Der Hunde-Aufstand von Untermenzing

Leinenzwang in der Angerlohe? Eklat im Bezirksausschuss

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Die Untermenzingerin Karin Ogl ist jeden Tag mit ihren beiden Rhodesian Ridgebacks in der Angerlohe beim Gassigehen.

Geschrei, hitzige Diskussion, Rauswurf durch die Polizei: Was da am Dienstag bei der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Allach-Untermenzing passiert ist, war ein richtiger Eklat!

Allach-Untermenzing - Was war passiert? Rund 30 Hundebesitzer waren gekommen, weil’s um die Leinenpflicht ging. Auslöser: ein früherer Antrag, die Angerlohe als Naturschutzgebiet (eben mit Leinenpflicht) auszuweisen. Besonders skurril war die Auseinandersetzung, da die Leinenpflicht nach einer Entscheidung des Bauamts ohnehin schon vom Tisch war…

Die Angerlohe ist ein FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) und soll nach Ansicht von Falk Lamkewitz (Grüne) sogar in ein Naturschutzgebiet umgewandelt werden. Damit verbunden wäre auch die Leinenpflicht, die nun die Hundehalter auf die Barrikaden brachte.

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BA-Chefin Heike Kainz (CSU) betonte, dass das Baureferat die Leinenpflicht eh schon abgelehnt habe. Dennoch erklärte sie sich bereit, den Antrag der Hundebesitzer entgegenzunehmen. Das war aber der Wortführerin nicht genug: Sie fiel Kainz lautstark ins Wort, wollte weitere Argumente vorbringen. Weil sich die erregte Hundebesitzerin nicht beruhigen wollte, verwies Kainz sie des Saales. Auch darauf reagierte die Frau nicht. Schließlich griff der bei den BA-Sitzungen üblicherweise anwesende Beamte der Polizeiinspektion ein und führte die laut schimpfende Allacherin („Das ist keine Demokratie!“) aus dem Sitzungssaal. Kainz schüttelte den Kopf: „Das hat es in meiner Zeit im BA noch nicht gegeben.“

„Es baden immer wieder mehrere Hunde in einem Tümpel“

Mit ihrem Wutausbruch könnte die Frau den Hundesbesitzern einen Bärendienst erwiesen haben. Denn nun meldete sich eine Anwohnerin: „Es baden immer wieder mehrere Hunde in einem Tümpel im FFH-Gebiet.“ Das sei verboten – genau wie das Verlassen der Wege, was sie ebenfalls beobachte. Daraufhin Kainz: „Wir müssen uns mit dem Thema wohl noch einmal etwas genauer auseinandersetzen…“

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Der Tümpel im FFH-Gebiet.

Das könnte dann auch besonnene Hundebesitzer wie Karin Ogl treffen. Die Untermenzingerin ist jeden Tag mit ihren beiden Rhodesian Ridgebacks in der Angerlohe beim Gassigehen – so auch gestern. Über die Eskalation in der BA-Sitzung vom Vortag ist sie verwundert: „Die meisten Hundebesitzer, die hier unterwegs sind, sind eigentlich sehr vernünftige Menschen…“

Die Leinenpflicht lehnt die Kosmetikerin ab: „Es gibt hier kein Wild – wenn man jetzt schon in solchen Ecken seine Hunde nicht mehr laufen lassen kann, kann man bald gar keine Hunde mehr in München halten.“ Ein weitaus größeres Problem in der Angerlohe sind aus ihrer Sicht die Menschen: „Was hier an Kaffeebechern und Ähnlichem in die Natur geworfen wird, ist für mich unverständlich.“ 

A. Daschner

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