Früher Schutzraum, bald Hingucker

Allach: Hier entsteht ein Hotelbunker

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Die Baustelle im aktuellen Zustand

München - Nein, Allach bekommt keinen neuen Monopteros. Das hier wird ein ausgefallenes kleines Hotel mit 15 Zimmern und Gastronomie - und zwar im ehemaligen Bunker am Oertelplatz.

In den vergangenen Monaten herrschte auf der Baustelle an der Lautenschlägerstraße Stillstand. Jetzt aber geht es nach Auskunft von Johann Lindner, Geschäftsführer des Planegger Immobilienunternehmens Bavaria Bau und Boden GmbH, zielstrebig weiter. In den kommenden vier Monaten soll der Rohbau entstehen, mit dem Innenausbau will Lindner bis zum Frühjahr 2014 fertig sein.

Der Architekten-Entwurf für das geplante Hotel

Was einfach klingt, war richtig kompliziert. Johann Lindner hat den ehemaligen Hochbunker aus den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges schon vor vielen Jahren gekauft. Zuletzt wurde er als Band-Übungsraum genutzt und stand dann leer. 2009 präsentierte der Besitzer seine Pläne, dort ein Hotel einzurichten. Der erste Entwurf fiel bei der Stadtgestaltungskommission jedoch hochkant durch. Zu „kitschig“ und der historischen Bedeutung zu wenig angemessen seien die Pläne, urteilte die Jury. Lindner ließ sich nicht entmutigen und holte sich einen Profi in Sachen Bunker-Umbau ins Boot: die Münchner Architektin Donata Eberle. Sie hatte 2003 den Umbau des Bunkers am Schyrenbad in einen Wohnblock konzipiert.

Nun waren Stadträte und der Bezirksausschuss Allach-Untermenzing mit der Optik zufrieden. 2010 wurde die Baugenehmigung erteilt. Dafür tat sich der Bauherr schwer, einen Betreiber für sein Bunker-Hotel zu finden. Wieder wurde umgeplant: Exklusive Loft-Wohnungen mit je 110 Quadratmetern sollten auf den fünf Etagen entstehen.

"Das trostlose Umfeld wird sich wandeln"

Im Frühjahr 2012 rückten die Bauarbeiter an und bearbeiteten die bis zu zweieinhalb Meter dicken Wände mit Presslufthämmern. Bis September wurde der Bunker bis auf die Mauerreste ausgehöhlt, die jetzt zu sehen sind. Nur: Lindner fand auch für die Wohnungen kaum Interessenten und kam in den vergangenen Monaten zurück auf seine ursprüngliche Idee: ein Hotel mit Gastronomiebetrieb.

„Das Hotel-Segment erfreut sich großer Nachfrage“, sagt der Unternehmer gegenüber Hallo München. Über das Konzept sagt er, er habe Teile der Betonwände sichtbar erhalten wollen, „um der historischen Bedeutung gerecht zu werden und den Charakter des Gebäudes zu erhalten“. Das sei beim Hotel besser umsetzbar als bei Wohnungen und gebe dem Hotel- und Gas­tronomiebetrieb zudem eine ganz besondere Note. Lindner will auch alle 15 Zimmer voraussichtlich im Drei-Sterne-Bereich ganz individuell gestalten. Auf dem Dach soll eine Terrasse einen Rundumblick ermöglichen – den Blick auf den in einigen Jahren neu gestalteten Oertelplatz nicht zu vergessen.

Lindner sagt: „Ich finde den Siegerentwurf sehr gelungen. Das trostlose Umfeld wird sich wandeln, und das ist nur zu begrüßen – und als kleiner Solitär in der Mitte steht unser Hotel.“ Ein Hotelbunker – mal mit ganz neuem Wortsinn ...

Ursula Löschau

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