Die Algen-Explosion von Nymphenburg

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Ent-.setzlich… In der Nahaufnahme wird deutlich, wie dicht der Algenbewuchs des Nymphenburger Kanals mittlerweile ist

Igitt! Algen, Algen, Algen – der Nymphenburger Kanal gleicht oberhalb des Waisenhausbeckens einem dreckiggrünen Teppich. Wegen des Traum-Frühling hat sich eine grüne Brühe im Schlosskanal gebildet.

Der Algenteppich ist schon so engmaschig, dass die Enten wie kleine Algen-Brecher durchs stinkende Wasser pflügen müssen. Algen sind zwar nichts Neues im Kanal, aber so früh wie heuer trat die Plage noch nie auf. Ist der Klimawandel daran Schuld?

Josef Schwab von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung (BSV) sagt: „Es sind zwei Dinge, die da zusammen gekommen sind: Zum einen haben wir den ohnehin niedrigen Wasserspiegel abgesenkt, um die beiden Brunnenwerke für die Fontänen wieder in Gang zu kriegen, zum anderen war es ausgerechnet in diesen Tagen mit über 20 Grad sehr warm. Da sind die Algen regelrecht explodiert.“ Im Gegensatz zu allen anderen Münchnern hofft Schwab deshalb in den nächsten Tagenauch nicht auf Sonne: „Jetzt wären niedrige Temperaturen und Regen gut, dann würde sich das Problem wohl von allein erledigen.“

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

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Wenn nicht, dann müssen sich Anwohner, Spaziergänger und Touristen wohl an Anblick und Geruch der Brühe gewöhnen. Zwar gäb’s die Möglichkeit, ein Mäh-Boot einzusetzen, um die Algen vom Kanalboden abzuschneiden. Aber das ist teuer. Schwab fürchtet zwar, dass er heuer nicht um einen solchen Einsatz herum kommt, würde damit aber gern wenigstens bis zum Sommer warten.

Dieses Foto wurde am Sonntag aufgenommen. Der Sonnenschein hat den Algen gut getan.

Trotz der Grünalgen-Plage ist die Gewässerqualität im Nymphenburger Kanal übrigens gut. Einen Beleg dafür liefern, so Diplom-Biologe Matthias Junge vom Wasserwirtschaftsamt, ebenfalls Algen. Genauer gesagt: die so genannten Armleuchteralgen. Sie haben nämlich eine Vorliebe für saubere, nährstoffarme Gewässer. Der heftige Algenwuchs im Nymphenburger Kanal liegt zum Teil auch daran, dass es sich um ein stehendes Gewässer handelt. Die leichte Strömung, die man sieht, rührt vom Waisenhauskessel her. Der ist vier, fünf Meter tief und saugt die toten Algen, die auf dem nur 0,8 bis einen Meter seichten Kanal herumschwimmen, regelrecht an. „Theoretisch“, sagt Junge, „könnte man sie einfach abfischen. Das wird ja auch immer wiedergemacht.“ Aber auch das kostet natürlich Geld...

Stichwort Nymphenburger Kanal

Der Nymphenburger Kanal ist insgesamt rund 2,8 Kilometer lang. Von den Algen betroffen ist vor allem der so genannte Schlosskanal (rund 1,5 Kilometer vom Schloss bis zur Waisenhausstraße.) Dieser Bereich wurde zuletzt im Herbst 2005 gründlich gereinigt - für rund eine halbe Million Euro. Für das Ablassen berechnete die Münchner Abwasserverwaltung damals der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung (BSV) einen -mittleren fünfstelligen Bereich. Das ist mit einer der Gründe, so Josef Schwab von BSV, warum der Kanal nicht öfter gereinigt wird.

WDP

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