Chef von Münchner Traditionsunternehmen stirbt mit 96 Jahren

Seniorchef von "Hut Breiter" tot: Der Hüter der Tradition

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Bis vor zwei Jahren jeden Tag im Geschäft: Adalbert Simon Breiter.

München - Bis zum zarten Alter von 94 Jahren werkelte der Seniorchef von "Hut Breiter" noch im Geschäft. Zwei Jahre später ist Adalbert Simon Breiter nun verstorben - seine Familie will seine Liebe zum Hut weiterleben.

Ob Klassiker oder Trachtenhut: Jeden Tag schmückte ein anderes Exemplar den Kopf von Adalbert Simon Breiter. Der Seniorchef des Münchner Traditionsunternehmens „Hut & Mode Breiter“ ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben.

Bis vor zwei Jahren werkelte der gebürtige Münchner noch jeden Tag für das Geschäft, erzählt Tochter Marion Breiter (60). Um den Einkauf der Herrenhüte kümmerte sich der Seniorchef alleine. Samstags schaute er außerdem in der Hauptfiliale am Frauendom nach dem Rechten. 

Schon früh war klar, dass Breiter in die Fußstapfen seines Vaters tritt: Noch vor dem Zweiten Weltkrieg machte er eine Hutmacherlehre in Augsburg und ließ sich zum Kaufmann ausbilden. Dann musste er an die Front. Eine Zeit, über die ihr Vater - wie so viele seiner Generation - nie viel geredet hat, sagt Tochter Marion. 

Nach dem Krieg waren alle Geschäfte zerstört. „Die große Leistung meines Vaters und seines Bruders Max war es, sie wieder aufzubauen.“ Das Unternehmen startete mit Filialen an der Dachauer Straße, Zweibrückenstraße und Kaufingerstraße in die Nachkriegszeit. 

In der damaligen Not kamen die Kunden vor allem, um sich Hüte reparieren lassen. „Jeder Kunde musste zwei Briketts mitbringen: Damit konnte der Dampf zur Reparatur erzeugt werden.“ Mit der Mode zu gehen, das war Adalbert Breiter in den folgenden Jahrzehnten immer sehr wichtig. So habe er etwa Pelzmützen auch für Männer in Deutschland eingeführt, erinnert sich seine Tochter. „Die wurden im Osten damals viel getragen.“

Besonders wichtig waren dem Hut-Breiter-Seniorchef seine Mitarbeiter. Dass viele von ihnen über 20 Jahre lang und eine sogar mehr als 50 Jahre im Unternehmen dabei waren, machte ihn stolz.

Vor zwei Jahren hatte ihr Vater sich die Hüfte gebrochen, sagt Marion Breiter. „Er hat sich danach mit dem Laufen schwer getan - aber sonst ging es ihm gut.“ Seine Familie will seine Liebe zum Hut jetzt mit vereinten Kräften weiterleben lassen.

Im Jahr 1863 gegründet

Auf eine über 150-jährige Geschichte blickt „Hut & Mode Breiter“ zurück. 1863 verkaufte der Großvater des nun verstorbenen Seniorchefs rund um Rott am Inn seine handgefertigten Hüte mit einem Pferdewagen.

Nach einer Station in Rosenheim siedelte sein Sohn 1911 nach München um - und erwarb das Haus in der Dachauer Straße 14: Heute immer noch das Lager, die Online- und Verwaltungszentrale. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1918 die heutige Hauptfiliale am Frauendom angemietet - 1930 kam ein Geschäft am Isartor dazu. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Sohn Adalbert Simon Breiter mit Bruder Max. Das Unternehmen weitete das Sortiment auf Mode aus. Ab 1977 kamen die heutigen Geschäftsführerinnen ins Team: Adalberts Tochter Marion und ihre Cousine Ursula Breiter-Graetz mit Bruder Max junior.

Letztes Jahr stieg mit Marions Sohn Alexander die fünfte Generation ein. „Hut Breiter“ betreibt heute vier Filialen und drei Franchise-Läden in München und Starnberg. 

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