Polizei fahndet nach ihm

Nackerter flitzt in die Bäckerei!

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„Nein, nein, Sie können sich hier nicht hinsetzen!“ Freundlich gestikulierend komplimentiert die Angestellte des Backshops, die ihm zuvor einen Kaffee verkauft hat, den Nackten aus dem Geschäft.

München - Splitterfasernackt ist am Mittwoch ein Mann in eine Bäckerei spaziert und hat einen Kaffee gekauft. Anschließend lief er seelenruhig durch Untermenzing. Nun fahndet die Polizei nach ihm.

Hat der denn seine Klamotten vegessen? Verdutzt rieben sich am vergangenen Mittwoch die Leute in der Manzostraße (Untermenzing) die Augen: Da tappte doch ein nackter Mann ungeniert in eine Bäckerei! Jetzt sucht die Polizei den mysteriösen Flitzer, auf den wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses eine Geldstrafe wartet.

Die Geschäftsführerin des Ladens "Brot Und Kaffee" ist entsetzt. „Der Wahnsinn! Es war am Nachmittag. Grad gingen viele Kinder von der Schule heim“, sagt sie der tz. Und: „Viele Kinder kommen auch zu uns ins Geschäft.“ Eine Angestellte gab dem nackten Mann mit graumeliertem Rauschebart und mäßig sportlicher Figur zwar einen Kaffee, den er mit ein paar Münzen aus der Hand bezahlte. Freundlich gestikulierend machte sie ihm jedoch klar, dass er sich nicht vor dem Laden setzen durfte, wo schon viele Leute in der Sonne ihren Kaffee genossen.

Polizei: "Er muss mit einer Strafanzeige rechnen"

Faik U. hielt die Szene mit der Handykamera fest. Sein Video zeigt, wie sich der etwa 40 bis 50 Jahre alte Mann abwimmeln lässt und mit dem Pappbecher in der Hand den Laden verlässt – barfuß, wie er gekommen war. Seelenruhig spaziert er die Manzostraße in Richtung Westen, an einer Bushaltestelle vorbei. Auch das hat Faik U. gefilmt. „Mütter haben ihre Kinder plötzlich beiseite gezogen und sind hinter der Hecke verschwunden“, erzählt er. Die Bushaltestelle befindet sich direkt vor einer Kindertagesstätte. Der Mann tappte in Richtung Von-Reuter-Straße, verschwand dann vermutlich irgendwann in einem Haus.

Als die Polizei rund 30 Minuten später eintraf, war der Nackte nicht mehr auffindbar. „Er muss mit einer Strafanzeige rechnen“, so ein Polizeisprecher zur tz. Irgendjemand werde ihn schon wiedererkennen.

E. Unfried

Erregung öffentlichen Ärgernisses

In § 183a des Strafgesetzbuchs heißt es: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit ­Geldstrafe bestraft.“ Ist aber allein schon nacktes Auftreten als sexuelle Handlung zu werten? Hier gehen die Meinungen der Juristen auseinander. Wenn durch das Auftreten „das Gefühl Dritter“ verletzt werde, heißt es in einer älteren Auslegung des Paragrafen, liege Strafbarkeit vor. „Aus meiner Sicht ist das nicht strafbar“, erklärte indessen eine erfahrene Münchner Amtsrichterin der tz. Das Auftreten eines Flitzers sei nur eine Ordnungswidrigkeit („Belästigung der Allgemeinheit“), die mit Bußgeld bis zu 1000 Euro geahndet werden kann. Dafür ist das KVR zuständig.

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