Warnstreik am Freitag

2300 Erzieherinnen am Stachus: "Wir sind mehr wert!"

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München - Freitagvormittag am Stachus: Wir sehen Plakate mit der Aufschrift „Schauen Sie nach oben, bevor es dunkel wird …“ Da haben die streikenden Erzieherinnen ihren Unmut gleich mit der Sonnenfinsternis verbunden.

Mehr als 3000 Erzieherinnen haben am Freitag in Bayern ihre Arbeit niedergelegt, allein in München zählte die Polizei rund 2300 Demonstranten. Ein Warnstreik, mit dem die Teilnehmer mehr Anerkennung und Geld fordern.

Derzeit verhandelt die Gewerkschaft Verdi mit den kommunalen Arbeitgebern. Am kommenden Montag steht die nächste Runde an. Die Gewerkschaft setzt sich für eine Aufwertung der Erziehungsberufe und für eine Einstufung bestimmter Tätigkeiten in höhere Gehaltsgruppen ein. Zwischen 2590 und 3750 Euro brutto verdienen Erzieherinnen derzeit nach Arbeitgeber-Angaben. „Wir sind mehr wert“, sagen die Streikenden. Die tz-Umfrage:

Es wird nicht gewürdigt!

Barbara Feuerstein-­Weber (57), ­Erzieherin, München: "Wir leisten täglich auch einen politischen Beitrag. Wir haben 55 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund, die wir nicht nur betreuen, sondern auch unterstützen und deren Eltern wir die Ängste nehmen. Das wird nicht gewürdigt."

Für gute Ausbildung

Sarah Haertel (20, l.),Saskia Pfeiffer (21), Erzieherinnen aus München: "Die Ausbildung soll von fünf auf vier Jahre verkürzt werden, so dass pädagogisch wichtige Bereiche wegfallen. Aber wir haben einen verantwortungsvollen Beruf, da darf die Qualität nicht leiden. Es wird an falscher Stelle gespart."

Große Last

Max Grossrubatscher (32), Sozialpädagoge aus München: "Als Sozialpädagoge habe ich mit schweren menschlichen Schicksalen zu tun. Das ist eine hohe Belastung. Doch unsere Gesellschaft nimmt das als gegeben hin – irgendwer kümmert sich schon. Unsere Arbeit wird nicht geschätzt."

Wir haben keine Lobby

Nathalie Hagedorn (39) mit Tochter Theresa, Erzieherin aus München: "Es ist nicht allein der geringe Verdienst. Mich ärgert es, dass wir keine Lobby haben. Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll und die Anforderungen steigen stetig. Doch wir bekommen keine angemessene Wertschätzung."

Wir wollen Anerkennung

Anna Bahr (21, l.) aus Weilheim und Annika Pechtold (26) aus Landsberg, Erzieherinnen: "Viele glauben, wir spielen a bisserl mit den Kindern. Keiner sieht, wie wir die Kleinen frühpädagogisch fördern. Unser Beruf hat eine hohe Verantwortung. Deshalb wollen wir mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung."

Tina Layes

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