Traditionslokal hat am Wochenende dicht gemacht

Das Andechser am Dom ist endgültig zu - zugunsten des FC Bayern

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Das Andechser am Dom.

Ende eines legendären Lokals: Nach 23 Jahren wurde am Samstag das Andechser am Dom von Sepp Krätz geschlossen - zugunsten des FC Bayern.

Aus is und gar is, und schad is, dass wahr is! Mit diesem Satz hätte wohl „Monaco Franze“ aus der Kult-TV-Serie das Ende seines Lieblingslokals betrauert. Viele Stammgäste des Andechser am Dom fühlten sich am Samstag wohl an diese Worte erinnert: Um Mitternacht wurde ihr Lieblingslokal von Wirt Sepp Krätz für immer geschlossen. Das Haus an der Weinstraße 7 und 7a wird abgerissen, stattdessen entsteht an dieser Stelle die neue Fan-Welt des FC Bayern.

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Natürlich war das Haus am Samstag voll. Zahlreiche Stammgäste kamen, um ein letztes frisch gezapftes Andechser zu genießen. Manche baten sogar darum, ein Bierglas als Erinnerung mitnehmen zu dürfen. Selbst ein Trauerzug mit einem Sarg war von Besuchern am Vormittag organisiert worden: „Wieder muss ein Traditionslokal in München sterben, weil die Geldgier mittlerweile die Stadt regiert“, sagt Robert Müller (52). 

Wirt Sepp Krätz mit Tochter Stefanie

Ein anderer Gast ergänzt: „Dadurch geht das Flair in München endgültig kaputt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch FC-Bayern-Fans die einmalige Stimmung am Dom erhalten bleibt.“ Selbst das vierjährige Hündchen Ella schaute in ihrem Stammlokal noch ein letztes Mal vorbei: Schließlich kennt das Zamperl das Wirtshaus von Geburt an – und bekam bei jedem Besuch von der netten Bedienung ein Wagyu-Würstel.

25 Jahre, zehn Millionen Biere

Fast ein Vierteljahrhundert, seit dem 17. Oktober 1994, war die Gaststätte ein beliebtes Ziel für Touristen und ein regelmäßiger Treffpunkt für Münchner gewesen. „Mehr als zehn Millionen Biere wurden im Andechser serviert“, erzählte Sepp Krätz. „Würde man die kälbernen Fleischpflanzerl, die in 23 Jahren verköstigt wurden, übereinanderlegen, so wären sie so hoch wie die Zugspitze.“

Zum Schluss lief Sepp Krätz, der die Waldwirtschaft in Großhesselohe und das Festzelt Hippodrom auf dem Frühlingsfest betreibt, durch die Stuhlreihen, um den Gästen noch einmal persönlich die Hände zu schütteln. Dabei betonte der 63-Jährige immer wieder: „Es geht ja weiter.“ In einem Abschiedsbrief, der am Spiegel der Toiletten hing, stand zudem: „Wir haben Zukunftspläne, viel Energie und weiterhin großes Interesse an einer gastronomischen Präsenz in der Münchner Innenstadt.“

Gerüchte kursieren, dass bald ein neues Andechser am Dom entstehen könnte, das nur ein paar Meter entfernt vom alten liegen soll…

Ein Trost und wer weiß, vielleicht können die Gäste noch dieses Jahr mit einem frisch gezapften Bier auf das Andechser anstoßen.

Tina Layes

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