Anwohner und Geschäftsleute genervt

Ärger mit Touristen-Bussen: Blockade am Altstadtring

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Busse parken in mehreren Reihen

Auf dem Thomas-Wimmer-Ring ist das Verkehrschaos eingetreten, das viele befürchtet hatten. Touristen-Busse parken zum Teil in drei Reihen nebeneinander und blockieren den Verkehr.

Altstadt/Lehel - Elke Elzer kann es nicht fassen. Die Busfahrer machten am Thomas-Wimmer-Ring, was sie wollen, sagt sie. „Und die Polizei tut nichts. Wir müssen uns doch alle an Verkehrsregeln halten!“ Elzer, eine Anwohnerin im nördlichen Lehel, fährt hier regelmäßig mit dem Fahrrad vorbei. „Das ist enorm gefährlich, wenn plötzlich dutzende Menschen aus den Bussen steigen und auf dem Fahrradweg stehen“, sagt sie, „ein Wunder, dass hier noch kein Unfall mit Personenschaden passiert ist.“

Tatsächlich ist es verkehrswidrig, was Busfahrer an der Ecke Thomas-Wimmer-Ring/Isartor täglich vorführen: Sogar in Zweier- und Dreierreihen parken die internationalen Busse an dieser Stelle – einer absoluten Halteverbotszone – und blockieren nicht nur die Abbiegespur Richtung Tal, sondern mitunter auch Geradeausspuren Richtung Viktualienmarkt. Zu Stoßzeiten entstehen lange Staus an der Ampel. Es wirkt so, als ob es die Macht der Gewohnheit ist, deretwegen die Busse genauso weiterparken wie vor Beginn der Baustelle der neuen Tiefgarage am Ring – damals gab es für die Busse noch eine Spur zum Parken.

“Wir müssen uns doch alle an Verkehrsregeln halten!“, sagt Elke Elzer.

„Von manchen Geschäftsleuten weiß ich, dass sie Abmachungen mit den Fahrern haben“, sagt Wolfgang Püschel, der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel. „Sie wollen Geld verdienen.“ Dennoch dürfe dies nicht auf Kosten der Sicherheit geschehen. Er fordert: „Diese permanente Verkehrsgefährdung muss enden.“

„Die Fahrer lassen ganz natürlich die Motoren weiterlaufen“

Der illegale Busparkplatz ist zudem nicht bei allen Geschäftsleuten beliebt. Herbert Baur, Friseur am Thomas-Wimmer-Ring, beklagt Lärm- und Geruchsbelästigung: „Mit offenen Fenstern oder Türen kann ich schon lange nicht mehr arbeiten. Die Fahrer lassen ganz natürlich die Motoren weiterlaufen, während sie hier unerlaubt parken – um die Klimaanlagen in Betrieb zu halten.“ Noch bleiben Baurs Kunden zwar nicht weg, „aber sie tun sich zu Stoßzeiten schon schwer, durch die Menschenmassen bis zu meinem Geschäft zu gelangen.“ Baur stört insbesondere die Tatenlosigkeit der Polizei: „Sie tun nichts. Sie fahren eben vorbei an den stehenden Bussen.“

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In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) erklärte Polizeihauptkommissar Thomas Bedacht die Schwierigkeiten für die Gesetzeshüter: „Wir sind nicht für den ruhenden Verkehr zuständig“, sagte er. Nur die kommunale Verkehrsüberwachung könne an dieser Stelle die falsch parkenden Busse verwarnen. „Und Abschleppen?“, fragt ein BA-Mitglied. „Können wir nicht“, sagte Bedacht. Dafür fehle die Rechtsgrundlage.

Das Bußgeld für Parken in zweiter Reihe beträgt 25 Euro

Im Kreisverwaltungsreferat (KVR), das für die Verkehrsüberwachung zuständig ist, ist man sich des Problems bewusst – eine Lösung weiß man allerdings auch nicht. „Unsere Mitarbeiter führen täglich Schwerpunkteinsätze durch“, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Es würden auch regelmäßig Verwarnungen erteilt – Zahlen hierzu gebe es aber nicht. Das Bußgeld für Parken in zweiter Reihe beträgt 25 Euro. In der Praxis stehen die Verkehrsüberwacher allerdings vor handfesten Problemen. Die Fahrer seien zwar einsichtig, sagt Mayer: „Die Anweisung zur Weiterfahrt bereitet jedoch immer dann Probleme, wenn zum Einsteigen der Reisegäste gehalten wird. Immer wieder entsteht dann die Situation, dass schon fast alle Gäste wieder im Bus sitzen, der Busfahrer aber noch auf wenige fehlende Mitreisende wartet.“ Nun liege es im Ermessen des KVR-Mitarbeiters, ob er dennoch verwarnt und auf der Weiterfahrt besteht oder den Bus doch noch zwei oder drei Minuten stehen lässt. „Etwa weil sich die fehlenden Gäste schon in Sichtweite befinden.“

Wie geht es also weiter? Der BA fordert die Stadtverwaltung bis hoch zu OB Reiter auf, sich etwas zu überlegen. Denn die Ausweichmöglichkeiten am ZOB und an der Hansastraße sind offensichtlich nicht attraktiv genug für Busfahrer und Touristen. Und der ehemalige Busparkplatz am Thomas-Wimmer-Ring wird noch länger fehlen: Die Bauarbeiten für die Tiefgarage werden voraussichtlich etwa drei Jahre dauern. Im Oktober beginnt der Aushub der bis zu zwölf Meter tiefen Baugrube.

Von Hüseyin Ince

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

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