Die gschmackige Meile

700 Jahre Metzgerzeile: tz stellt die Spezialitäten der acht Läden vor

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Die Metzgerzeile am Viktualienmarkt.

Die Metzgerzeile am Viktualienmarkt feiert heuer ihren 700. Geburtstag. Längst ist die gschmackige Meile ein kulinarisches Wahrzeichen der Stadt. Die tz stellt die Spezialitäten der acht Metzger vor:

Alles Gute – und zwar im doppelten Sinne! Die Metzgerzeile am Viktualienmarkt feiert heuer ihren 700. Geburtstag. Seit dem 14. Jahrhundert reihen sich direkt unter dem Petersbergl die Metzger aneinander. Längst ist die gschmackige Meile ein kulinarisches Wahrzeichen der Stadt.

Früher, im finsteren Mittelalter, standen die Fleischbänke mitten auf dem Marktplatz – dem heutigen Marienplatz. Doch der Geruch und die Schlachtabfälle in der Stadtmitte waren nicht ganz das Rechte. König Ludwig der Bayer hatte die Nase so voll, dass er die Metzger im Jahr 1315 an den Rand der Stadtmauer verbannte. Vorteil: Dort floss der Roßschwemmbach beim Heiliggeistspital. Die Chance, die Fleisch­abfälle hygienischer – nämlich über ein fließendes Gewässer – zu entsorgen! Knapp 500 Jahre später folgten die übrigen Händler den Metzgern: die Geburtsstunde des Viktualienmarkts. Der Markt und die Metzgerzeile entwickelten sich fortan zum sprichwörtlichen Bauch der Münchner.

Zum 700-jährigen Jubiläum feiert die Stadt: An diesem Sonntag hält Pfarrer Rainer Schießler um 10 Uhr einen Festgottesdienst für die Metzger in der Heilig-Geist-Kirche mit anschließendem Frühschoppen. Ein weiterer Höhepunkt: der Würstl-Tag am 17. Juli von 11 bis 16 Uhr in der Metzgerzeile mit Verköstigung und Live-Musik.

Neun Läden reihen sich in der Zeile aneinander. Acht davon, die Metzger, bieten Fleisch und Wurst an. Dazu kommt noch ein Spezialist für Handwerk aus Holz. Die tz stellt die Spezialitäten der Metzger vor:

1. Schlagbauer

Seit 16 Jahren betreibt ­Georg Schlagbauer (43), Handwerkskammerpräsident für München und Oberbayern, seinen Laden in der Metzgerzeile. Spezialitäten: Sowohl Stammkunden als auch Touristen holen sich in der Metzgerei Schlagbauer gerne Würstl, die sich hier in großer Vielfalt ­finden: die Münchner Weißwürste (100 g, 1,79 Euro) zum Beispiel oder die rohen würzigen Schweinsbratwürstl (100 g, 2,19 Euro), die sich toll zum Grillen eignen. Besonders beliebt ist hier die Weiße im Ring (100 g, 1,89 Euro): Die kann der Kunde nämlich heiß und kalt essen.

2. Rühl

Seit fast 30 Jahren steht Marianne Rühl (60) hinter der Teke. Davor war die Metzgerei in schlesischer Hand, sodass die Fränkin auch diese Spezialitäten führt. Spezialitäten: Das Rezept der fränkischen Bratwurst (100 g, 1,75 Euro) ist noch ein Original von der Urgroßmutter. ­Freilich dürfen hier die Schäuferle (vom Schulterblatt, 9,90 Euro das Kilo) nicht fehlen. Schlesische Spezialitäten sind die braune (100 g, 1,99 Euro) und die weiße Kalbsbratwurst (100 g, 1,79 Euro), die traditionell an Weihnachten gemacht wird.

3. Markt Metzger

Der Markt Metzger ist ein Familienbetrieb, der 1972 seinen Anfang mit Albert Klobeck sen. nahm. Seit 1994 steht der Junior (52), der ebenfalls Albert heißt, hinter der Theke. Spezialitäten: Die Münchner wissen, dass der Weilheimer Landmetzger in seinem Laden sowohl Fleisch und Wurst vom Murnau-Werdenfelser-Rind als auch vom Fleckvieh Simmental führt. Hier gibt es auch das Dry Aged Beef (ein bestimmtes Verfahren der Trockenreifung, 100 g für 2,20 Euro), das immer beliebter wird. Die Japaner kaufen bei ihm am liebsten die bayerische Bierkugel (1,59 Euro das Stück).

