Streik mit Vollgas wegen Handy-Konkurrent

Branche zittert: Darum protestierten 1000 Taxler am Odeonsplatz

Rund 1000 Taxifahrer haben sich am Donnerstag an einer Sternfahrt durch die Münchner Innenstadt beteiligt. Die Taxi-Branche hat Angst, der Grund ist ein Start-Up.

Sie hupen, sie schimpfen und sie blockieren die Straßen rund um den Odeonsplatz. Rund 1000 Taxifahrer haben sich am Donnerstag an einer Sternfahrt durch die Münchner Innenstadt beteiligt. Ihr Gegner: Uber, das wertvollste Start-Up der Welt, dass den Taximarkt in München aufmischt.

Um was es bei dem Straßen-Streit geht? Die Taxler beklagen Umsatzeinbußen, seit Uber sich massiv bei uns tummelt. Die Branche zittert – vor allem beim Blick in die USA. Uber hat New York im Sturm erobert und die berühmten gelben Taxen längst hinter sich gelassen. Münchens Taxler befürchten ein ähnliches Schicksal.

Wie ist Ubers Plan? Erst hatte das Unternehmen Fahrten von Privatpersonen im eigenen Auto angeboten – per App auf dem Handy. Heißt: Da nahm den Kunden dann beispielsweise ein Student aus Schwabing zum Kunstpark mit. Das ist jetzt verboten. Der neue Clou: Nun vermittelt Uber Mietwagen – mit Chauffeur. In keiner anderen deutschen Stadt geht der Internet-Riese so aggressiv zu Werke wie in München. Bisheriger Höhepunkt war die Wiesn: „Da hat sogar Sixt 250 Mietwagen in den Markt gepumpt, die Mit Uber gearbeitet haben“, so Isarfunk-Chef Hess. „Wir haben nichts gegen Konkurrenz, aber Uber kämpft nicht mit fairen Mitteln, sondern missachtet die Gesetze“, meint Tom Buntrock, Chef der Isar-Funk-News. Ein Beispiel: Mietwagen dürfen ihre Fahrgäste nicht einfach auf der Straße aufgabeln, sie müssen von ihrem Betriebssitz losfahren und nach der Fahrt auch wieder dorthin zurückkehren. „Die meisten haben ihren Sitz außerhalb Münchens, die halten sich nicht an diese Vorschrift“, sagt Buntrock. Er habe selbst 100 Fahrten mit Uber-Fahrern gemacht und diese danach für ihr Fehlverhalten angezeigt. „Die Stadt muss jede Verletzung der Rückkehrpflicht ahnden.“

Beim KVR weiß bescheid: „Wir haben in der Vergangenheit mit Vertretern von Uber Gespräche über das Geschäftsmodell und dessen Vereinbarkeit mit dem Personenbeförderungsgesetz geführt“, sagt ein Sprecher. Außerdem sei das KVR mit der obersten Aufsichtsbehörde in Kontakt. Isarfunk-Chef Hess meint, die Stadt habe verstanden, er arbeite mit dem KVR zusammen. Er sieht den Ball jetzt im Feld der Staatsregierung und der neuen Bundesregierung. „Uber baut in Berlin und Brüssel massiven Druck auf. Es handelt sich um die größte Lobbyorganisation aller Zeiten“, so Hess.

Alt-OB Christian Ude kam an seinem 70. Geburtstag zum Odeonsplatz, um die Taxler zu unterstützen.

Das ist doch unverschämt!

Cengiz Mevlut 53, Taxifahrer bei Taxi Engel: „Ich bin seit vier Jahren Taxifahrer und wende mich gegen illegale Geschäfte. Was Uber da treibt, ist eine Unverschämtheit. Wäre es eine türkische oder griechische Firma, sie wäre sofort vom Markt genommen worden. Ich muss alle fünf Jahre zur MPU. Das ist nicht billig, aber vorgeschrieben. Die Uber-Fahrer müssen solche Standards nicht erfüllen.“

Uber pickt sich die Rosinen raus

Jonas Lemmer (42), Alleinunternehmer: „Bisher habe ich in zehn Stunden Arbeit zwischen 200 und 250 Euro Umsatz gemacht. Jetzt sind es sicher 20 Prozent weniger, so etwa 150 bis 180 Euro. Wir müssen mittlerweile viel länger auf Kunden warten. Wir Taxler erfüllen eine wichtige Aufgabe. Wir müssen jeden befördern: Krankenfahrten, Besoffene. Die Uber-Fahrer picken sich dagegen die Rosinen heraus und fahren immer die lukrative Strecke zum Flughafen.“

Kampf für Zukunft

Günni Bäurle (54), Taxi Bachmann: „Ich liebe meinen Beruf und möchte ihn bis zur Rente ausüben. Ich kämpfe hier also für die nachfolgende Generation. Wenn das Illegale auf einmal normal wird, muss man was dagegen tun. Ich merke die dreiste Konkurrenz durch Uber längst am eigenen Geldbeutel und habe Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent zu beklagen. Hoffentlich unterstützt die Stadt uns Taxler!“

Mk

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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