Als das Handy München eroberte - „Es war so groß wie ein dickes DIN-A5-Buch“

Christian Ude telefoniert mit einem alten Handy mit Antenne
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 Ex-Oberbürgermeister Christian Ude telefonierte bereits 1996 mit einem Mobiltelefon.

Telefonieren ganz ohne Kabel – heute Alltag, vor 30 Jahren war das noch etwas ganz Besonderes. Die Bundespost startete deshalb im Jahr 1991 in München ein für diese Zeit hochmodernes Projekt.

Ein kurzer Ratsch am Telefon – ein Kraftakt! Vor 30 Jahren mussten die Menschen so einiges auf sich nehmen, um von unterwegs zu telefonieren. Damals waren die Geräte noch richtig schwer – oder es musste immer eine Telefonzelle in der Nähe sein. So war es bei einem Projekt, das die Bundespost am 22. Oktober 1991 in München startete: 280 Testkandidaten konnten Telefonieren ohne Kabel – und die Telefone waren nur 180 Gramm schwer!

Von 1996 stammt auch das erste Handy mit Computer. 

Die hochmodernen Geräte boten einen ganz besonderen Service: Mit einem mobilen Gerät konnte man im Umkreis von rund 100 Metern Entfernung von ganz besonderen Telefonzellen (mit der Aufschrift „Birdie“) kabellos plaudern. Die Teilnehmergebühr kostete 8,80 DM, eine Gesprächseinheit 39 Pfennig. Durchgesetzt hat sich das System nicht, auch Telefonzellen gibt es heute kaum mehr. Stattdessen ist das Smartphone aus dem Alltag der meisten Menschen längst nicht mehr wegzudenken.

Isar-Indianer Willy Michl zahlte vor 40 Jahren 18 000 Mark für sein erste Funktelefon

Wer hingegen damals schon mobil telefonierte, der war eine absolute Ausnahme. So wie der Isar-Indianer Willy Michl, der bereits ungefähr 1980 sein erstes Funktelefon im Auto hatte. Die Anschaffung kostete 18 000 Mark, hinzu kamen monatlich 2500 Mark. „Ich musste für mein Geschäft immer erreichbar sein“, erklärt der Musiker. Später kaufte er sich ein tragbares Siemens-Gerät. „Es war so groß wie ein dickes DIN-A5-Buch, und man konnte es wie einen Mini-Aktenkoffer tragen“, erzählt er. Doch er war zufrieden: „Es hatte große Mikrofone und einen guten Akku.“

Auch Leopold Prinz von Bayern war Technik-begeistert. Er konnte sich in seinem Auto schon sehr früh per Funk verständigen und ließ sich bald ein Telefon einbauen. „Man konnte nur rausrufen, aber nicht angerufen werden“, erinnert er sich. „Aber es war trotzdem eine Riesen-Errungenschaft.“ Später kaufte auch er sich ein Telefon mit Hörer zum Umhängen. „Es war ungefähr fünf bis sechs Kilogramm schwer und man trug es um die Schulter“, sagt er. Vieles sei bei den damaligen Geräten noch ganz anders gewesen: „Einmal konnte man sogar in der Straßenbahn ein Telefonat mithören“, sagt der 78-Jährige. Heute kaum mehr vorstellbar: „Es ist eine tolle Entwicklung, was alles möglich ist“, findet nicht nur er.

Auch Leopold Prinz von Bayern war ein Pionier.

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