Pläne geändert

Überreste von KZ-Außenlager: Was passiert in Ludwigsfeld? 

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Klaus Mai setzt sich in Ludwigsfeld für eine Gedenkstätte ein.  

Ob und in welcher Form die Baracke des ehemaligen KZ-Außenlagers Ludwigsfeld zur Gedenkstätte wird, steht noch nicht fest.

München - Der TSV Ludwigsfeld wird die ehemalige KZ-Baracke an der Granatstraße 8 nicht dauerhaft als Vereinsheim nutzen können. Der dafür nötige aufwendige Umbau ist vom Tisch, die Stadt peilt nun einen Neubau an. Ob und in welcher Form die Baracke zur Gedenkstätte wird, steht noch nicht fest.

Der Zustand der historischen Hütte im Nordwesten ist desolat. Nach einer Teilsanierung 2016 sollte das Gebäude eigentlich im großen Stil umgebaut werden, damit der Sportverein sie nutzen kann. Die Stadt allerdings hat nun entschieden, dies sei zu teuer. Beim TSV sieht man das mit gemischten Gefühlen. „Die Entscheidung ist logisch und auch in unserem Sinne“, sagt der Vorsitzende Reinhold Knerr. „Aber es ist eine Zeitverzögerung. Wir tun seit sieben, acht Jahren wegen des Umbaus rum.“

Günstige Sanierung verbietet der Denkmalschutz

Das Immobilienunternehmen Patrizia hat die rund 700 Ludwigsfelder Wohnungen und die angrenzenden Bauten im Jahr 2007 von der der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Die Baracke des ehemaligen KZ-Außenlagers Dachau-Allach wurde an das das städtische Referat für Bildung und Sport (RBS) vermietet. 

Ursprünglich sollte der Flachbau kostengünstig saniert werden. Doch das verbietet der Denkmalschutz. Möglich ist nach Absicht von Experten nur eine sogenannte Inhouse-Lösung: Die historische Hülle des Bauwerks bleibt unangetastet und es wird eine Innenhülle eingesetzt. Das ist aufwendig und teuer. Im November 2016 bezifferte die Patrizia die Kosten auf etwa 1,1 Millionen Euro. Weil auch die Unterhaltslast enorm gewesen wäre, sprang die Stadt ab. Die Kosten, so eine RBS-Sprecherin, seien „nicht mehr darstellbar“. Die Stadt zieht nun einen Neubau für das Sportlerheim in Betracht. Als Bauplatz hat sie das Gelände der nahe gelegenen städtischen Sportanlage ins Auge gefasst, die der TSV Ludwigsfeld für Fußball nutzt.

Baracke soll Gedenkstätte werden

Die heikle Frage: Was wird aus der Baracke, wenn sie nicht saniert wird? Viele wünschen sich dort eine Gedenkstätte, die an die ermordeten und gequälten Menschen erinnert. Noch bis zum Frühsommer wird auf dem einstigen KZ-Gelände in Ludwigsfeld nach sterblichen Überresten von Häftlingen gesucht. Erst wenn die Suche abgeschlossen sei, so verlautet aus dem federführenden NS-Dokuzentrum, könne über die weitere Nutzung entschieden werden.

Lesen Sie hier:Die vergessenen KZ-Opfer von Allach

Der Stadtteilhistoriker Klaus Mai, der viel zum ehemaligen KZ-Außenlager geforscht hat, kann das verstehen. „Die Grabungen abzuwarten, ist sinnvoll. Wenn etwas gefunden wird, ändert sich die rechtliche Lage. Dann greift internationales Recht und es muss eine Gedenkstätte geben.“ Bei der Übergabe des Totenbuchs im November, in dem die Namen von 1394 Ermordeten stehen, habe OB Dieter Reiter (SPD) dreimal versichert, dass es eine Gedenkstätte geben werde. „Die Baracke wird zur Gedenkstätte“, sagt Mai. „Sie wird auch keine tote Gedenkstätte. Es wird Führungen geben und sie wird mit Leben erfüllt sein.“

Was bringt das Jahr 2017 für den Stadtbezirk? Lesen Sie hier die Jahresvorschau für Allach-Untermenzing

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