Wir stellen drei Fälle vor

Alleinerziehende Münchner: Sie sind Außenseiter am Mietmarkt

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Barbara Bortolone sucht mit Emanuele und Lathifa (li.) eine Bleibe. Obwohl sie gut zahlen kann, bisher erfolglos.

Wohnraum in München ist knapp. Besonders für Alleinerziehende ist es kaum möglich, in der Stadt ein Zuhause zu finden. Wir stellen drei glücklose Frauen vor.

München - Sie lieben ihre Kinder und tun für sie, was sie können. Aber viele Alleinerziehende, in der Mehrzahl Frauen, plagt in München ein nicht unerhebliches Problem. Sie fallen am angespannten Mietmarkt durchs Raster. Das trifft nicht mehr nur finanziell schwächer gestellte Mütter, sondern auch solche, die höhere Mieten zahlen könnten. „Alleinerziehende haben auf dem Wohnungsmarkt kaum eine Chance“, bestätigt Anja Franz vom Mieterverein München. „Die Vermieter sortieren sie aus, sie wollen lieber Paare ohne Kinder: doppeltes Einkommen, kinderlos.“

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Eine Katastrophe für Alleinerziehende. Von ihnen gibt es viele in München. 90.000 alleinerziehende Mütter und 15.000 alleinerziehende Väter leben hier. Sie stehen oft vor großen Herausforderungen, managen Beruf und Kinderbetreuung alleine. Bei der Wohnungssuche geben ihnen aber viele Vermieter keine Chance. Wir stellen drei Frauen vor, die seit Jahren für sich und ihre Kinder eine Bleibe suchen.

Fall 1: Barbara Bortolone

Seit 13 Jahren wohnt Barbara Bortolone (51) in einem Eckhaus in Hadern in der Straße Am Ährenfeld. Zusammen mit ihrem Sohn (14) und ihrer Enkelin (10), für die sie das Sorgerecht besitzt. Die Enkelin ist geistig und körperlich schwer behindert, braucht viel Förderung und Pflege. Dennoch hat es Barbara Bortolone trotz Vollzeitjob immer auch noch geschafft, den Vorgarten schön zu dekorieren. Und sie kann als Geschäftsführerin viel mehr zahlen als andere und konnte sich deshalb ein schönes Miethaus leisten.

Das nutzt ihr nun aber nichts. Vor drei Jahren wurde das Haus verkauft, an einen Nachbarn. Der sagt, er wolle selbst einziehen und kündigte ihr. „Ich machte einen Fehler, auch weil mich mein Anwalt schlecht beriet, und unterschrieb vor drei Jahren, dass ich Ende 2017 ausziehe“, sagt Barbara Bortolone. Seitdem wächst ihre Verzweiflung. Denn sie findet keine neue Bleibe für sich und die Kinder. Eine kleine Wohnung reiche nicht, sagt sie. Um alles zu bewältigen, braucht die Geschäftsführerin die Unterstützung eines Au-Pair-Mädchens, das bei ihr im Keller wohnt. Für die 140 Quadratmeter in Hadern zahlt sie derzeit 2000 Euro Kaltmiete – sogar ein wenig mehr wäre drin. Immer, wenn sie sich für ein Haus oder eine große Wohnung beworben habe, seien aber andere Interessenten zum Zug gekommen. „Dabei habe ich immer pünktlich gezahlt, eine saubere Schufa und halte Ordnung“, sagt die 51-Jährige.

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Sie ist völlig verzweifelt. Der Vater des Vermieters sagte auf Anfrage, wer in drei Jahren nichts finde, der suche wohl nicht ordentlich. Barabara Bortolone solle doch in ein kleines Haus ziehen, das ihre Firma für Putzpersonal angemietet hat. „Das geht nicht“, sagt Bortolone. „Es ist ein Drei-Zimmer-Abrisshaus, das die Firma gemietet hat und nicht ich privat. Für uns wäre es viel zu klein.“ Dass sie und die Kinder Platz brauchen, habe mit Luxus nichts zu tun. „Das Au-Pair braucht einen eigenen Bereich, und ohne Au-Pair könnte ich meinen Job nicht mehr machen.“

Fall 2: Anne Führer

Anne Führer (31) weiß nicht, was sie falsch macht. Sie hat sich, als sie hörte, dass in Hadern eine Wohnung frei wird, sofort beworben, alle Unterlagen geschickt. Doch der Vermieter gab ausweichende Antworten, lud andere Interessenten zur Besichtigung ein. Von einer Bekannten erfuhr Anne Führer, der Vermieter wolle keine Alleinerziehende.

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Die kaufmännische Mitarbeiterin in einem Büro will unbedingt in Hadern bleiben. Hier geht ihr Sohn Malik (7) nun in die zweite Klasse, hat seine Freunde, und spielt im Fußballverein. „Wir haben hier unseren sozialen Mittelpunkt, unsere Freunde und fühlen uns wohl. Schlimm, wenn wir das alles verlieren“, sagt die 31-Jährige. Bislang lebte sie mit ihrer Mutter in einer Wohnung. Nun aber muss die kleine Familie raus, denn der Mietvertrag war befristet, der Vermieter will nicht verlängern. Anne Führers Mutter hat für sich eine neue Bleibe in Englschalking gefunden, doch die ist klein, dort können Tochter und Enkel nicht auch noch einziehen. „Ich weiß keinen Rat mehr“, so Führer verzweifelt.

Anne Führer und ihr Sohn Malik wollen unbedingt in Hadern bleiben. Hier hat der Siebenjährige seine Freunde.

Fall 3: Ramona Schwaiger

Drängende Enge in der Wohnung der Oma – ohne Aussicht auf Besserung. Als vor drei Jahren ihre Beziehung scheiterte, zog Ramona Schwaiger schwanger in der Wohnung ihrer Mutter in Giesing mit ein. „Damals dachte ich, es ist nur vorübergehend, ich hab schnell was eigenes, noch vor der Geburt meiner Tochter“, sagt die 27-jährige gelernte Bäckereifachverkäuferin.

Doch lief alles anders als geplant. Bianca kam elf Wochen zu früh auf die Welt, nun ist die Kleine fast drei Jahre alt und wohnt mit ihrer Mutter noch immer bei Oma Angela (51). In beengten Verhältnissen, zu dritt auf 66 Quadratmetern. Bianca hat ein eigenes Zimmer, ihre Mutter Ramona schläft bei Oma Angela. „Ich habe kein eigenes Zimmer, und obwohl wir uns bestens verstehen, ist es schon belastend für mich, dass ich nie die Türe zumachen und auch mal für mich sein kann“, sagt Ramona Schwaiger.

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Die Suche nach einer Wohnung hat sie bisher verzweifeln lassen. Sie bekomme nur Absagen, betont Ramona Schwaiger. Sie kann noch nicht arbeiten, da ihre Tochter noch keinen Kindergartenplatz hat. „Mein Traum wäre, eine Wohnung zu finden und einen Kindergartenplatz. Dann kann ich wieder arbeiten, stehe auf eigenen Beinen und bin nicht mehr vom Amt und meiner Mutter abhängig“, sagt die 27-jährige Verkäuferin. Die Mutter würde sie finanziell unterstützen, und das Amt eine Bruttokaltmiete von bis zu 732 Euro übernehmen. „Unterstützung hätte ich genug, ich bräuchte nur einen Vermieter mit Herz.“

Ramona Schwaiger wohnt mit Tochter Bianca bei ihrer Mutter. Dort aber ist es auf Dauer zu eng.

Susanne Sasse

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