Aus Gewerbe-Areal wird Wohngebiet

Mammutprojekt im Nordwesten: Anwohner befürchten Verkehrskollaps

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„Kirschgelände“ wird das 120 000 Quadratmeter große ehemalige Gewerbegebiet im Münchner Nordwesten gennannt.

1200 neue Wohnungen, eine Grundschule, fünf Kindertagesstätten: Die geplante Bebauung des Kirschgeländes in Allach-Untermenzing ist ein Mammutprojekt . Doch die Mitglieder des Bezirksausschusses haben Angst vor dem Verkehrskollaps.

Die Viertelpolitiker im Bezirkschausschuss (BA) sehnen die Überplanung des Kirschgeländes durchaus herbei. Denn in diesem Zuge wird das Areal an der S-Bahn-Trasse von einem Gewerbe- in ein Wohngebiet umgewandelt. „Dadurch bekommen wir endlich den Schwerlastverkehr aus unseren engen Straßen“, sagt BA-Chefin Heike Kainz (CSU). Gleichwohl geben die BA-Mitglieder der Stadt München einige Hausaufgaben zur Erschließung des Areals mit auf den Weg.

Eine konkrete Planung existiert nämlich noch nicht. Diese soll im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs entstehen, für den derzeit die Eckdaten festgelegt werden. Wie Cornelia Halswick vom Planungsreferat bei der jüngsten BA-Sitzung erläuterte, zählen zu den Vorgaben für den Wettbewerb unter anderem die Aufnahme einer Grünfläche, einer dreizügigen Grundschule und von fünf Kitas in die Planungen.

Zur Planung gehört auch ein Mobilitätskonzept

Die neuen Häuser sollen zur bestehenden kleinteiligen Bebauung in der Umgebung hin maximal vierstöckig werden. Entlang der Bahnlinie ist eine bis zu fünfstöckige Bebauung gewünscht, die den Lärm abschirmt. Zentral im Gebiet können auch höhere Gebäude entstehen, die bis zu sieben Stockwerke haben. Geplant ist außerdem ein Mobilitätskonzept, unter anderem mit Carsharing, Leihrädern und Ladestationen für E-Autos. Haupterschließungsstraße soll auch weiterhin die Elly-Staegmeyr-Straße bleiben.

Im BA herrschten jedoch Zweifel, ob das umliegende Straßennetz den Verkehr aufnehmen kann. Laut Verkehrsplaner Jonas Wurtz vom Planungsreferat soll die Zahl der im Viertel entstehenden Fahrbewegungen sogar von derzeit 4600 auf 4000 sinken. Fritz Schneller (SPD) forderte dennoch den Ausbau des ÖPNV. „Wir brauchen kürzere S-Bahn-Takte und einen Quartiersbus“, sagte er. Die S-Bahnen seien jetzt schon überlastet. Stefanie Martin (CSU) forderte gar, schon jetzt einen U-Bahnbau nach Allach-Untermenzing anzustoßen.

Überlastete Unterführung an der Allacher Straße

Überlastet sei auch das Nadelöhr an der kleinen Unterführung an der Allacher Straße, erklärte Schneller weiter. Hier forderten gleich mehrere BA-Mitglieder eine zweite Röhre für Fußgänger und Radfahrer. Victor Agerer (CSU) regte zudem eine Verbreiterung der bestehenden Röhre um 50 Zentimeter an, damit Autos einfach aneinander vorbeifahren können. Sabine Steger vom Planungsreferat erklärte, dass man das zwar untersuchen könne, aber zeitlich von der Wohnbebauung abkoppeln sollte. „Wegen der nötigen Abstimmungen mit allen Beteiligten kann sich ein solches Vorhaben unglaublich lang ziehen“, sagte sie.

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Dass mit der geplanten Schule und den Kitas die Infrastruktur für das neue Quartier gleich mitwachsen soll, begrüßten die Viertelpolitiker. Allerdings fehlte Falk Lamkewitz (Grüne) in den Planungen ein Hort. „Hier herrscht im Viertel ohnehin schon ein eklatanter Mangel“, sagte er. Außerdem befürchtete der Grünen-Politiker, dass durch die schallabschirmende Bebauung an der Bahnlinie der Lärm auf die Anwohner östlich der Gleise reflektiert wird.

Steger erklärte jedoch, dass ein Schallschutzgutachten erstellt werde. „Etwaige Reflexionen werden dabei immer geprüft.“ Sollte es eine Verschlechterung für die Anwohner geben, so werde gegebenenfalls im Bebauungsplan eine Bauweise festgeschrieben, die Schall absorbieren statt reflektieren soll.

Nicht zuletzt forderte Bernhard Freitag eine Bebauung mit Wiedererkennungswert. „In den meisten neuen Baugebieten stehen rechteckige Betonklötze an rechtwinklig aufeinandertreffenden Straßen“, sagte er. Von diesen Strukturen müsse man weg. Steger nahm die Anregung auf: „Wir werden dafür Sorge tragen, dass Identität ins Viertel kommt“, versprach die Referatsvertreterin.

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