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Alleinstehende Mutter klagt

Irrsinn bei der Wohnungssuche: 300 Bewerbungen, null Chance!

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Die alleinerziehende Mutter Marion Manzinger sitzt mit ihren beiden Kindern am Tisch in der Wohnung, aus der sie demnächst raus muss. Aber wohin…?

„Sobald die Makler oder die Vermieter die Worte ,Kinder‘ und ,alleinerziehend‘ hören, spüre ich, dass die Rollläden heruntergehen“, sagt Altenpflegerin Marion Manzinger. Die 47-Jährige sitzt inzwischen glühenden Kohlen.

München - Als sie noch keine Kinder hatte, stattdessen aber einen 40-Kilo-Schäferhund: Da war die Wohnungssuche kein Problem. „Da habe ich schon beim ersten Versuch einen Besichtigungstermin und dann den Zuschlag bekommen“, sagt Altenpflegerin Marion Manzinger (47). Mittlerweile aber hat die Gautingerin zwei Kinder: Max ist sieben Jahre alt und Emma elf. Und jetzt hat sie keine Chance mehr auf eine neue Wohnung, die sie dringend braucht. „Sobald die Makler oder die Vermieter die Worte ,Kinder‘ und ,alleinerziehend‘ hören, spüre ich, dass die Rollläden heruntergehen und ich keine Chance habe“, sagt die gepflegte, schlanke Frau. Ihre Bilanz der Wohnungssuche in den vergangenen drei Jahren: 300 Bewerbungen, null Erfolg!

Lange schon sitzt Manzinger auf glühenden Kohlen, inzwischen brennt’s. Ihr Mietervertrag ist zum Jahreswechsel ausgelaufen – die Vereinbarung war befristet. Die Kellerwohnung, in der Manzinger mit ihren beiden Kindern und der Katze Lana lebt, war nur für einen begrenzten Zeitraum vermietet worden. Der Grund: Die Eigentümerin des Hauses ist inzwischen verwitwet und über 80 Jahre alt. Die alte Dame will nun zu ihrer Tochter an den Chiemsee ziehen. Das große Haus im Gautinger Ortsteil Königswiesen soll verkauft werden. Dann muss Manzinger raus. „Ich hätte nie gedacht, dass das mal ein Problem werden könnte“, sagt die Altenpflegerin. Sie hat bei ihrer jetzigen Vermieterin die Gartenpflege und Arbeiten im Haushalt übernommen, war der alten Dame eine Hilfe. Die beiden gehen nicht im Streit auseinander – nach dem Tod ihres Ehemanns aber will die Vermieterin nun verständlicherweise nicht allein in dem großen Haus bleiben – und die Mieter im Keller sind eben nicht ihre Familie.

Beziehung scheitert, zurück in die Übergangslösung

Seit 2007 wohnt Marion Manzinger in dem Haus, sie zog ein mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten, doch nach der Geburt der beiden Kinder scheiterte die Beziehung. Vor drei Jahren zog die Mutter mit ihren beiden Kindern zu ihrem neuen Lebensgefährten, doch auch diese Patchworkfamilie scheiterte. Glücklicherweise war die jetzige Wohnung in Königswiesen noch frei – so zogen Manzinger und die Kinder wieder zurück. Als Übergangslösung, denn schon damals hatte die Vermieterin geplant, das Haus zu verkaufen.

Die Kellerwohnung hat 58 Quadratmeter, die Miete beträgt 500 Euro warm, denn Marion Manzinger übernimmt auch Hausmeisterdienste und sorgt für den Haushalt ihrer Vermieterin. Sie könnte sich 1000 Euro Miete leisten. „Ich habe im Monat rund 2400 Euro netto zur Verfügung und einen festen Job, ich komme ohne Sozialleistungen über die Runden“, sagt sie. Dennoch bekam sie bei keiner der 300 freien Wohnungen im Münchner Süden, auf die sie sich in den vergangenen drei Jahren beworben hat, eine Chance – in den allermeisten Fällen noch nicht einmal einen Besichtigungstermin.

Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München weiß aus der Praxis, dass Marion Manzinger kein Einzelfall ist. „Sie macht nichts falsch, und es liegt auch nicht an ihr – sondern daran, dass der Mietmarkt im unteren Preissegment in München dermaßen überhitzt ist und sich so viele Miet­interessenten bewerben, dass Alleinerziehende, Menschen mit Handicap oder Geringverdiener von vornherein aussortiert werden.“

Alleinerziehende sind allein

„Natürlich dürfen Vermieter Alleinerziehende nach dem Gesetz nicht schlechter behandeln als andere Mietinteressenten“, sagt Mieterschützerin Anja Franz. Doch hilft das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht weiter, denn keine Alleinerziehende könne beweisen, dass sie unzulässigerweise benachteiligt wurde. „Ein Vermieter darf einen Vertrag ­abschließen, mit wem er will, und kein Vermieter wird offen sagen, dass er eine alleinerziehende Mutter wegen ihrer ­Familiensituation ablehnt“, sagt die Juristin. Sie weiß aus ­Erfahrung, dass Vermieter bei alleinverdienenden Müttern oft Überforderung befürchten: „Jobverlust, Verwahrlosung, ­psychische Probleme: Das sind Dinge, die Alleinerziehenden hinter vorgehaltener Hand unterstellt werden.“

Lesen Sie auch: Irrsinn Wohnungssuche: Was sich Bewerber gefallen lassen müssen.

Und: Miet-Irrsinn in München: 50 Euro pro Nacht für Mini-Gartenhütte.

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