Er schlief mit 74 Jahren friedlich ein

Sport-Bittl trauert um Senior-Chef

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Gerd Bittl war nicht nur im Sport daheim, sondern auch in der Münchner Gesellschaft. Dieses Foto zeigt ihn beim Maibock-Anstich in diesem Jahr.

München - Er hat Weihnachten nicht mehr miterleben dürfen. Der große Münchner Unternehmer Gerd Bittl ist tot. „Wir trauern um unseren Vater und Ehemann“, sagte sein Sohn Stefan der tz.

Der Senior von Sport-Bittl ist im Alter von 74 Jahren in der Nacht vom 23. Dezember auf den Heiligen Abend verstorben.

„Sein Tod war absehbar. Mein Vater hatte eine schwere Krankheit“, erzählt der Junior. Schon vor einigen Wochen sei sein Vater, so Stefan, in die Palliativeinrichtung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder gekommen: „Hier stand 24 Stunden lang eine Schwester zur Verfügung.“ In dieser Einrichtung ist Gerd Bittl schließlich auch für immer eingeschlafen. „Es war ein friedlicher Abschied. Meine Geschwister und meine Mutter waren bis zuletzt bei ihm“, sagt Stefan.

Gerd Bittl war 1959 ins elterliche Geschäft in Allach eingestiegen und hatte es zu einem großen Unternehmen mit mehreren Filialen gemacht. Er gilt in vielen Bereichen als Pionier. „Mein Vater war im Geiste bis zum Schluss bei seiner Firma“, sagt Sohn Stefan, der seit Jahren Geschäftsführer ist. Sport-Bittl bleibe selbstverständlich weiter in Familienhand. „Ich bin seit 24 Jahren in der Firma, auch meine Geschwister arbeiten mit. Mein Vater hat die Nachfolge klar geregelt.“

Gerd Bittl, der stets adrett gekleidet war und Hobbys wie Schlittenhunde-Rennen hatte, war in der Münchner Gesellschaft ein gern gesehener Gast. Sigi Renz, Ex-Rennleiter des Sechstage-Rennens, war jahrzehntelang ein Geschäftspartner und Freund Bittls. Er sagt: „Der Gerd war immer da, wenn man Hilfe gebraucht hat. Und er hat zum Geburtstag und zu Weihnachten immer Karten geschickt. Ich habe einen echten Freund verloren.“

Wann und wo die Beerdigung stattfinden wird, war am Mittwoch noch nicht bekannt.

Eine Münchner Erfolgsgeschichte: Wie Bittl groß wurde

Surf a bittl besser – diesen Spruch kennen noch immer viele Münchner. Gerd Bittl prägte ihn im Jahr 1980, als Surfen in Mode kam und Sport-Bittl Surf-Markenware anbot sowie mit einem Testcenter am Gardasee zusammenarbeitete. Zu dieser Zeit gab es das Familienunternehmen schon über 30 Jahre. Gerds Eltern hatten 1949 an der Schießstätte in Allach ein Schuhgeschäft gegründet. Drei Jahre später zogen sie in das heutige Stammhaus am Allacher Bahnhof in die Georg-Reismüller-Straße. 1959 trat Sohn Gerd als gelernter Einzelhandelskaufmann ins Unternehmen ein. Der begeisterte Ski- und Langläufer eröffnete eine Sportabteilung – der Grundstein für die große Karriere. In den Sechzigern begann eine moderne Werbekampagne, in den Siebzigern wurde das Sortiment immer mehr erweitert. Filialen in Laim und Pasing eröffneten, 1982 folgte eine in Germering, 1984 eine in Fürstenfeldbruck. 1987 erkannte Gerd Bittl einen neuen Trend und eröffnete das erste Snowboardgeschäft Deutschlands. 1997 startete ein großer Lagerverkauf. Heute gehören zum Unternehmen drei hochmoderne, große Sporthäuser in Allach und Laim sowie in Fürstenfeldbruck-Buchenau.

Nina Bautz

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