Was passiert mit dem Betrieb?

Münchens letzter Kutscher ist tot

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Hans Holzmann an seinem Stammplatz direkt vor dem Chinesischen Turm. Genau 50 Jahre arbeitete er hier als Kutscher.

München - Er war bekannt in München. Immer stellte er sich mit den Worten vor: "Ich bin fei der letzte Kutscher Münchens". Im Alter von 64 Jahren starb Hans Holzmann in Bogenhausen.

Es gibt Menschen, die muss man einfach mögen: Hans Holzmann war so einer. Immer freundlich, immer einen Witz auf den Lippen. Wenn der Schwabinger auf seinem Kutschbock Platz nahm, sprach er meist dieselben Begrüßungs-Worte: „Ich bin fei der letzte Kutscher Münchens“, betonte er dann stolz. Ja – tausende Touristen fuhr er durch seinen Englischen Garten, tausende Münchner zu ihrer Hochzeit. Alles vorbei. Hans Holzmann ist tot. Montagnacht schloss der 64-Jährige nach langer Krankheit im Bogenhausener Krankenhaus für immer seine Augen.

Das Markenzeichen des Kutschers war natürlich sein Zylinder. Von diesen besaß er mehrere Dutzend.

Den sympathischen Pferdenarr wird ganz München vermissen. Was viele nicht wissen: Schon seit über 14 Jahren war Hans schwer krank, kämpfte gegen den Darmkrebs. Aber er hielt durch, wollte sich nicht ergeben, nicht aufgeben. „Am Vormittag ging er zur Chemotherapie und am Nachmittag saß er wieder auf dem Kutschbock“, erzählt seine Frau Susi der tz. „Er war da sehr tapfer und er hatte gute Ärzte.“ Über all die Jahre lernte Hans, sich irgendwie mit seinem Leiden zu arrrangieren, mit den Schmerzen klar zu kommen. Wenn wieder eine OP anstand, legte er sich für ein paar Tage ganz still ins Klinikum. Jammern war nicht seine Sache.

Seit zwei Monaten nicht mehr auf den Beinen

Aber vor zwei Monaten wurde die Situation so schlimm, dass er einfach nicht mehr auf die Beine kam. Der Krebs hatte begonnen, sich auszubreiten. Hans musste dauerhaft im Krankenhaus bleiben, sein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. An Heiligabend war der Schwerkranke noch ansprechbar, Angestellte brachten ihm sogar noch eine seiner Leibspeisen ans Bett: Rindsrouladen. Es war wie ein Abschied.

Eins ist traurige Gewissheit: Mit dem Tod von Hans Holzmann ist wieder ein Stückchen München gestorben. Wann der beliebte Schwabinger zu Grabe getragen wird, steht noch nicht fest. „Wir müssen nun erstmal alles Wichtige regeln“, erklärt Gattin Susi. Ja, viele Menschen werden von dem Parade-Bayern Abschied nehmen wollen.

Und der Betrieb mit den 17 Kutschen? Er soll auf jeden Fall weitergehen. So wollte es Hans. Auch wenn jedem seine Stimme fehlen wird – die stolz ruft: „Ich bin fei der letzte Kutscher Münchens.“

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