Radiologe trug keinen Mundschutz

Er hat alles verloren! Weil ein Arzt pfuschte?

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„Die Behandlung hat mein Leben ruiniert“, sagt Thomas P. (54).

München - Thomas P. (54) war ein erfolgreicher Mann: verheiratet, leitender Angestellter bei BMW, nur der Rücken bereitet ihm große Probleme. Inzwischen ist er arbeitstunfähig -  weil ein Arzt pfuschte?

„Ich leide seit sechs Jahren, habe ständig Schmerzen und alles verloren: Job, Frau und Lebensfreude – alles nur wegen einer ärztlichen Behandlung.“ Thomas P. (54) war ein erfolgreicher Mann: verheiratet, leitender Angestellter bei BMW – nur der Rücken bereitet ihm große Probleme. Keine Behandlung hilft gegen die Schmerzen.

Er wählt eine Myelographie als Ausweg – bei dem Verfahren werden ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt und Röntgenaufnahmen gemacht. So soll sich die Schmerz-Ursache zeigen. Die Behandlung führt 2008 ein Münchner Radiologe durch.

Richterin spricht von "unglücklicher Komplikation"

Nur drei Tage später erkrankt Thomas P. ein einer schweren Hirnhautentzündung – mutmaßlich verursacht durch einen Behandlungsfehler. So sah es bisher das Münchner Landgericht. Donnerstag befasste sich das Oberlandesgericht mit dem Fall und prüfte in der Berufung, ob der Arzt haften muss. „Ich wurde in acht Krankenhäusern behandelt, habe immer noch Kopfschmerzen“, sagt Thomas P. – er fordert Schmerzensgeld sowie die Begleichung seines Dienstausfalls in Höhe von rund 500 000 Euro. Denn seit der sensiblen Behandlung ist er arbeitsunfähig.

Im Prozess wird klar: Der Radiologe trug keinen Mundschutz. Zwei Gutachter bestätigen infolgedessen einen bakteriellen Infekt bei Thomas P. Nur: Eine Leitlinie für das Tragen des Mundschutzes existiert erst seit 2011 – vorher gab es nur Empfehlungen. Ungewöhnlich auch: „Der Arzt hat mich nicht über die Risiken aufgeklärt“, gibt Thomas P. an. „Ich habe 8000 Patienten in 20 Jahren mit diesem Verfahren behandelt, es gab nie ein Problem“, sagt der Radiologe zur tz. „Es war eine unglückliche Komplikation, aber kein Behandlungsfehler“, so die erste Einschätzung von Richterin Vavra. Das Urteil folgt im Oktober.

Andreas Thieme

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