4. Metzgerei Schäbitz

Hermann Schäbitz war der Gründer der kleinen Münchner Metzgereikette, die es bereits seit 200 Jahren gibt. Seit zwölf Jahren ist Anton Munkert (52, Foto) hier ansässig. Spezialitäten: Das Unternehmen produziert seine Weißwürste selbst – 2009 wurden sie mit Gold ausgezeichnet. Die Besonderheit: Hier kann der Kunde auch frische, ungebrühte Weißwürste kaufen (100 g, 1,29 Euro). In seinem Sortiment gibt es überdies eine große Auswahl an Trockenwürsten: von Brotzeitbeißer (Stück 0,35 Euro) über Bison Stangerl (Stück drei Euro) bis hin zur Kabanossi (Stück zwei Euro).

5. Metzgerei J. Leistl & W. Müller

Seit 14 Jahren betreiben die Geschäftspartner Johannes „Sepp“ Leistl und Werner Müller die Metzgerei, davor regierte über 40 Jahre lang die Familie Schweyer. Metzgereifachverkäuferin Martina Mayr (31) steht seit zehn Jahren hinter der Theke. Spezialitäten: Neben Münchner Weißwürsten in Originalgröße (100 g, 0,99 Euro) bekommt der Kunde hier Bisonfleisch. Bei den Münchnern sehr beliebt: die Bison-Leberkässemmel für drei Euro (die „normale“ ­kostet zwei Euro). Und bei den Touristen? Martina Mayr: „Die Italiener stehen total auf unsere geräucherte Schinkenhaxn!“

6. Wöhrmüller

Peter Wöhrmüller (55) ­betreibt seine Metzgerei ­bereits in dritter Generation. Sein Großvater Franz hatte das Geschäft in der Metzgerzeile im Jahr 1910 übernommen. Spezialitäten: Metzgermeister Peter Wöhrmüller setzt in seinem Laden verstärkt auf Grillspezialitäten wie beispielsweise die französische Merguez (100 g, zwei Euro). Das ist eine Bratwurst aus Rind- und Lammfleisch, die schön scharf gewürzt ist. Sie stammt ursprünglich aus Marokko und anderen Ländern Nordafrikas. Aber auch Ochsenfleisch und verschiedene Steaks wie das englische Tomahawk (24,50 Euro pro Kilo) ­finden sich im Sortiment der Metzgerei Wöhrmüller.

7. A. Klobeck

Schwiegersohn Walter übernahm vor über 20 Jahren den Laden von Albert Klobeck sen. Jetzt stehen Walter und dessen Tochter Martina (20, Foto) hinter der Wurst- und Fleischtheke. Spezialitäten: Ware aus Niederbayern wird groß geschrieben: zum Beispiel die Bauernsalami (100 g, 2,09 Euro) und das Geselchte, das nach alter Tradition hergestellt wird (sechs Wochen in Salz gereift und zwei Wochen würzig geraucht, 100 g für 2,09 Euro). Bei Klobeck gibt es aber auch den Pfälzer Saumagen (100 g, 2,09 Euro). Im Angebot hat Klobeck derzeit Rinderfilet, das Kilo zu 33,90 Euro.

8. Rudolf Maier

Die Metzgerei Rudolf Maier GmbH ist seit 40 Jahren auf der Metzgerzeile. Geschäftsführer Anton Wabra führt seit zwei Jahren das Geschäft – sozusagen noch ein Jungspund unter den Metzgern. Spezialitäten: Bei ihm gibt es noch das alte typische Münchner Schmankerl, die Kalbsbriesmilzwurst (100 g, 2,18 Euro) nach Original-Rezept, das Liebhaber panieren wie ein Schnitzel und mit Kartoffelsalat genießen. In seinem Sortiment findet sich eine große Auswahl an verschiedenen Schinken: zum Beispiel Klosterschinken (100 g, 3,68 Euro) oder auch Karreespeck (100 g, 3,98 Euro) aus dem Pfaffenwinkel.

Tina Layes

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