Stadtteilhistoriker Walter Demmel

Der Geschichtenausgräber von Allach

Den Geschichten des Stadtteils auf der Spur: Walter Demmel hat ein Buch über Allach-Untermenzing geschrieben.

Der Stadtteilhistoriker Walter Demmel erzählt Wissenswertes aus Allach-Untermenzing und hat seine Arbeit in einem Buch zusammengefasst. 

München - Walter Demmel gräbt gerne da, wo er steht. Führt man das Bild (nach einem Zitat von Sven Lindqvist) weiter, so hat der Stadtteilhistoriker Allach-Untermenzings im Laufe der letzten Jahrzehnte an mehr als 50 Stellen im Bezirk gebuddelt, bis er auf Erzählenswertes stieß: auf Geschichten über Balletttänzer und Bonbonfabriken, Allacher Porzellan, eine Großexplosion am Bahnhof und Mord an der Eversbuschstraße. Bisher schrieb der 80-Jährige solche Geschichten regelmäßig für den Münchner Wochenanzeiger auf, anlässlich der 1200-Jahr-Feier Allach-Untermenzings ist ein Buch daraus geworden.

„Ich hatte immer schon den Anspruch, dass meine Texte alle Generationen irgendwie einbinden“, sagt Demmel. „Die Älteren, die schon immer in diesem Stadtteil leben und sich beim Lesen denken ‚Oh, das hab’ ich ja noch gar nicht gewusst‘, und die Jüngeren, Zugezogenen, die beispielsweise auf dem ehemaligen Diamalt-Grundstück wohnen und nun erfahren, auf welch reicher Industriegeschichte ihr Haus steht.“

Sein Buch ist das Produkt eines Pädagogen: „Es ist in größerer Schrift geschrieben und hat ein strukturiertes Quellenverzeichnis, falls man sich darüber hinaus informieren will“, sagt Demmel. Die Bildunterschriften habe er bewusst kurz gehalten – seine Leser sollen bitte nicht bloß blättern und anschauen, was ihnen Fettgedrucktes in die Augen springt.

Zur Historie ist Demmel über Umwege gelangt. Der gebürtige Passauer studierte Maschinenbau und Lehramt, arbeitete zehn Jahre als Berufsschullehrer für Metalltechnik. Er ging zurück an die Uni, schrieb sich unter anderem für Bayerische Landesgeschichte ein, promovierte und war bis zur Pensionierung an der TU in der Lehrerbildung tätig.

Dann ging er spazieren. „So funktioniert meine Grundrecherche“, verrät Demmel. „Ich geh’ einfach los und treffe entweder Menschen, die mir Interessantes zu sagen haben, oder ich wundere mich. Über Torbögen, Wegkreuze, Vereinsheime. Warum stehen sie da? Wer hat sie erbaut? Kann man daran vielleicht ein bisschen Weltgeschichte ablesen?“ Er erzähle von unten nach oben, erläutert der Autor. „Ich springe von einer Ebene zur nächsten. Finde einen lokalen Protagonisten, sei es eine Person, ein Bauwerk oder ein Unternehmen, der aber auch irgendwie ins große Ganze passt.“ So ein Protagonist ist dann beispielsweise der Lebensmittelverkäufer um die Ecke, der Demmel davon erzählt, wie er als Kind immer im „Treuefest“ in der Angerlohe spielte. „Treuefest“ nannten er und seine Schulkameraden den Bereich um den Torbogen mit der Inschrift „In Treue fest!“. Das war ein beliebter Schwur in der Kaiserzeit. „Und das Gelände, auf dem die Kinder Fangen und Verstecken spielte, diente als Übungsplatz der Untermenzinger Jugendwehr im Ersten Weltkrieg.“ Die Welt sei nicht seine Aufgabe, sagt Demmel. „Ich suche die Stadtteilgeschichten. Die sind so farbig und voller Nuancen.“ 

Münchener Vorstadt Geschichten Allach-Untermenzing, Verlag: Wochenanzeiger Medien GmbH, 14,95 Euro.

Leonie Gubela

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