Die alte Tram rattert wieder durch die Stadt

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Als Ersatz für die kaputten Variobahnen wurde der P-Wagen reaktiviert.

München - Comeback für die zwei Trambahnen aus den 60er Jahren. Aufgrund eines Serienschdens bei den nagelneuen Variobahnen rattern in München derzeit wieder die alten Trambahnen durch die Straßen.

MVG-Chef Herbert König dürften derzeit täglich ein paar neue graue Haare wachsen: Da ärgert er sich schon seit Monaten mit zwei Serienschäden bei der U-Bahn herum, die zu einem ausgedünnten Zugangebot führen. Dann musste er eineinhalb Jahre lang warten, bis die neuen Variobahnen für die Tram ihre vorläufige Zulassung durch die Regierung von Oberbayern bekamen. Zehn dieser 13 Züge des Berliner Herstellers Stadler Rail stehen nun seit zwei Monaten in der Werkstatt. Weil die Räder kaputt sind!

Die Variobahnen warten in der MVG-Werkstatt auf neue Rad-Gummis.

Das Problem sind laut MVG Gummikörper zwischen Radreifen und Radscheibe, die feine Risse aufweisen und ausgetauscht werden müssen. Am 26. März meldete die MVG den Serienschaden, der bislang noch nicht behoben werden konnte. Damit die MVG ihr Fahrplanangebot aufrecht erhalten kann, wurden zwei aus den 60er Jahren stammende P-Wagen aus dem Depot geholt, die mit Inbetriebnahme der Variobahn nur noch für Sonderfahrten und für die geplante Sonderlinie zum MVG-Museum eingesetzt werden sollten. Von sechs vorhandenen P-Zügen sind zwei einsatzfähig – die Züge rattern nun munter durch die Stadt. Zwei P-Wagen wurden als Ersatzteillager ausgeschlachtet, zwei fahren als Party-Tram.

Die MVG ist froh, dass sie die alten Züge hat, mit deren Hilfe sie „derzeit knapp über die Runden“ komme, so MVG-Sprecher Christian Miehling zur tz. Auf geplante Taktverdichtungen musste man verzichten. „Neben der MVG sind im Übrigen auch alle anderen Variobahn-Betreiber von dem Problem betroffen“, so Miehling weiter. Stadler sei aufgefordert, die Ursache für den Serienschaden schnellstmöglich zu ermitteln und das Problem umgehend zu beheben.

Die Züge – der Stückpreis beträgt rund drei Millionen Euro – sind schon zum Teil bezahlt. Miehling: „Ob und welche Ansprüche wir gegen die Firma Stadler geltend machen können, wird derzeit geprüft.“ Für die Zukunft schaut sich die MVG, die ab Ende 2013 für die geplanten Taktverdichtungen sechs bis acht neue Züge braucht, schon nach Ersatz-Lieferanten um. Eine Ausschreibung läuft bereits. Die Firma Stadler gab biser keine Stellungnahme ab.

Wo kriegt die MVG jetzt schnell Ersatzzüge her?

Die MVG ist derzeit fieberhaft auf der Suche nach acht Trambahnen, die auch in München fahren dürfen.

Da wären die 23 Züge der Baureihe P, die die MVG zwischen 2001 und 2003 nach Rumänien verkaufte, vor allem nach Temeshwar. Doch dort anzufragen, macht offenbar wenig Sinn. Die Züge dürften laut MVG „wegen der in Rumänien erfolgten Umbauten“ nicht mehr in München fahren. Außerdem würden die Bahnen dort gebraucht. Auch die in Wien eingesetzte ULF-Tram sowie die Potsdamer Combino-Bahn wären bei uns einsatzfähig, sie liefen hier schon 2001 im Probebetrieb.

Die MVG könnte aber auch neue Züge bestellen: So käme das Budapester Combino Plus-Modell oder die Berliner Flexity-Tram von Bombardier in Betracht.

Johannes Welte

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