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Münchner Panzer für die Ukraine – Krauss-Maffei Wegemann liefert den „Gepard“

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Von: Leonie Hudelmaier

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Gepard Panzer Mehrere Panzer des Typs Gepard soll Krauss-Maffai Wegmann in die Ukraine liefern.
Mehrere Panzer des Typs Gepard soll Krauss-Maffai Wegmann in die Ukraine liefern. © Maurizio Gambarini/dpa

Deutschland will „Gepard“-Panzer an die Ukraine liefern. Es ist eine Wende. Im Fokus das Münchner Rüstungsunternehmen Kraus-Maffai Wegmann.

München – Nach der Ampelkoalition und nicht abflachender Kritik der Union hat sich die Bundesregierung wohl doch durchgerungen: Deutschland will nun Panzer-Lieferungen an die Ukraine erlauben. Dazu soll der Münchner Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann grünes Licht erhalten, um technisch aufgearbeitete Gepard-Flugabwehrpanzer aus früheren Beständen der Bundeswehr verkaufen zu können.

Krauss-Maffei Wegmann verfügt über eine mittlere zweistellige Zahl dieser Panzer aus der aufgelösten Heeresflugabwehr der Bundeswehr. Der Gepard kann auch im Kampf gegen Bodenziele eingesetzt werden. Die Bekämpfung von fliegenden Zielen gilt dagegen als technisch deutlich anspruchsvoller. Laut der Welt will Krauss-Maffei Wegmann zudem 100 Panzerhaubitzen 2000 liefern.

Krauss-Maffei Wegmann – Münchner Traditionsunternehmen mit Sitz in Allach

Krauss-Maffei Wegmann ist ein Münchner Traditionsunternehmen mit Sitz in Allach. Der Firmenstart reicht bis ins Jahr 1838, als Joseph Anton Ritter von Maffei eine Lokomotiv- und Maschinenfabrik namens J. A. Maffei eröffnete. Im Zweiten Weltkrieg entwickelte das Unternehmen, das mittlerweile den Namen Krauss-Maffei und Wegmann & Co. trug, mehr und mehr militärische Produkte. 1938 wurden die Krauss-Maffei-Produktionsstätten in München-Hirschau aufgegeben und der Standort München-Allach weiter ausgebaut. Dort hat das Unternehmen auch heute noch seine Zentrale. Für Schlagzeilen sorgte der Konzern mit 1600 Arbeitsplätzen in München immer wieder mit seiner Panzerteststrecke, die seit 1964 neben dem Werksgelände verläuft. Anwohner fordern regelmäßig wegen des Lärms das Aus der Teststrecke.

Jetzt könnte sich das Unternehmen im aktuellen Ukraine-Krieg gegen Russland positionieren. Aber das bleibt nicht ganz ungefährlich. Schon im Dezember 2018 berichtete die tz von einer Cyber-Attacke auf die Firma Krauss-Maffei Technologies. Dieser mutmaßlich russische Hacker-Angriff sollte laut Experten jedoch dem Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann gelten. Demnach soll dieser Angriff ein Warnschuss auf ein Nato-Manöver in Norwegen gewesen sein. Klar ist: Über drei Jahre später hat sich das weltpolitische Verhältnis zu Russland massiv zugespitzt.

Krauss-Maffei Wegemann: Das Rüstungsunternehmen in München-Allach.
Krauss-Maffei Wegemann: Das Rüstungsunternehmen in München-Allach. Auf dem Gelände befindet sich unter anderem das Unternehmen Krauss-Maffei Technologies sowie eine Panzer-Teststrecke nahe eines Wohngebiets. © Grafik Schmidt Peter

Panzer im Überblick – Kleine Waffenkunde

Deutschland diskutiert über Waffen. Um welche Systeme es sich dabei handelt, ist oft unklar. Hier eine kleine Waffenkunde:

Deutschland läutet Waffen-Wende ein

So sehr, dass die Bundesregierung allem Anschein nach sogar eine Waffen-Wende einläutet. Noch vergangene Woche hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt, kaum noch Waffen in die Ukraine liefern zu wollen. Nun wollen die Koalitionsfraktionen im Bundestag die Bundesregierung auffordern, die Waffenlieferungen in die Ukraine zu erweitern und zu beschleunigen. In einem Entwurf für einen gemeinsamen Antrag sprechen sich SPD, Grüne und FDP dafür aus, „die Lieferung auf schwere Waffen und komplexe Systeme etwa im Rahmen des Ringtauschs zu erweitern, ohne die Fähigkeit Deutschlands zur Bündnisverteidigung zu gefährden“.

Die Union wertet den Kurswechsel der Regierung positiv. Was man aus der Ampel höre, lasse Hoffnung zu, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickelten, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU). Wenn der Regierungsantrag den Unionsforderungen im Wesentlichen entspreche, „dann unterstützen wir ihn selbstverständlich auch“. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sprach von einer sehr klaren Festlegung zur Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Der Antrag könne Basis für Verhandlungen mit der Koalition sein.

Im Ukraine-Krieg attackiert Russland weiterhin den Osten des Landes. Putins Truppen rücken offenbar auf zwei Großstädte vor, es soll schwere Kämpfe geben. Mehr Infos im News-Ticker.

Auch Rheinmetall will Panzer liefern

Auch der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat der Ukraine die Lieferung von 88 gebrauchten Leopard-Kampfpanzern angeboten. Nach Informationen der Welt wurde eine Genehmigung vergangene Woche beim zuständigen Wirtschaftsministerium beantragt. Der Regierung liegt zudem ein weiterer Antrag von Rheinmetall vor, 100 Marder-Schützenpanzer an die Ukraine für den Abwehrkampf gegen Russland liefern zu dürfen. Die Regierung will zeitnah darüber entscheiden.

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