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Kraus-Maffei in München: Personalaufbau, wenn umstrittene Panzer-Teststrecke bleiben darf?

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Von: Thomas Schmidtutz

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Wartet auf die Zeitenwende: Ralf Ketzel, Chef des Münchner Leopard-2-Bauers Krauss-Maffei Wegmann.
Wartet auf die Zeitenwende: Ralf Ketzel, Chef des Münchner Leopard-2-Bauers Krauss-Maffei Wegmann. © Marcus Schlaf

Anwohner haben gegen die Panzer-Teststrecke in München-Allach geklagt. Kraus-Maffei-Konzernchef Ralf Ketzel erklärt, welche Folgen ein Gerichtsentscheid haben könnte.

München - Der Münchner Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat einen deutlichen Personalaufbau für sein Stammwerk in Aussicht gestellt. Dies setze aber voraus, dass die umstrittene Panzer-Teststrecke auf dem Werksgelände in München-Allach erhalten bleibe, machte Konzernchef Ralf Ketzel im Interview deutlich.

Schauen wir noch mal auf ein eher lokales Thema: Sie haben aktuell großen Ärger mit Ihrer Panzer-Teststrecke am Werk in München-Allach. Anwohner haben Klage eingereicht. Nach Ihrer Darstellung ist seit 1964 bestehende Teststrecke illegal errichtet worden. Auch einen Bestandsschutz bestreiten die Kläger. Das Umweltamt der Stadt München sieht das ähnlich. Jetzt ist die Sache vor dem Verwaltungsgericht in München. Wie sehen Sie die Aussichten, dass die Bürgerinitiative mit Ihrer Klage durchkommt?

Wir haben unlängst alle Unterlagen für eine Baugenehmigung bei der Stadt München eingereicht. Damit sind aus unserer Sicht alle formalen Aspekte, die die Bürgerinitiative bemängelt hat, ausgeräumt. Im August hat die Stadt bestätigt, dass die Unterlagen vollständig vorliegen. Ich gehe davon aus, dass wir die entsprechende Genehmigung erhalten.

Bis wann?

Wir hoffen auf das kommende Frühjahr. Es steht aber jedem frei, den Rechtsweg zu beschreiten. Daher ist das nur ein sehr grober Zeitplan. Für uns ist aber wichtig, dass wir mit der Teststrecke in Allach eine Schlüsselkompetenz haben, die wir nicht in Frage stellen sollten.

Und wenn die Teststrecke doch noch verboten wird?

Hätte das weitreichende Auswirkungen.

Nämlich?

Kurzfristig könnten wir dann bestehende Liefer-Verpflichtungen beim Leopard 2 oder dem Puma nicht mehr einhalten. Die Bundeswehr erhielte diese Fahrzeuge dann zunächst nur mit Verzögerung. Mittelfristig ginge es zudem um die Frage, wie wir unsere Kompetenz hier halten können. Wir können Montagwerker nicht mal eben so verschieben. Das sind Spezialisten hier am Standort in München. Die werden nicht umziehen. Bei den Entwicklern und Ingenieuren hätten wir ebenfalls erheblich weniger Bedarf. Diese Stellen könnten wir damit wohl ebenfalls dauerhaft kaum halten. Damit würde die Bedeutung des Standortes rapide sinken. Unterm Strich ginge es um rund 500 Stellen. Das wäre fast ein Drittel der Belegschaft hier am Standort. Damit verbunden wäre zudem die grundsätzliche Frage um die Zukunft des Kompetenzzentrums für Panzertechnik.

Sie müssten die Kompetenzen dann komplett verlagern, womöglich nach Frankreich?

Diese Frage müssten wir uns dann stellen.

Wenn die Teststrecke nicht mehr betrieben werden darf, müssen sie in München die Segel streichen?

Ja, für einen erheblichen Teil der Belegschaft.

Was würde aus den verbleibenden 1000 Beschäftigten?

Wir haben bei Airbus gesehen, dass viele Stellen in die Airbus-Zentrale nach Toulouse abgewandert sind. Eine ähnliche Entwicklung wollen wir verhindern.

Was bliebe dann für Allach?

Möglicherweise die deutsche Vertragsabwicklung, also die zentrale Abnahmestelle für die Bundeswehr und Management.

Und wenn die Panzer-Teststrecke bleibt?

Dann würden wir hier weiter Personal aufbauen.

In welcher Größenordnung?

Aktuell beschäftigen wir hier 1700 Mitarbeiter. Für die nächsten fünf Jahre planen wir zusätzlich möglichst mit 50 bis 100 Mitarbeitern pro Jahr.

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