"Mein eigener Weg"

Alt-OB Georg Kronawitter stellt Autobiografie vor

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Alt-OB Georg Kronawitter (86) – ein Leben mit ungeraden Wegen, aber schnörkelloser Politik.

München - Autobiografien können eine furchtbar langweilige Lektüre sein, wenn die Schreiber nicht gerade größte Geheimnisse ausplaudern oder mit Pikanterien aus ihrem Privatleben aufwarten. Nicht so bei Georg Kronawitter.

Autobiografien können eine furchtbar langweilige Lektüre sein, wenn die Schreiber nicht gerade größte Geheimnisse ausplaudern oder mit Pikanterien aus ihrem Privatleben aufwarten. Weder das eine, noch das andere bietet Alt-OB Georg Kronawitter (86, SPD) in seinem neuen Buch "Mein eigener Weg" (Volk Verlag, 14,90 Euro) – und trotzdem könnte selbst Neu-OB Dieter Reiter auf den 200 Seiten noch manches lernen. Denn sein Vor-Vorgänger schreibt nicht nur über seine Wege: „Sie waren keineswegs immer eben und übersichtlich.“ Das Buch handelt eben auch von der Geschichte unserer Stadt – mit verblüffenden Parallelen zur Gegenwart.

Zunächst fällt auf, dass sich Kronawitter und Reiter in ihren bodenständigen Ursprüngen ähnlicher sind als Schöngeist und Ur-Münchner Christian Ude. Kronawitter kommt 1928 als Kleinbauernsohn in Oberthann bei Pfaffenhofen zur Welt und steigt mühsam auf – Lehrer-Lehrling in der Volksschule an der Schwanthalerstraße, Studium, bis hin zum Agrarexperten und berühmten „Bauernfänger“ der SPD. Eines aber haben alle Stadtoberhäupter gemeinsam. Kronawitter formuliert es für sich so: „Etwas ,Höheres‘ zu werden, das war wirklich mein Ziel.“

Wobei: 1972 war er noch der „Notnagel“ seines OB-Vorgängers Hans-Jochen Vogel. Einmal gewählt, suchte er schnell den Erfolg und bekam ihn mit seinem „Millionending“ – eine Million Mark presste er seinem Kämmerer heldenhaft für Bäume und Spielplätze ab. Zumindest tat er so. Heute bekennt Kronawitter, dass auch 30 Millionen kein Problem gewesen wären. Lehrstoff für die Wähler – und für OB Reiter!

Tänzchen mit Gattin Hildegard (67), die bis 2008 für die SPD im Landtag saß.

Bei den Irrungen und Wirrungen rund um die 32 000 Wohnungen der Neuen Heimat, davon 14 000 in München, muss man unweigerlich an die GBW denken. Und die nach der Wiederwahl 1984 geschmiedete „Allianz der Vernunft“ mit der CSU erinnert doch sehr an die heutige schwarz-rote Kooperation im Rathaus. Schon nach drei Jahren zerbrach die „Allianz“, weil nicht ein gewisser roter Christian Ude zum KVR-Chef gewählt wurde, sondern der schwarze Hans-Peter Uhl. Ein Omen? 2016 steht eine KVR-Wahl an … Kronawitter schreibt seine Autobiografie so, wie er regierte: ernst, schnörkellos, ohne Allüren – und lehrreich, nicht nur für den OB.

David Costanzo

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