Nicht wegschauen!

Darum ist die heutige Anti-Pegida-Demo so wichtig

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Teilnehmer eines Bündnisses gegen die montägliche Pegida-Demonstration am 08.12.2014 in Dresden. Auch München macht mobil gegen Pegida.

München - In München ist kein Platz für Hetze gegen Flüchtlinge und Andersgläubige! Tausende gehen am Montagabend auf die Straße. Wir erklären, warum die Demo so wichtig ist.

Über 9000 Münchner hatten sich bis Sonntag angemeldet, um zu zeigen, dass in München Hass gegen Flüchtlinge oder Andersgläubige nicht geduldet wird. Um 18 Uhr werden sie bei einer Kundgebung am Max-Joseph-Platz vor der Oper sagen: „Platz da! – Flüchtlinge sind willkommen!“

Gleichzeitig wollen sich in Dresden wieder die Pegida-Fans treffen, diesmal zum „Weihnachtslieder singen“. 20 Prozent der Dresdner sind evangelisch oder katholisch. Auch in München hat sich ein verlorenes Häuflein von Pegida-Fans zu einem „Spaziergang“ am Promenadeplatz angemeldet. Eine zweite Pro-Pegida-Demo wurde aber bereits abgesagt.

Als Künstler der Anti-Pegida-Demo werden die Sportfreunde Stiller, Konstantin Wecker, Max Uthoff & Claus von Wagner (Die Anstalt), Georg Ringsgwandl, The Notwist Koflgschroa, Awa Kebe (Senegal) und der syrische Flüchtlingschor auftreten.

Warum wir bei den Pegida-Umtrieben nicht wegschauen dürfen – die tz hörte sich um:

Die Religionen

Reinhard Marx.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, appelliert an die politische Verantwortung jedes Einzelnen: „Wo menschenverachtend gepredigt wird, sollte er überlegen, ob er dabei sein will.“ Für die Katholiken gebe es aber keine „oberhirtlichen Anweisungen“. Bambergs Ludwig Erzbischof Schick hatte am Donnerstag gesagt: „Christen dürfen bei Pegida nicht mitmachen.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ruft dazu auf, Pegida abzulehnen. Bei pauschalen Angriffen auf eine Religion, Flüchtlinge oder Asylbewerber „müssen wir in aller Klarheit Nein sagen“.

Der Penzberger Imam Benjamin Idriz, der sich für die Gründung des Münchner Forum für Islam engagiert, stellt klar: „Deutschland muss keine Angst vor Islamisierung haben. Wir verurteilen die Taten der IS entschieden und bekennen uns zum Grundgesetz.“ Viele Flüchtlinge derzeit seien Christen, Jesiden – aber auch Muslime, die von Extremisten verjagt würden.

Für den Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ist Pegida „absolut inakzeptabel“. Die Vorstellung, Deutschland drohe ein islamischer Staat zu werden, sei „absurd“.

Die Politik

OB Dieter Reiter.

Im Rathaus ist kein Platz für Islam-Hass. Nur ein einschlägig bekannter Stadtrat stimmte zuletzt für ein Bürgerbegehren gegen eine Moschee. OB Dieter Reiter (SPD) sagt: „München ist bunt, München ist die Weltstadt mit Herz: Zu München gehört Vielfalt in jedem Bereich. Das hat die gesamte Stadtgesellschaft immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt. Ich werde alles dafür tun, damit das so bleibt.“ 99 Prozent der Muslime in München leben friedlich und gut integriert mitten in unserer Stadtgesellschaft.“ Und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sagt: „Allein durch den Namen wird klar, dass Pegida mit irrationalen Ängsten spielt. Hier werden von zweifelhaften Personen ausländerfeindliche Ressentiments geschürt.“

Der Veranstalter

Kabarett-Veranstalter Till Hofmann und seine Freunde vom Integrationsprojekt „Bellevue di Monaco“ rufen zu der Kundgebung auf: „Wir sind die friedliche Mitte der Gesellschaft. Nicht Pegida. Wir finden es unerträglich, dass diese Bewegung den Slogan der Revolution von 1989 – ,Wir sind das Volk‘ – kapert. Wir leben in einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Das soll so bleiben. Deshalb machen wir uns stark für Vielfalt und Respekt. Für Verantwortung und Gerechtigkeit. Und dafür, dass Flüchtlinge als Menschen in Not wahrgenommen werden und nicht als Sozialschmarotzer, potenzielle Verbrecher und Problemfälle.“

Johannes Welte

15.000 Anhänger bei "Pegida"-Demo in Dresden

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