Starke Stimme, starke Songs

So war Alicia Keys in München

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Alicia Keys in München

München - Mit starker Stimme und starken Songs hat Alicia Keys am Sonntagabend in der Münchner Olympiahalle ihre Zuhörer verzaubert. Lesen Sie hier die Kritik:

Am Ende, als das Glück perfekt ist, liegt die ausverkaufte Olympiahalle mitten in Manhattan. „When you’re in Munich“, singt Alicia Keys. Ihre New-York-Hymne „Empire State Of Mind“, einer der hinreißendsten Popsongs dieses Jahrhunderts, bekommt einen neuen Refrain – der bei den 10.000 Zuhörern für die Mutter aller Gänsehäute sorgt. Es ist ganz großes Musikkino, das Alicia Keys liefert. Ohne pompöse Show, nur mit starker Stimme und starken Songs, bezaubert sie. Die Frau am Klavier, sie verleiht Flügel.

Mit gerade mal zwei Outfits kommt die Neo-Soul-Diva den ganzen Abend aus. Andere Sängerinnen mögen ständig die Klamotten wechseln – Alicia wechselt lieber das Instrument, schwebt vom Flügel zum E-Piano, zum Synthie und zurück. Substanz statt Fassade eben. Selbst als ihre Chorsänger Marvin Gayes „I'll Be There For You“ singen und ihr eine kurze Pause gönnen, kommt sie im gleichen bauch- und rückenfreien Top wieder zurück. Ein Superstar, der sich nicht dauernd zwanghaft umziehen muss – ja gibt’s das denn heute noch?

Zum Schauen bleibt dennoch genug: Fantastisch sieht sie mit ihrem kessen Bob aus, ein wenig wie Victoria Beckham, nur mit Fleisch gottlob. Aber Sinnesorgan des Abends sind eindeutig die Ohren. Als die Keys das legendäre erste „I“ von „Fallin’“ genüsslich in die Länge zieht, bebt die Halle vor Vorfreude – zurecht. Mit ihren 32 ist sie stimmlich weiter gewachsen, kann jederzeit zulegen, und spart sich Sperenzchen. Dass sie am Ende ihrer Deutschland-Tour heiser ist – man merkt es kaum, und wenn doch: Selbst das Rauchige steht ihr gut.

Wermutströpfchen: Für einen 100-Minuten-Abend ist die Hitdichte bei Miss Keys noch recht gering, sie braucht viel Füllmaterial. Und die ein oder andere Ecke und Kante würde ihr gut tun. Als strebsame höhere Tochter des Pop wirkt sie auf Dauer doch arg brav. Daran ändert auch nichts, als sie bei „New Day“ und „This Girl Is On Fire“ beherzt auf die Trommel haut. Doch wen stört das noch, als sich Alicia für die letzte Zugabe doch noch umzieht? Mit einem kurzen „Empire State Of Mind“ hatte sie eröffnet (wir berichteten), und mit ihrer magischen New-York-München-Hymne schließt sie auch, im funkelnden lila Kleid mit Schleppe. Atemberaubend, augenberaubend, ohrenberaubend.

Jörg Heinrich

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