So sehen die Pläne zur Luxusmeile aus

Bizarrer Schaufenster-Streit um die Alte Akademie

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So könnte die Alte Akademie künftig erstrahlen: Ein Apple Store soll in das Gebäude einziehen.

München - Wie wird die Alte Akademie künftig aussehen? Auf dem Prüfstand stehen besonders die Schaufenster und die Arkaden. Der erste Mieter soll bereits feststehen.

Neuer Streit um die Alte Akademie. Diesmal geht es um die Anzahl der Schaufenster am Hettlage-Gebäude. Verwaltung, SPD, CSU und Investor haben unterschiedliche Vorstellungen. Derweil könnte der erste Mieter feststehen: Laut Informationen unserer Zeitung soll ein Apple Store in die Passage einziehen. Allerdings hat der Konzern wohl ebenfalls Ansprüche - auch an die Schaufenster.

Es geht um die Torbögen, die bislang den Durchgang zu den Arkaden bilden. Nach dem Umbau sollen große, ebenerdige Schaufenster in diese Pforten eingesetzt werden - unklar ist: in wie viele. Stadtbaurätin Elisabeth Merk sagt, eines sei völlig ausreichend. Dazu müsste einer der beiden Torbögen geschlossen werden. Die Rathaus-SPD möchte beide erhalten und als Schaufenster nutzen. Die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko hat drei vorgeschlagen, die CSU im Rathaus will sogar fünf Torbögen-Schaufenster an der denkmalgeschützten Fassade. „Das sieht am schönsten aus“, sagt Fraktions-Chef Manuel Pretzl. „Es ergibt das harmonischste Bild.“

Am Hettlage-Gebäude sollen die Arkaden bleiben, in der Tiefe leicht reduziert, erhalten. Am Kopfbau rechts sollen sie verschwinden.

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SPD-Chef: „Mit Schaufenstern zurückhaltend umgehen“

SPD-Chef Alexander Reissl hält dem die Wichtigkeit des Gebäudes entgegen. „Die Alte Akademie ist ja nicht ganz unbedeutend. Es handelt sich um eine Renaissance-Fassade. Da sollte man mit dem Thema Schaufenster zurückhaltend umgehen.“ Pretzl: „Ich finde, dass der Denkmalschutz hier zu überhöht gesehen wird. An dem Gebäude ist in den 50er-Jahren schon zu viel verändert worden.“

Pikant bei dem Fenster-Streit: Setzen sich Verwaltung (ein Fenster) oder SPD (zwei Fenster) durch, könnten sie möglicherweise bereits den ersten Miet-Interessenten verprellen. Wie zu erfahren war, würde Apple wohl gerne in das Hettlage-Gebäude einziehen. Doch das Unternehmen wiederum macht seine Zusage von der Anzahl der Schaufenster abhängig. Es sollen mindestens drei werden.

Der Gebäudekomplex von oben.

Werden Arkaden nur verschmälert oder müssen sie weichen?

Offen ist derweil auch noch eine andere Frage - die nach der Größe der Arkaden. Die wurden einst für Fußgänger geschaffen, die abseits der früher von Fahrzeugverkehr stark frequentierten Neuhauser Straße kaum Platz hatten. Bei den Arkaden an der Neuhauser Straße scheint klar, dass diese verschmälert werden können - aber grundsätzlich zu erhalten sind. Unklar ist, ob dies auch für die Arkaden an der Kapellenstraße gilt. Signa will sie dem Vernehmen nach entfernen. Die Stadt besteht auf den Durchgängen.

Zuletzt schaltete sich auch der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel noch ein: Das Viertel-Gremium fordert die Stadt auf, an den Grundpositionen des Siegerentwurfs des Architektenwettbewerbs festzuhalten. Der sieht vor, beide Arkaden zu erhalten. Zudem soll es keine zusätzlichen Fenster und Türen in der Fassade geben. Der Stadtrat wird sich wohl noch im späten Frühjahr erneut mit der Alten Akademie befassen.

Die Arkaden an der Neuhauser Straße werden schmaler.

Das plant der Investor

Die Alte Akademie bleibt ein Zankapfel! Bereits 2013 hatte für Streit gesorgt, dass der Freistaat die Alte Akademie auf 65 Jahre im Erbbaurecht an die Signa Holding von Benko vergeben hat. Zuvor waren an der Neuhauser Straße unter anderem das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sowie das Modehaus Hettlage untergebracht.

Kolportiert wird, dass die Signa dem Freistaat 240 Millionen Euro für 30.000 Quadratmeter Nutzfläche in allerbester Lage bezahlt haben soll. Der Investor will das einstige Jesuiten-Kolleg in einen Einkaufs-, Büro- und Wohntempel umwandeln.

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Einzelhandel, Büros und Wohnungen, Tiefgarage

Auf etwa der Hälfte der Nutzfläche soll sich Einzelhandel ansiedeln. Im Schmuckhof der Alten Akademie ist Gastronomie geplant, außerdem weiterer Handel. In den oberen Etagen sind dann Büros und Wohnungen vorgesehen. Deren Anteil wird bei rund 30 Prozent liegen. Es ist wohl davon auszugehen, dass es sich um Luxus-Bleiben handeln wird. Unter dem Hettlage-Haus soll zudem eine Tiefgarage entstehen.

So sah die Alte Akademie vor etwa einhundert Jahren aus.

Signa hatte einen Architekten-Wettbewerb ausgelobt, an dessen Ende sich das Baseler Büro Morger Partner Architekten durchsetzte. Wann mit dem Umbau begonnen werden kann, ist wegen der andauernden Streitigkeiten zwischen Verwaltung, Politik und Investor derweil noch unklar. Signa könnte bald loslegen, die Zwischenmieter in den Arkaden und dem Hettlage-Bau haben zeitlich stark begrenzte Verträge.

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Sascha Karowski

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