Mehr soziale Gerechtigkeit

Metaller-Streik: 3000 proben Aufstand bei MAN in Allach

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Nachdem die Gespräche zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern am Wochenende erneut gescheitert waren, hatte die IG Metall zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen – unter anderem bei BMW, Mercedes und MAN.

Werkzeuge aus der Hand und Lichter gelöscht: Im angespannten Tarifkonflikt zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern demonstrieren tausende Beschäftigte auf dem MAN-Gelände.

Mit wehender Fahne steht Thomas Nachtmann auf dem MAN-Stammgelände in Allach. „Der Arbeitgeber hat eine soziale Verantwortung“, ruft der 46-Jährige, „eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Der Penzberger ist aufgewühlt, und er ist nicht allein: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben bundesweit rund 15.000 Metaller ihre Werkzeuge aus der Hand gelegt und die Lichter in den Fabriken gelöscht. Während die Produktion in etlichen Betrieben mindestens 24 Stunden lang schläft, sind die Arbeitnehmer hellwach: Bereits um sieben Uhr morgens haben sich rund 3000 Beschäftigte auf dem MAN-Gelände versammelt. Mit Trillerpfeifen und Konfetti-Pistolen sind sie aufmarschiert, um für ihr Anliegen zu kämpfen.

Als Betriebsrats-Mitglied hat Thomas Nachtmann jeden Tag mit den Sorgen seiner Kollegen zu tun. Von einigen Beschäftigten wisse er, dass sie knapp 40 Stunden pro Woche arbeiten, obwohl sie eine Familie und pflegebedürftige Verwandte haben. „Da fängt die Arbeit nach der Arbeit erst an“, sagt Nachtmann. Um die Arbeitgeber zum Umdenken zu bewegen, ist der Penzberger dem Ruf der IG Metall gefolgt. „Wir fordern ja keine Arbeitsverkürzung bei vollem Lohnausgleich, sondern lediglich eine Aufstockung – einen Obolus für alle, die sich für andere einsetzen und unser System am Laufen halten.“

Warnstreiks: Donnerstag stehen allein in Bayern 18 Betriebe still.

Nachdem die Gespräche zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern am Wochenende erneut gescheitert waren, hatte die IG Metall zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen – unter anderem bei BMW, Mercedes und MAN. Aktuell geht die Gewerkschaft davon aus, dass sich bis zu 500.000 Beschäftigte in mehr als 250 Metall- und Elektrobetrieben an dem bundesweiten Arbeitskampf beteiligen werden. Allein in Bayern stehen am Donnerstag 18 Betriebe still.

Die IG Metall fordert für rund 3,9 Millionen Beschäftigte sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit künftig auf 28 Stunden reduzieren können. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter sollen einen Teilausgleich für ihren Lohnausfall erhalten.

Sie sind solidarisch: Für ihre Kollegen haben die BMW-Mitarbeiter Brahmani Ramadan und Hermann Huber gestern für knapp vier Stunden ihre Maschinen ausgeschaltet.

Nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW Köln) könnten die Streiks zu millionenschweren Umsatzverlusten führen. Würden über einen längeren Zeitraum hinweg gezielt größere Betriebe bestreikt, so würde der Umsatzausfall bei 100.000 Teilnehmern auf etwa 125 Millionen Euro steigen, schätzt IW-Tarif-Forscher Hagen Lesch.

MTU-Mitarbeiter Max Kremer ist trotzdem auf die Barrikaden gegangen. „Es kann doch nicht sein, dass sich unsere Arbeitgeber ständig über den Fachkräftemangel beschweren, gleichzeitig aber die Alten gekündigt werden“, schimpft der 52-Jährige. „Klar, körperlich lässt man irgendwann nach, aber geistig hat man doch noch so viel zu bieten. Vor allem, wenn man wie ich nach wie vor gerne in die Arbeit geht.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Mein Allach/Untermenzing“.

Sarah Brenner

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