Anwohner laufen Sturm

Betonklotz-Alarm! Zwei Projekte auf dem Prüfstand

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Anstelle eines Schreibwarenladens und Cafés...

München - Neubauprojekte auf dem Prüfstand: Eines im Herzogpark beschäftigte am Montag die Justiz, ein anderes in Aubing wird am Dienstag in der Stadtgestaltungskommission behandelt.

München ist von einem Kranz grüner Wohngebiete und Gartenstädte umgeben, die vor allem aus dem 19. Jahrhundert stammen. Die Bauherren haben diese Idylle entdeckt und nutzen die Grundstücke, um dort anstatt von Villen und Einfamilienhäusern möglichst große Wohnblöcke aus Beton zu bauen – für das Maximum an Rendite. Nachbarn laufen in der Regel Sturm. Ein Projekt im Herzogpark beschäftigte gestern die Justiz, ein anderes in Aubing wird am Dienstag in der Stadtgestaltungskommission behandelt.

Flachdächer in der Aubinger Siedlung

Die Stadtgestaltungskommission beschäftigt sich heute mit den Plänen des Architekten Franz Weber aus Gmund. Er will in der Limesstraße (Aubing) unmittelbar neben dem denkmalgeschützten Jugendstilbau der Limesschule zwei massive, graue Wohnblöcke mit Flachdächern errichten. Die Nachbarschaft ist von kleinen Walmdachhäusern inmitten großer Gärten geprägt.

... sollen diese Flachdach-Wohnblöcke entstehen – in Nachbarschaft kleiner Walmdachvillen.

Der Bezirksausschuss ist mit den Plänen der Garchinger Grundstücksbesitzerin nicht einverstanden. „Wir haben die Stadtgestaltungskommission gebeten, sich damit auseinanderzusetzen, weil der Entwurf des Architekten hässlich ist und sich in seinen Dimensionen überhaupt nicht in die Umgebung einfügt“, so Thomas Hampel, Fraktionssprecher der SPD im Bezirksausschuss.

Johann Sauerer, Vorsitzender der CSU Aubing, sieht das ähnlich: „Der hässliche Entwurf passt nicht ins Ensemble. Das ist ein Störfaktor in diesem letzten erhaltenen Straßenzug der Aubinger Eisenbahnersiedlung.“ Der Laden im Haus, das abgerissen werden soll, sei eine Institution, das Café gebe es auch schon lange.

Auch Stadtheimatpfleger Gert F. Goergens hält den Entwurf wegen der Flachdächer für diskussionsbedürftig.

Grundstücksbesitzerin Sabine H. aus Garching kann die Kritik nicht verstehen: „Es ist doch besser, einen modernen Entwurf zu verwirklichen als eine nichtssagende pseudohistorische Architektur.“ Und ihr Architekt Franz Weber aus Gmund am Tegernsee meint: „Durch den Kontrast der alten mit der modernen Architektur kommt das Denkmal der Limesschule doch viel mehr zur Wirkung, als jetzt.“

Immerhin sollen in den Gebäuden neun Wohnungen entstehen, im Neubau soll es auch wieder einen Laden geben.

Hickhack um Kolberger-Villa

Die Villa Kolberger von 1923...

Die Villa in der Kolbergerstraße 5 erinnert an die Zeit, als die Familie der Wittelsbacher-Herzöge den Herzogpark verkaufte – womit der Landschaftsgarten zum Baugebiet wurde.

... soll einem großen Neubau weichen.

1925 wurde die Villa im Stil der Reformarchitektur errichtet, die sich gegen historisierende Bauten wandte. Die Baufirma Euroboden möchte das Haus abreißen und ein neues, nobles Gebäude mit neun Eigentumswohnungen errichten – nach Plänen des Star-Architekten David Chipperfield. Das Landesamt für Denkmalpflege strich den Bau 2013 von der Denkmalliste (Argument: Wegen Umbauten nicht mehr schutzwürdig). 3000 Anwohner und Denkmalfans protestierten – mit Erfolg! Das Landesamt erklärte den Bau wieder zum Denkmal, die Stadt verweigerte den Abriss – unter Berufung auf ein eigenes Gutachten. Der Bauherr führt drei andere Gutachten an, die wiederum aussagten, dass die Villa kein Denkmal ist. Gestern kam der Fall vors Verwaltungsgericht: Es wird nun noch ein Gutachter gesucht, der abschließend entscheiden soll. Die Richterin will aber keinen Denkmalpfleger, sondern einen Bauhistoriker.

Johannes Welte

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