Alte Synagoge soll gerettet werden

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Vereinsgründerin Rachel Salamander mit OB Christian Ude ( SPD, li.) und Minister Wolfgang Heubisch ( FDP).

München - Erst sollte die alte Synagoge in der Reichenbachstraße für den Bau der neuen am Jakobsplatz verkauft werden, dann geriet sie in Vergessenheit – jetzt will ein Verein das Gotteshaus retten.

Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander hat ihn gegründet, Freistaat und Stadt wollen helfen. „Das ist ein Stück Münchner Geschichte“, sagt OB Christian Ude (SPD). Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) ergänzt: „Wir müssen etwas gegen das Vergessen machen.“

Und gegen den Verfall: Das Dach ist wohl undicht, das Tragwerk muss repariert werden, die Decke hat Wasserschäden, die Wand Risse, im feuchten Keller rosten Stahlträger. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich das Gotteshaus als marode.

Dabei gilt der unscheinbare Bau unweit des Gärtnerplatzes nicht nur aus religiösen Gründen als besondere Synagoge: Sie war bei ihrer Eröffnung 1931 eine der letzten vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. In der Reichspogromnacht 1938 wurde sie innen zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Sie war Heimat der Juden in München. Vereins-Vize Ron Jakubowicz sagt: „Ich fühle mich zutiefst berührt, dass ich weitermachen darf, was ich als Kind begonnen habe.“

Kosten bei sechs Millionen Euro

Die schlichte Synagoge gilt den Experten auch als „kulturgeschichtliches Denkmal ersten Ranges“, wie Rachel Salamander erklärt. „Sie war bei ihrer Eröffnung einer der modernsten Sakralbauten in München.“ Türkisblaue Wände, gelb strahlende Marmorverkleidung, cremefarbene Decke – die Vorhalle war in Rot gehalten.

In diesen Originalzustand will der Architekt Christoph Sattler das Gotteshaus zurückversetzen. Die Kosten liegen bei geschätzten sechs Millionen Euro. Der Denkmalschutz des Bundes hat zunächst 200 000 Euro vorgesehen. Freistaat und Stadt wollen sich beteiligen. Die Synagoge soll zu Ostern 2015 wieder öffnen – und dann nicht nur dem Gottesdienst, sondern auch der Öffentlichkeit und Touristen offenstehen.

DAC

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