„Gated Community“ als „Wohlfühl-Burg“

Ex-Diamalt-Gelände: So sehen die Pläne für das neue Wohngebiet aus

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So soll es von oben aussehen, das alte ehemalige Diamalt-Gelände mit dem Kesselhaus in der Mitte.

Sie sollen es schön haben, die künftigen Bewohner des ehemaligen Diamalt-Werksgeländes in Allach-Untermenzing. Jetzt haben die Architekten vorgestellt, wie das Quartier aussehen wird, in dem einmal 1600 Menschen leben werden: wie eine abgeschirmte Burg mit historischem Inneren.

München - Architekt Franz Pesch nannte sie „Ikonen der Industriegeschichte“: Kesselhaus und Suppenwürze-Haus auf dem ehemaligen Diamalt-Gelände. Sie in nachbarschaftlicher Umgebung in Szene zu setzen, „das hat uns geleitet“, sagte Pesch in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA), dem er gemeinsam mit Bernd Willer vom Planungsreferat seinen Entwurf für die Bebauung des seit Jahren brachliegenden Areals vorstellte.

Das Unternehmen Isaria will auf der 8,2 Hektar großen Fläche bis zu 730 Wohneinheiten bauen, angeordnet wie in einem klassischen Quartier. Sie umrahmen eine Grünfläche im Inneren. Jahrelang sei in Deutschland hoch gebaut worden, geschlossen und abgeschirmt, drumherum Freifläche, so Pesch. „Wir haben uns die schönen Münchner Quartiere angeschaut und bevorzugen eine Bebauung, die dem Bewohner das Gefühl gibt, noch wirklich an dieser Fläche teilzuhaben.“ Außerdem schaffe es das Kind, das unten spielt, bei der flacheren Bebauung auch noch rechtzeitig aufs Klo.

Drei verschiedene Ansichten zeigen, dass zwischen der Neubebauung markant die historischen Gebäude des alten Diamalt-Geländes zu sehen sind, auf dem früher Backzutaten, Suppenwürze sowie Malz- und Soßenpräparate hergestellt wurden. Der Schlot des alten Kesselhauses wird das Wahrzeichen des Quartiers.

Das Gelände soll so zu einer „Gated Community“ werden, also einem geschützten Komplex, der aber an mehreren Stellen begeh- und befahrbar ist. „Das Kesselhaus und die Suppenwürze erhalten diesem Standort seine Identität und stehen weiterhin in direkter Beziehung zueinander, da dazwischen nicht gebaut wird.“

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Mitglieder des BA hatten an einem früheren Entwurf kritisiert, dass die beiden historischen Gebäude von außen nicht mehr für Passanten sichtbar waren. Pesch wies auf zahlreiche neue „Durchblicke“ hin, die von der Georg-Reismüller-Straße aus möglich seien. „Trotzdem war es nie der Plan, dass man von der Straße aus gleich alles sieht“, fügte Bernd Willer hinzu. „Das Gebiet soll selbst erobert und begangen werden.“

Drei verschiedene Ansichten zeigen, dass zwischen der Neubebauung markant die historischen Gebäude des alten Diamalt-Geländes zu sehen sind, auf dem früher Backzutaten, Suppenwürze sowie Malz- und Soßenpräparate hergestellt wurden. Der Schlot des alten Kesselhauses wird das Wahrzeichen des Quartiers. 

Die östlich am Areal verlaufende Mauer ist denkmalgeschützt und bleibt erhalten. Die überwiegende Anzahl der Tiefgaragenzufahrten befindet sich aus diesem Grund innerhalb des Komplexes. Insgesamt sind sieben Zufahrten geplant. Allgemein gilt ein Stellplatz pro Wohneinheit. Für 20 Prozent der Fahrräder wird im Innenhof Platz sein, alle anderen sollen in Unter-, und Erdgeschossen untergebracht werden. 

Auf dem Gelände werden außerdem zwei Kitas mit insgesamt sechs Krippen, fünf Kindergärten und zwei Hortgruppen entstehen. Weil sich an der Georg-Reismüller-Straße schützenswerter Baumbestand befindet, werden die Häuser dort um elf Meter zurückgesetzt. Die Gebäude haben zur Straße hin drei Etagen und werden nach etwa zehn Metern viergeschossig. „So wirken sie nicht so massiv“, sagte Willer.

Drei verschiedene Ansichten zeigen, dass zwischen der Neubebauung markant die historischen Gebäude des alten Diamalt-Geländes zu sehen sind, auf dem früher Backzutaten, Suppenwürze sowie Malz- und Soßenpräparate hergestellt wurden. Der Schlot des alten Kesselhauses wird das Wahrzeichen des Quartiers. 

„Nun stellt sich bei mir langsam ein gewisses Zufriedenheitsgefühl ein“, sagte Heike Kainz, CSU-Stadträtin und BA-Vorsitzende nach dem Vortrag. „Es sind eindeutig Fortschritte zu erkennen.“ Friedrich Schneller (SPD) nannte die geplante Wohnsiedlung ein „wahres Juwel“ für den Bezirk. „Das wird Allach-Untermenzing wesentlich aufwerten.“ Josef Feig (CSU) wies auf die infrastrukturellen Schwierigkeiten hin, die ein solcher Komplex mit sich bringe: „Ich habe nichts gegen diese Oase – Menschen werden sich wohlfühlen“, sagte er. „Aber ich denke da an die alteingesessenen Allacher, die mit dieser hohen Verkehrsbelastung zu kämpfen haben werden.“ Kainz fasste zusammen, dass mit der Bebauung des Diamalt-Geländes ein ewiger Schandfleck verschwinde und auf die Wohnungsnot reagiert werde. Sie begrüße, dass die beiden Industriedenkmäler durch die Anordnung der Gebäude gebührend gewürdigt würden. „Das ist wichtig, denn München hat nur sehr wenige davon.“

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Leonie Gubela

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