die Station ­gibt sich ganz Münchnerisch in Gelb und Schwarz – zudem erinnert die Konstruktion an ein Oktoberfestzelt. © Bodmer
Eines von Ricarda Dietz’ Wandbildern – sie stellen typische Szenen auf der Wiesn dar. © Bodmer

Alexander von Branca, geboren am 11. Januar 1919 in München, hat das Tor zur Wiesn im Jahre 1984 gebaut. Jetzt ist der Künstler, der zu den erfolgreichsten und fruchtbarsten seines Landes zählt, 92-jährig gestorben. Seine Tochter Alexandra von Branca (54) erinnert sich in der tz an ihren berühmten Vater.

Sie haben Ihr Architekturbüro in München. Was war das Wichtigste, das Sie von Ihrem Vater gelernt haben?

Alexandra von Branca: Seine Zielstrebigkeit. Er ist immer seinen eigenen Weg gegangen und hat sich nie nach der Mode gerichtet. Er hat sich seine Integrität bewahrt und ist immer seinem Herzen gefolgt. Auch wenn es gerade von Seiten der Presse viel Kritik an seiner Neuen Pinakothek gab. Die sei anbiedernd in ihrer Postmodernität, hieß es.

Hat das Ihren Vater verletzt?

Von Branca: Ja, das hat ihn sehr getroffen. Vor allem, weil seine ersten Pläne schon viel älter waren als der tatsächliche Zeitpunkt des Baus. Ich finde, dass letztlich zählt, was die Zeit über ein Kunstwerk sagt. Es ist schwierig, im Hier und Jetzt etwas zu beurteilen.

Blicken wir nach vorne: Welche Bauten Ihres Vaters werden in 100 Jahren besonders wichtig sein?

Von Branca: Ich denke an die Museen, an die Botschaften in Madrid und für den Heiligen Stuhl in Rom – und an seine frühen Kirchen.

War Ihr Vater gläubig?

Von Branca: Ja, sehr. Das war für ihn lebensnotwendig. Wissen Sie, er wurde unter den Nazis in ein Arbeitslager gebracht, das an ein KZ angeschlossen war. In dieser Zeit gab ihm der Glauben viel Kraft. Für ihn war er auch in seinem Beruf notwendig – sonst hätte er diese Kirchen nicht bauen können.

Bei aller Ernsthaftigkeit im Beruf: War Ihr Vater ein humorvoller Mensch?

Von Branca: Sehr sogar. Er konnte uns Kinder – drei Söhne, zwei Töchter – sehr zum Lachen bringen. Ich erinnere mich auch gut daran, dass er permanent zeichnete – nicht nur Gebäude, sondern auch die Natur, die Berge. Doch letztendlich wusste er: Die Architektur war seine größte Herzensangelegenheit.

Matthias Bieber

Die Beerdigung wird öffentlich in Oberföhring sein, ein Termin steht noch nicht fest.

Ude: Das Vermächtnis von Brancas

OB Christian Ude hat Alexander von Branca als „ausgesprochen feinen Herrn“ in Erinnerung, „kultiviert und kulturell vielseitig interessiert“. Er habe dafür gesorgt, dass jeder Münchner U-Bahnhof ein „unverwechselbares Gesicht bekommt.“ Einmal habe er sogar mit von Branca, der damals Kreisheimatpfleger war, zum Protest aufgerufen: „Als es um den drohenden Abriss der Seidlvilla in Schwabing ging.“ Sein bedeutendstes Bauwerk in München sei die Neue Pinakothek: „Da ließ er konservative Motive anklingen, das ist bei Kunst aus dem 19. Jahrhundert ja passend.“

Bauten in München:

1953: Pavillon der Leichtmetallindustrie auf der Deutschen Verkehrsausstellung

1953– 55: Klosterkirche Herz-Jesu-Schwestern

1962 – 65: Katholische Pfarrkirche St. Matthias

1965 – 71: U-Bahnhof Marienplatz

1969 – 72: Olympia-Pressestadt

1974 – 78: Verlagshaus C.H. Beck

1981: Neue Pinakothek

1984: U-Bahnhof Theresienwiese

1984: U-Bahnhof Prinzregentenplatz

1991: Katholische Pfarrkirche St. Peter (Kirchheim, Ortsteil Heimstetten).

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