„Das wusste keiner“

Sensationsfund in München: Renovierung in Kirche bringt Schätze ans Licht

Die Pfarrkirche St. Martin
 in Untermenzing.
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Die Pfarrkirche St. Martin in Untermenzing.

Eigentlich wollte die Kirchengemeinde St. Martin ihre Altarbilder nur aufhübschen lassen. Doch dann kam zutage, welch ein Schatz in der Pfarrkirche in Untermenzing all die Jahre schlummerte: Zwei Bilder stammen von dem bekannten Kirchenmaler Hans Georg Asam.

München - Im Herbst kam der Anruf des Restaurators, der sich einen guten Monat lang der beiden Gemälde über den Seitenaltären angenommen hatte. Und er berichtete von einem Sensationsfund: Bei der Reinigung der Bilder wurde die Signatur des Künstlers wieder sichtbar. „G. Asam“ steht – jeweils klein und unscheinbar – auf den beiden Werken zu lesen.

Signatur von Hans Georg Asam versteckt

Die Bilder hat Hans Georg Asam gemalt, selbst ein bekannter Kirchenmaler und Vater der noch berühmteren Asam-Brüder Egid Quirin und Cosmas Damian (siehe unten).

„Das wusste keiner, es ist auch in keinem Kirchenführer zu lesen“, sagt Werner Attenberger, einst langjähriges Mitglied des Pfarrgemeinderats, der heute noch kunsthistorische Führungen durch die Pfarrkirche St. Martin gibt. Die Bilder waren im Laufe der Jahrhunderte stark verdunkelt, viele Einzelheiten waren nicht mehr zu erkennen – so auch die Künstlersignatur. Beim linken Altarbild, das das Pfingstgeschehen zeigt, findet sich der Schriftzug klein unter dem Fuß der zentralen Mariendarstellung. Das Gemälde über dem rechten Seitenaltar zeigt die Himmelfahrt Marias mit der Marienkrönung. Hier ist die Signatur auf einer kleinen Truhe versteckt, die die Heiligen Drei Könige im unteren Bereich des Bildes halten. Dort findet sich sogar das Entstehungsjahr des Gemäldes: 1700.

Interessant am rechten Bild ist laut Attenberger, dass Gott Vater, Christus und der Heilige Geist als drei männliche Personen dargestellt sind. „Hans Georg Asam hat in den drei Personen auch die drei Lebensalter dargestellt: Christus als jungen Mann, den Heiligen Geist als Mann mittleren Alters und Gott Vater als Senior.“ Umrahmt wird das Krönungsgeschehen von zahlreichen Heiligen, darunter Benedikt, Elisabeth und Johannes der Täufer. Dass die Gemälde überhaupt Hans Georg Asam zugeordnet werden können, ist der Renovierung der Pfarrkirche zu verdanken.

Vom Herbst 2019 bis jetzt ins Frühjahr hinein wurde der Innenraum wieder hergerichtet. Rund 300.000 Euro hat die Kirchengemeinde investiert – weniger als die Hälfte der ursprünglichen Schätzung. Es musste gespart werden, da die Renovierung nicht in die Förderrichtlinien der Erzdiözese München und Freising fiel und deshalb aus Eigenmitteln, Spenden und einem 12.000-Euro-Zuschuss des Bezirks Oberbayern finanziert werden musste. In den Kosten enthalten ist auch die Reinigung der Altarbilder.

„Wir haben alle Bilder ausgebaut“, berichtet Attenberger. Sie seien stark nachgedunkelt, zum Teil hätten sich bereits Risse gebildet. Neben der Asam-Signatur auf den Gemälden der Seitenaltäre wurden auch bei den Werken des Hauptaltars zuletzt verborgene Details wieder sichtbar. Unter anderem findet sich dort eine dunkelhäutige Figur mit einem Wappenschild, bei der es sich um eine Darstellung eines Stifters handeln könnte. Um wen genau, müsse nun noch näher erforscht werden, sagt Attenberger. Das Detail zeige aber: „Schon damals gab es Sponsoring.“ Und es war gar nicht so selten. Das wird auch an einer Darstellung in einem der Glasfenster deutlich, wo das rot-weiße Wappen der Auer von Pullach zu sehen ist, die ebenfalls für den Bau der Kirche gestiftet haben.

Pfarrkirche St. Martin in Untermenzing

Die Pfarrkirche existiert erst seit 1499/1500 in ihrer jetzigen barocken Form. Ursprünglich stand an der Stelle an der Eversbuschstraße einmal eine romanische Kirche, deren Hauptaltar sich im Kirchturm befunden hat. Der Turm ist der einzige Gebäudeteil, der überdauert hat. Das Kirchenschiff wurde neu und leicht versetzt gebaut, was den ungewöhnlichen seitlichen Standort des Turms begründet. Dieses bauhistorische Kleinod hat mit dem Fund der Asam-Signatur nun auch eine kunsthistorische Besonderheit dazubekommen.

Bedeutender Kirchenmaler Hans Georg Asam (1649 bis 1711)

Hans Georg Asam erblickte am 12. Oktober 1649 als Sohn des Koches der Klosterbrauerei von Rott am Inn das Licht der Welt. Seine künstlerische Karriere wurde von seinem Schwiegervater befeuert, dem Maler Nikolaus Prugger. Unter seiner Führung wurde Asam zu einem der bedeutendsten Kirchenmaler seiner Zeit im bayerischen Raum. Nach Pruggers Tod übernahm er dessen Haus und Werkstatt an der Theatinerstraße 39. Unter anderem schuf Asam die Fresken der Klosterkirchen von Benediktbeuern sowie von Heilig Kreuz in Landshut. 1711 entstand der prachtvolle Freskenzyklus in der Aula des Fürstbischöflichen Lyceums, dem sogenannten Asamsaal, in Freising.

Auch die Fresken im Kurfürstensaal des Klosters Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck stammen von Asam. Welche Verbindungen dazu führten, dass er auch die Altarbilder in Untermenzing malte, bleibt laut Attenberger im Dunkeln: „Das ist nicht bekannt.“ Trotz seines breiten Schaffens steht Hans Georg Asam heute im Schatten seiner beiden Söhne Cosmas Damian und Egid Quirin, die sich unter anderem in der Münchner Asamkirche St. Johann Nepomuk verewigt haben.

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