Viele sind vom Abriss bedroht

Sie kämpfen um die alten Münchner Häuser

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MdL Robert Brannekämper und Isabell Zacharias (Bildmitte) wollen helfen .

München - Sie sind vielen Investoren ein Dorn im Auge, gehören aber zur Stadtgeschichte wie die Frauenkirche: Künstlerhäuser in München sind vom Abriss bedroht, diese Bürger wehren sich dagegen.

Der Kampf ums Künstlerhaus geht in die nächste Runde: 70 Bürger haben sich an der Zehentbauer-Villa in der Lerchenau versammelt, um für den Erhalt des Anwesens zu werben. Das Gebäude hat Bildhauer und Krippenbauer Otto Zehentbauer 1912 errichten lassen. Es war eines der ersten überhaupt, ganze zwölf Häuser bildeten damals die Siedlung. Demo für den Denkmalschutz!

Vor knapp eineinhalb Jahren hat die Stiftung der Raiffeisenbank München-Nord das Gebäude an der Lerchenauer Straße 206 gekauft. Seitdem gibt es Zoff. Die Stiftung will das Haus abreißen und eine Bankfiliale nebst Wohnhaus errichten. Geschichte in Gefahr! Das Anwesen gilt als letztes Künstlerhaus im Viertel. Und es ist prägend fürs Ortsbild.

Die Lerchenau hat den Kampf längst aufgenommen: Unterschriftensammlungen, Demonstrationen, Petitionen. Zuletzt war das Landesamt für Denkmalpflege in dem Gebäude. Doch auch das sah wenig Chancen. Zu viel ist an dem Haus über die Jahre verändert worden. Kleiner Trost: Zumindest das Atelier in dem Gebäude könnte man retten. In diesem befinden sich noch zahlreiche Arbeitsutensilien des Künstlers, Gussfiguren etwa.

Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper (CSU) kritisierte die Stiftung der Raiffeisenbank heftig und zitierte aus der Satzung. Demnach hat sich die Stiftung nämlich nicht nur der „Förderung von Kunst und Kultur“ verschrieben, sondern eben auch dem Denkmalschutz …

Brannekämper und Kollegin Isabell Zacharias (SPD) sitzen im Denkmalausschuss des Landtages. Dort kommt das Zehentbauer-Haus am Mittwoch aufs Tapet! Und dort entscheidet sich der Ausgang des Kampfes ums Künstlerhaus.

Die Zehentbauer-Villa ist nicht das einzige vom Abriss bedrohte historische Gebäude. Wo in der Stadt noch um Münchens Geschichte gekämpft wird, wo der Kampf schon verloren ist, erfahren Sie hier auf dieser Seite.

Die Paul-Heyse-Villa

Vor rund sieben Jahren hat Miele-Chef Reinhard Zinkann das Gebäude erworben. Er wollte auf dem Areal an der Luisenstraße 22 (Maxvorstadt) einen fünfstöckigen Komplex errichten. Dagegen gab es erheblichen Widerstand – so sehr, dass Zinkann die Paul-Heyse-Villa wieder verkaufte. Neuer Besitzer ist sein Architekt Carlos Graf Maltzan. Der will wohl selbst in dem Anwesen wohnen. Allerdings soll auch saniert und umgebaut werden.

Die Kolberger-Villa

Auch sie soll abgerissen werden – die alte Villa an der Kolbergerstraße 5 im Herzogpark. Das Verwaltungsgericht hat im Sommer entschieden, das mehr als 90 Jahre alte Gebäude ist kein Baudenkmal. Geplant sind auf dem Gelände neun Einheiten zwischen 180 und 500 Quadratmeter mit einer Projektsumme von mindestens 30 Millionen Euro.

Das Heinrich-Mann-Haus

Das Haus an der Leopoldstraße 59 in Schwabing gehört dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds, einer Stiftung des öffentlichen Rechts. Die hatte eine Bauvoranfrage gestellt. Bezirksausschuss und der Verein Altstadtfreunde haben sich derweil schon gegen einen möglichen Abriss ausgesprochen. Heinrich Mann hat in dem Haus 14 Jahre gelebt (1914 bis 1928). Unter anderem entstand in dieser Zeit der Roman „Der Untertan“.

Die Stadtvilla Moosach

An der Triebstraße steht Moosachs Stadtvilla. Sie soll abgerissen werden. Die Firma Amperland Immobilien will an dieser Stelle 16 neue Zwei- bis Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen bauen. Es besteht kein Denkmalschutz für das Gebäude. Bürger und Denkmalschützer sind dennoch empört, wollen um den Erhalt kämpfen.

Die Eva-Braun-Villa

Das nächste Opfer: Nach der Flick-Villa muss in Bogenhausen auch das zweite historische Anwesen weichen – die Eva-Braun-Villa! Die Bagger sind bereits da. Adolf Hitler hatte das Gebäude 1936 für 30 000 Reichsmark gekauft, das entspricht etwa 130 000 Euro. Geschenkt hat er es dann seiner Geliebten Eva Braun. Jetzt sollen an der Delpstraße zwölf Wohnungen entstehen.

Sascha Karowski

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