In Allach-Untermenzing

Freiwillige wollen Müll in der Natur sammeln - doch die Stadt erschwert die Arbeit

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Wendelin Jehle organisiert regelmäßig die Müllsammel-Aktion in Allach-Untermenzing.

Jedes Jahr ziehen in ganz München Freiwillige los, um die Natur vom Müll zu befreien. In Allach-Untermenzing gibt es deswegen nun Ärger – ausgerechnet wegen des Naturschutzes.

München - Wendelin Jehle organisiert regelmäßig die Müllsammel-Aktion in Allach-Untermenzing, die unter dem Dach des Abfallwirtschaftsbetriebs München stattfindet. Doch langsam verliert er die Lust daran. Grund sind die Sperrzeiten, in denen das Ramadama nicht stattfinden darf. Im Zeitraum von 15. März bis 30. September verbietet das die Stadt München. Der Grund: Die Tiere – insbesondere brütende Vögel – sollen nicht gestört werden.

Für Jehle ist das oft ein Problem. „Im März ist das Wetter an manchen Tagen einfach zu schlecht, um das Ramadama durchzuführen“, sagt der Allacher. Der Termin muss dann verschoben werden. Die ganze Vorarbeit war im wahrsten Sinne des Wortes für den Mülleimer. „Dann kann ich wieder von vorne anfangen.“ Bei der Bürgerversammlung im 23. Stadtbezirk hatte er deshalb beantragt, das Ramadama im ganzen Jahr durchführen zu dürfen.

Die Stadt lehnte den Antrag ab

Die Stadt lehnte das mit Verweis auf den Naturschutz aber ab. „Die Zeitvorgabe für die Aktionen ist nicht willkürlich gewählt“, heißt es aus dem Kommunalreferat. Vielmehr folge man weitgehend dem Zeitrahmen, den das Bundesnaturschutzgesetz für die Beseitigung von Gehölzen vorgibt. Diese Vorschrift soll verhindern, dass Tiere durch Baumfällungen bei der Brut gestört werden.

Jehle kann die Gleichsetzung von Baumfällungen und Aufräumaktionen aber nicht nachvollziehen. „Wir betreiben doch keinen Naturfrevel – ganz im Gegenteil“, sagt der Allacher. Man tue der Natur und den Vögeln nichts Schlechtes, wenn man den Müll beseitigt, den viele unreinliche Zeitgenossen einfach in die Landschaft werfen. „Und wir stören beim Sammeln doch auch keine Tiere.“

Vögel würden ohnehin keinen Kalender kennen. „Die richten sich nach den Temperaturen“, sagt Jehle. Deshalb sei auch gar nicht gewährleistet, dass die Brutzeiten genau in dem festgelegten Rahmen liegen. Wenn es früh warm sei, könnten die Vögel auch schon mal im März brüten. Nötig seien die Ramadama-Aktionen allemal. „Wir vermüllen“, sagt Jehle angesichts des säckeweisen Abfalls, der jedes Jahr gesammelt wird.

Seinen Ärger über die Absage seitens der Stadt brachte der Allacher nun auch im Bezirksausschuss (BA) Allach-Untermenzing vor. Bei der jüngsten Sitzung kündigte er an, die Organisation nicht mehr übernehmen zu wollen, wenn nicht mindestens bis Ende April hinein gesammelt werden darf. „In den Münchner Umlandgemeinden geht das ja schließlich auch“, sagte er. Das bestätigte auch Stefanie Martin (CSU), die bei einer schnellen Internetrecherche ein April-Ramadama im Landkreis Dachau fand.

BA-Chefin Heike Kainz (CSU) regte zunächst an, die Aktion in den Herbst zu verschieben. Das lehnt jedoch Fritz Schneller (SPD) ab. Er hält eine Aufräumaktion im Frühjahr für effektiver als im Herbst, wenn der Müll dann ohnehin unter dem Schnee verschwindet. Kainz will sich nun schlau machen, auf welcher Grundlage die Umlandgemeinden ihre Ramadama-Aktionen außerhalb der Schutzzeiten durchführen. Dann will sie noch einmal einen Vorstoß beim Kommunalreferat wagen.

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Andreas Daschner

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