Frischer Wind im historischen Gemäuer

Alte Akademie wird zur Einkaufswelt

Die Alte Akademie in der Fußgängerzone.

München - Wie geht es weiter mit der Alten Akademie in der Fußgängerzone? Die größte Immobilien-Firma Österreichs ist zuversichtlich, dass man der Akademie neues Leben einhauchen kann.

Am Mittwoch beschloss der Stadtrat, dass ein Architektenwettbewerb klären soll, was mit dem historisch und architektonisch bedeutenden Gemäuer passiert, in dem bis 2013 das statistische Landesamt und das Kaufhaus Hettlage untergebracht waren. Die Grenzen, die der Stadtrat dem Investor setzen will, sind eng.

Im Dezember 2013 wurde das 6055 Quadratmeter große Anwesen mit seiner 134 Meter langen Fassade zur Neuhauser Straße auf 65 Jahre an die Signa Holding des österreichischen Immobilien-Unternehmers René Benko vergeben. Die künftige Nutzung des 1576 errichteten und im 2. Weltkrieg schwer beschädigten und danach wiedererrichteten Ensembles sieht so aus: Rund die Hälfte der 22 000 Quadratmeter Nutzfläche sollen für den Einzelhandel reserviert werden, vier bis neun Prozent sind für Gastronomie geplant, 12 bis 18 Prozent für Büros und bis zu 30 Prozent für exklusivstes Wohnen.

Der an die Kirche St. Michael angrenzende Schmuckhof soll geöffnet werden. Unter dem Hettlage-Bau will der Konzern eine Tiefgarage errichten. Die Fassaden zur Straße sollen bleiben, wie sie sind. Auch die Dächer zur Straße sollen ihre Gestalt behalten. Allerdings: „Eingriffe sind soweit zulässig, als sie den Gesamteindruck bewahren“, hieß es gestern dann bei der Vorstellung des Projekts im Hotel am Platzl. Was das für die Schauseite des historischen Baus bedeutet? „Das ist eine Herausforderung für den Wettbewerb, dafür eine Lösung zu finden“, so Projektverantwortlicher Christoph Stadlhuber sibyllinisch auf die Frage, was das heißt.

Im Innern wird viel geändert. So wird der Hettlage entkernt, auch die Decken im Innern des alten Klosters, die nach dem 2. Weltkrieg eingezogen wurden, werden herausgerissen und neu eingezogen. Es wurden damals im Inneren fünf Geschosse geschaffen, künftig werden es wie vorher wieder vier sein.

Streit gibt es um den Erhalt der Arkade vorm Hettlage. Ziel ist, so das Benko-Konzept, eine „Neuinterpretation des Erlebnisraums der 50er Jahre“. Stadlhuber erklärt, dass die Arkade nur von 10 Prozent der Passanten der Neuhauser Straße genutzt werde. Es ist kein Geheimnis, dass man die Arkaden gerne schließen würde, um die Verkaufsflächen zu erhöhen. Der Denkmalschutz will das nicht. Zwölf Architekten werden zum Wettbewerb eingeladen, der nächste Woche unter Vorsitz des Stararchitekten David Chipperfield startet.

Österreichs größte Immo-Firma

René Benko (38) ist ein österreichischer Immobilien-Unternehmer. Die von ihm gegründete Signa Holding ist Österreichs größtes privates Immobilien-Unternehmen. Die Signa Real Estate hat in Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz 150 Mitarbeiter. Sie managen ein Immobilienvermögen von rund sechs Milliarden Euro. Der Handelssektor hat über 20 000 Mitarbeitern an über 100 Standorten. Jahresumsatz: drei Milliarden Euro.

Johannes Welte

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