Verfahren zur Genehmigung läuft

Anwohner gehen wegen Panzer-Teststrecke auf die Barrikaden: „Je nachdem wie der Wind steht ...“

Hebt schonmal ab: Der Kampfpanzer Leopard 2 wird auf der Strecke getestet.
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Hebt schonmal ab: Der Kampfpanzer Leopard 2 wird auf der Strecke getestet.

Die Panzer-Teststrecke auf dem Gelände der Firma Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sorgt weiter für Ärger bei den Anwohnern. Die Allacher wollen die Teststrecke am liebsten ganz weghaben. 

  • Für viele Anwohner ist die Panzer-Teststrecke in Allach ein Ärgernis.
  • Auch in aller Frühe sowie an Samstagen würde der Lärm zu hören sein.
  • Aktuell läuft ein Genehmigungsverfahren - doch über die Gutachter wird gestritten.

München - Anlass für den Zoff ist nicht nur der von vielen Anwohnern beklagte Lärm, sondern auch ein laufendes Genehmigungsverfahren. Als die Strecke 1964 gebaut wurde, war dies noch genehmigungsfrei. Erst 2004 wurde sie durch einen nachträglichen Bescheid des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) einem ordnungsgemäßen Betrieb zugeführt.

Dass das KMW nun einen Genehmigungsantrag stellte, der sogar eine Verringerung des derzeit erlaubten Betriebes vorsieht, weckt bei BA-Mitgliedern und Anwohnern Misstrauen. Ingrid Haussmann (CSU) vermutet, dass das Unternehmen sich mehr Rechtssicherheit verspricht, wenn die künftige Bebauung des Diamaltgeländes an die Teststrecke heranrückt und deshalb eventuell Klagegründe entstehen könnten.

Panzer-Teststrecke in München-Allach: Zahl der Fahrten soll reduziert werden

Eine Ausweitung des Betriebs stehe nicht im Raum versicherte Christian Heindl vom RGU dem Bezirksausschuss. Die Betriebszeiten sollen wie bisher auf Montag bis Samstag von 7 bis 20 Uhr beschränkt bleiben. Die Testfahrten sollen sogar reduziert werden. Der aktuelle RGU-Bescheid aus dem Jahr 2004 erlaubt maximal 117 Runden an vier Stunden pro Tag.

Laut KMW liegt die aktuelle Nutzung bei rund 76 Runden an 2,5 Stunden pro Tag. Beantragt werden nun maximal 65 Runden an 2,1 Stunden pro Tag. Mit dem Antrag solle die Nutzung an die aktuell gültige Rechtslage angepasst werden, erläuterte Heindl. Die Beweggründe von KMW kennt der RGU-Mitarbeiter aber nicht - zumal die im Bescheid von 2004 genehmigte Nutzung Bestandsschutz hat.

Die Panzerteststrecke auf dem Areal der Firma Krauss-Maffei Wegmann umfasst verschiedene Bestandteile.

Panzer-Teststrecke in Allach: Kritik an Gutachtern vom Gelände-Eigentümer

Die Anwohner der nahen Waldkolonie bezweifeln die Angaben von KMW. Sie sagen, dass weit öfter gefahren werde. Am liebsten wäre es ihnen, wenn das Unternehmen wegzieht. Ein Anwohner kritisierte, dass die Gutachter im Rahmen des Genehmigungsverfahrens von KMW beauftragt sind. Laut Heindl ein üblicher Vorgang. Der Allacher forderte dennoch, dass die Stadt einen eigenen Gutachter beauftragen solle.

Nicht nur in der nahen Waldkolonie fühlen sich die Anwohner vom Panzerlärm belästigt. Sogar im fast 800 Meter entfernten Storchenweg gibt es Proteste. „Je nachdem wie der Wind steht, hat man die Panzer gefühlt mit auf der Terrasse sitzen“, sagt Eric Koschmieder. „Und das auch noch samstags.“ Er habe sogar ein gewisses Verständnis, da die KMW-Mitarbeiter auch nur ihren Job machen. „Aber ab sieben Uhr in der früh dieser Lärm - das ist schon sportlich.“

Panzer-Teststrecke in Allach: Besonderes Lärmproblem wegen Homeoffice

Die ebenfalls im Storchenweg lebende Nora S. beklagt ebenso ein tiefes Brummen und lautes Poltern. Sie befindet sich im Austausch mit anderen genervten Anwohnern. „Gerade jetzt mit dem Homeoffice wegen Corona haben viele ein Problem“, sagt sie. Egal, ob man das Fenster aufmache oder geschlossen halte, der Lärm sei heftig.

Nora S. findet, dass eine Panzer-Teststrecke nahe den Wohngebieten nichts zu suchen habe. „Am sinnvollsten wäre es, sie komplett von hier weg zu verlagern.“ Mindestens müsse der Betrieb aber auf Vormittage an Werktagen beschränkt werden, wenn viele Anwohner in der Arbeit oder Schule sind.

Panzer-Teststrecke in Allach: Nicht alle Anwohner fühlen sich gestört

Es gibt aber nicht nur negative Stimmen. Annemarie Haas lebt seit 43 Jahren am Storchenweg und hat dort eine Fußpflegepraxis. Sie sagt: „Ich fühle mich in all den Jahren von der Teststrecke in keiner Weise beeinflusst.“

Die Mitglieder des BA gaben bislang keine Stellungnahme zum Antrag ab. Sie wollen die Aussagen der KMW-Vertreter bei der Sitzung am 14. Juli abwarten. Die Auslegungsfrist für den Antrag endete am 6. Juli, noch bis 6. August können Einwendungen vorgebracht werden. Diese werden am 10. September bei einem Erörterungstermin besprochen. Heindl betonte, dass das RGU bei der Genehmigung keinen Ermessensspielraum habe. Wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien, müsse die Genehmigung erteilt werden. (Andreas Daschner)

In Gräfelfing ist ein Auto in eine Metzgerei gebrettert und erst von der Wursttheke gestoppt worden.

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