Am Liesl-Karlstadt-Brunnen

Ärger am Viktualienmarkt: Vom Schmuckstück zum Schandfleck

+
Polizisten am Liesl-Karlstadt-Brunnen: Das Denkmal verkommt, am Donnerstag eskalierten die Pöbeleien – die Polizei schritt ein.

Früher war der Viktualienmarkt ein schmucker Platz, wo Touristen oft Fotos machten. Doch in der Zwischenzeit belagern Betrunkene den Liesl-Karlstadt-Brunnen. Sehr zum Ärger der Stände.

München - Immer, wenn Manfred Eder (79) in seine Heimatstadt München kommt, geht er zum Viktualienmarkt und legt eine Rose am Liesl-Karlstadt-Brunnen nieder. Damit drückt er seine Verehrung für die 1960 verstorbene Schauspielerin aus, die er noch persönlich kannte. Doch die letzten Male am Brunnen machten ihn wütend. „Das Denkmal war umlagert von Betrunkenen!“ Auf dem Brunnen und darin: Bier- und Weinflaschen, Becher, Zigarettenschachteln. „Das Schmuckstück ist zum Schandfleck verkommen!“

Am Donnerstag ist der seit langem schwelende Konflikt eskaliert. Standl-Betreiberin Jutta Pichl rief die Polizei wegen der Leute, die am Brunnen standen. Uns erzählt sie: „Die Leute haben randaliert und waren aggressiv. Sie haben mich beschimpft und beleidigt.“ Die Beamten rückten an: Sie nahmen die Personalien auf und erteilten zwei Platzverweise. Einer der Herren hatte einen Eimer umgetreten, der andere Bier aus dem Brunnen verkauft.

Eder beschwert sich bei der Stadt

Schon Wochen zuvor hatte Eder einen Brief an die Stadt verfasst. Er bat um eine Stellungnahme zu den „unbeschreiblichen Zuständen“. Die Verwaltung kennt das Problem. ­Zuständig sind die Markthallen, die zum ­Kommunalreferat gehören. Dort heißt es lapidar: „Der ,Stammtisch am Liesl-Karlstadt-Brunnen‘ ist uns natürlich bekannt. Bislang haben wir trotz Beschwerden keine rechtliche Handhabe, sind aber in der Prüfung.“

Darüber kann Marktfrau Pichl – ihr „Waldprodukte“-Stand ist neben dem Brunnen – nur lachen. Das Problem sei seit Jahren bekannt, sagt sie. Und die Betrunkenen seien „eine Zumutung“. Schon im Dezember hatte sie eine Beschwerde an die Markthallen geschickt: „Die sagen, sie können nichts machen, weil es ein öffentlicher Platz ist.“

Bis zu 30 Menschen betrinken sich am Brunnen

Das macht die Standl-Betreiberin wütend. „Uns wurde früher immer gesagt, wir müssen den Brunnen sauberhalten, damit Touristen schöne Fotos machen können – und jetzt lagern die Leute ihre Bierflaschen darin, treiben damit sogar Handel, und da sagt keiner was!“ An schönen Tagen würden bis zu 30 Menschen am Brunnen herumlungern und sich betrinken. Das bestätigt auch Marktsprecherin Elke Fett. „Wir haben uns x-mal bei der Stadt beschwert, aber da passiert nichts.“ Sie hofft, dass Eders Beschwerde dem Anliegen zu mehr Gehör verhilft.

Flaschen liegen im Brunnen – das regt Marktsprecherin ­Elke Fett (re.) auf. Täglich lungerten hier Betrunkene herum, die Polizei sei in den meisten Fällen machtlos.

Der hofft derweil, dass sich bis zu seinem kommenden München-Besuch etwas am Brunnen ändert. Den 79-Jährigen schmerzt die „Denkmalschändung“ am Viktualienmarkt, wie er es nennt. Weil er eine ganz persönliche Beziehung zu der Schauspielerin hatte: Bis zu Karlstadts Tod stand Eder mit ihr für die BR-Hörfunkserie Familie Brandl im Studio. Sie sprach die Mutter Brandl, er den frechen Sohn Ferdl. Beinahe 60 Jahre ist das her. Doch das Andenken will er in Ehren halten.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Deshalb machten die SWM 2016 Millionenverluste
Deshalb machten die SWM 2016 Millionenverluste
Faktencheck: Darum kostet die Wohnungsnot die Stadt Millionen
Faktencheck: Darum kostet die Wohnungsnot die Stadt Millionen
Fast 30 BMW geknackt: So dreist ging die Navi-Bande vor
Fast 30 BMW geknackt: So dreist ging die Navi-Bande vor

Kommentare