Skiunfall in Tirol

Verunglückte Alexandra (6): Pistenchef verurteilt

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Die Stelle an der der tödlichen Unfall passierte.

Nach dem tödlichen Skiunfall der kleinen Alexandra (6) aus München ist der Pistenchef des Skigebiets Wilder Kaiser wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Innsbruck – Ende Januar war die sechsjährige aus München mit einer Schülergruppe auf der Piste „Stöckl Nr. 44“ in der Skiwelt Wilder Kaiser talwärts unterwegs. Trotz Begleitung durch einen staatlich geprüften Skilehrer und zwei Hilfsskilehrer kam es dabei zum tödlichen Unglück. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Pistenchef wegen fahrlässiger Tötung. Am Dienstag musste sich der 46-Jährige vor dem Bezirksgericht Kufstein verantworten. 

Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, endete der Prozess endete mit einem Schuldspruch. Der 46-Jährige wurde zu einer Geldstrafe von 2800 Euro – zur Hälfte bedingt – verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.  

Das Mädchen war gegen eine Schneekanone gefahren

Was war passiert? Die Sechsjährige hatte am 29. Januar die Kontrolle über ihre Ski verloren und die Umzäunung einer Schneekanone durchbrochen. Dabei war sie seitlich mit dem Kopf gegen den am Standfuß befindlichen Hydranten geprallt. Für das Kind kam jede Hilfe zu spät, obwohl es einen Helm getragen hatte. Die Obduktion ergab, dass das Kind letztlich an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma verstorben war.

Die Staatsanwaltschaft nahm in der Folge Ermittlungen auf. Zuvor hatten die Bergbahnen klargestellt, dass aus ihrer Sicht alle Sicherungsmaßnahmen rund um die Schneekanone in Ordnung gewesen seien. Dies sah ein beauftragter Sachverständiger aus dem Fachgebiet des Pistenbaus und der Pistensicherung jedoch anders.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr erklärte im Vorfeld auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung : „Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 46-jährigen stellvertretenden Betriebsleiter der Bergbahnen, der als Pistenchef auch für die Pistensicherung verantwortlich ist, Strafantrag wegen fahrlässiger Tötung eingebracht.“ Demnach war die Schneekanone, gegen die das Mädchen nach seinem Sturz geprallt ist, zwar gut ersichtlich mittels Absperrzaun gekennzeichnet, um ein Befahren des Gefahrenbereiches zu verhindern.

Kein Schutz an der Schneekanone 

Laut Staatsanwaltschaft erfüllt ein solcher Zaun aber eben nicht die Funktion eines Fangzaunes, welcher eine Kollision mit der Schneekanone infolge eines Fahrfehlers verhindern könnte. Mayr: „Die Schneekanone, die den ganzen Winter an derselben Stelle verblieb, hätte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit einem Anprallschutz abgepolstert werden müssen, wodurch die Verletzungsgefahr erheblich gemindert gewesen wäre.“

Ein solcher Schutz befand sich beispielsweise an einer nur wenige Meter entfernten Stütze. Genau dazu wurde jedoch seitens der Seilbahnen argumentiert, dass ein solcher Anprallschutz die Funktionsfähigkeit der Kanone derart beschränken würde, dass er unzumutbar wäre. Dazu sei die Kanone auf einer flachen Piste gestanden.

Pistenbetreiber: Vorab keine Mängel festgestellt

Zum Prozess in Kufstein waren ungewöhnlich viele Medienvertreter aus dem deutschsprachigen Raum zugegen. Der Fall sorgt über die Grenzen Tirols hinweg für Aufsehen. Bei der Verhandlung erklärte sich der angeklagte Pistenchef der Bergbahnen Hochsöll für den tragischen Unfalltod nicht schuldig. Er berief sich dabei auf den gängigen Leitfaden der Verkehrssicherungspflichten auf österreichischen Skipisten. Nach diesem sei er vorgegangen. Das Skigebiet sei auch vom Land Tirol jeweils auf Sicherheit kontrolliert und dabei seien keinerlei Sicherungsdefizite bemängelt worden. Laut den geltenden Leitlinien sei eine Verkleidung von mobilen Schneekanonen – an einer solchen ereignete sich der Unfall – weder erforderlich, noch vorgeschrieben.

Zudem habe sich der Unfall an einem sehr flachen und übersichtlichen Pistenstück ereignet. Die Gruppe war von zwei äußerst jungen Hilfsskilehrern – einem Schüler und einer Studentin – mit einem staatlich geprüften Skilehrer begleitet worden.

Warum die Sechsjährige plötzlich nach etwa fünf Fahrten aus der Gruppe ausgeschert war, konnte bislang keiner der Zeugen erklären oder deuten. Nach dem Ausscheren sei das Mädchen mit einem „leichten Schnneepflug“ direkt auf die Schneekanone zugefahren und dort verunfallt.

Urteil: Schneekanone hätte gesichert werden müssen 

Nach der Gutachtenserörterung durch Gerichtsmediziner Walter Rabl und den skitechnischen Gutachter fiel bereits am frühen Nachmittag das Urteil: Wegen fahrlässiger Tötung wurde der 46-Jährige schuldig gesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Richterin sagte in der Urteilsbegründung, dass die fragliche mobile Schneekanone wie eine stationäre verwendet worden sei. Deshalb hätte das Gerät auch entsprechend gesichert werden müssen.

Die vom Angeklagten geltend gemachte Befolgung des Leitfadens für Verkehrssicherheit auf Skipisten war somit für das Gericht nicht ausreichend. Letztendlich müsse immer der Pistenverantwortliche vor Ort die Gefahrensituation einschätzen. Schon allein dass ein in der Nähe stehender Masten verkleidet worden war, sei Indiz, dass von den Verantwortlichen an jener Stelle ein Gefahrenpotential erkannt worden war. Zumal sich der Pistenbereich in unmittelbarer Nähe zur Skischule befindet und der flache Auslauf bevorzugt von Ungeübten und Fahranfängern frequentiert wird. Ein rein optisch auf die Gefahrenstelle hinweisender Zaun nütze da einem zu Tal rutschenden Kind nichts. Eine Sorgfaltswidrigkeit auf Grund fehlender Mattenabdeckung oder Entfernung der nicht mehr verwendeten Kanone sei daher anzunehmen.

Reinhard Fellner

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