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Dieses Verbot will die CSU auf dem Viktualienmarkt einführen

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Von: Sascha Karowski

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Auf dem Viktualienmarkt hält man sich gerne und trinkt dabei auch mal die eine oder andere Halbe, oder?! Das könnte in Zukunft vorbei sein, wenn es nach der CSU geht.
Auf dem Viktualienmarkt hält man sich gerne auf und trinkt dabei auch mal die eine oder andere Halbe, oder?! Das könnte in Zukunft vorbei sein, wenn es nach der CSU geht. © Götzfried

Auf dem Viktualienmarkt hält man sich gerne und trinkt dabei auch mal die eine oder andere Halbe, oder?! Das könnte in Zukunft vorbei sein, wenn es nach der CSU geht...

München - Schluck! Die CSU will den Alkoholkonsum auf dem Viktualienmarkt einschränken. Außerhalb der Gastro- und Freischankflächen soll zudem der Ausschank verboten werden. Damit reagiert die Partei auf Beschwerden der Händler. Denn die stören sich zunehmend an dem trunkenen Treiben – vor allem am Liesl-Karlstadt-Brunnen.

Namentlich zitieren lassen will sich niemand aus Angst vor Repressalien. Im Vorjahr war die Situation am Brunnen schon mal eskaliert, Kunden und Händler wurden bepöbelt und bedroht. Die Polizei musste anrücken. Eine Standl-Besitzerin äußerte auch öffentlich ihren Unmut über die Situation. Tags darauf war eine Plane an ihrem Geschäft zerschnitten.

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Nun reagiert die CSU im Münchner Stadtrat. Die Fraktion wird am Donnerstag einen Eil-Antrag stellen, der der tz exklusiv vorliegt und im Feriensenat am 5. September behandelt werden soll. Demnach soll das Kommunalreferat die Satzung für die Märkte ändern. Ziel ist es, vor allem den Alkoholausschank außerhalb der Gastronomie- und Freischankflächen zu untersagen. Außerdem soll geprüft werden, ob der neue Kommunale Außendienst auf dem Marktgelände patrouillieren kann.

Situation rund um den Brunnen mehrmals eskaliert

In der Begründung heißt es, dass nicht nur im vergangenen Jahr, sondern auch in diesem Sommer die Situation rund um den Liesl-Karlstadt-Brunnen mehrmals eskaliert ist, zuletzt beim Brunnenfest. Händler seien angepöbelt, beschimpft und bedroht worden. Nach eigenem Bekunden geht es der CSU gar nicht darum, dass ein paar Menschen am Brunnen ein Getränk zu sich nehmen.

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 „Wir haben natürlich Verständnis dafür, wenn die Münchner ihr Feierabend-Bier auf dem Viktualienmarkt trinken wollen“, sagt Fraktions-Vize Hans Theiss. Aber es komme immer häufiger vor, dass der Brunnen zum Kühlen von Bierflaschen missbraucht werde, die zudem illegal verkauft würden. „Und an manchen Tagen wird der Marktbetrieb negativ beeinträchtigt und den Standl-Besitzern sogar Gewalt angedroht. Spätestens dann ist das Maß voll.“ Platzverweise seien nicht wirksam, und die Polizei habe keine Handhabe zum Eingreifen.

Besucher fühlen sich belästigt von Brunnen-Trinkern

Kommunalreferentin Kristina Frank sagte, sie lege zwar großen Wert auf bayrische Gemütlichkeit und die Devise „Leben und leben lassen“. Doch das unangebrachte Verhalten mancher Leute auf dem Viktualienmarkt sei nun ein Grund zum Handeln. „Der Marktbetrieb wird wiederholt durch eine Gruppe von Menschen gestört, die Alkohol an Brunnen sowie in Durchgängen konsumiert. Je größer die Gruppe und je fortgeschrittener der Tag, desto belastender wird die Situation für alle auf dem Markt.“

Die Satzung der Münchner Märkte soll nun analog zur Satzung der Fußgängerzone ausgerichtet werden. Dann würde ein Alkoholverbot gelten. Frank verspricht: „Wir gehen mit viel Fingerspitzengefühl vor.“

Der Kooperationspartner im Rathaus signalisiert Gesprächsbereitschaft. „Die Situation dort ist problematisch“, sagt die kommunalpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ulrike Boesser. „Und ich verstehe auch den Anlass für den Antrag. Ob ein Alkohol-Verbot durchsetzbar ist, halte ich aber zumindest für fraglich.“

„Tue keinem was“

„Leben und leben lassen“, sagt Michael Watschinger.
„Leben und leben lassen“, sagt Michael Watschinger. © schlaf

Fragt man Michael Watschinger, dann ist alles gar nicht so schlimm. „Ich treffe mich sieben Tage die Woche beim Liesl-Karlstadt-Brunnen mit Freunden zum Trinken. Ich tue keinem was. Wir sind eine friedliche Gruppe“, sagt der 58-jährige Privatier aus Neuperlach. Watschinger ist Vorsitzender der Liesl-Karlstadt-Freunde, die über Facebook vernetzt sind und sich dort zum Bechern am Brunnen verabreden. „Jeder ist hier willkommen, egal welcher Beruf, welche Religion oder Sexualität. Man muss nur nett sein.“

Das ist der Liesl-Karlstadt-Brunnen

Die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Liesl Karlstadt bildete zusammen mit Karl Valentin eines der berühmtesten Komiker-Duos des 20. Jahrhunderts. Sie starb 1960, ein Jahr später wurde ihr der Brunnen auf dem Viktualienmarkt gewidmet.

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S. Karowski/oath

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