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Tausende Münchner demonstrieren

Asyl-Demo: Macht Platz für Flüchtlinge!

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Tausende Münchner zeigten am Max-Joseph-Platz wieder Flagge – dieses Mal gegen die von der CSU an den Grenzen geplanten Abschiebelagern.

München - Rentner in Tracht, Frauen mit Kopftuch, hellhäutige, dunkelhäutige Menschen, Hipster und Hip-Hopper - sie alle protestierten am Montag gegen die Asylpolitik der CSU.

"Und i fliag auf und davon, weil mi gar nix hoiten kon." Der Wind weht die Zeilen von Bayerns Liadlschreiberin Claudia Koreck durch das Abendrot, während sich auf dem Max-Joseph-Platz Pärchen umarmen. Rentner in Tracht, Frauen mit Kopftuch, hellhäutige, dunkelhäutige Menschen, Hipster und Hip-Hopper. Sie lassen die Worte auf sich wirken, die sie gerade gehört haben – bewegende Worte bei der jüngsten Kundgebung des Flüchtlingsprojekts Bellevue di Monaco. Wieder einmal haben Veranstalter Till Hofmann und seine Freunde vom bayerischen Flüchtlingsrat und anderer Initiativen eine Kundgebung auf die Beine gestellt, wieder mit einer Teilnehmerliste quer durch die Kulturszene Münchens.

Als Christian Stückl spricht, der Intendant von Volkstheater, Staatsoper und Passionstheater Oberammergau, bebt seine Stimme: Er erzählt von einem jungen Iraker, der unbedingt bei Nabucco in Oberammergau mithelfen wollte, weil ihm vor Langweile die Decke auf den Kopf fiel. Er darf aber vor seiner Anerkennung nicht arbeiten. Stückl: „Wir konnten das organisieren. Doch als ich sagte, er solle einen Toten spielen, hatte er plötzlich Tränen in den Augen, weil er dran denken musste, wie sein erschossener Vater neben ihm lag.“

Die CSU-Pläne, Asylbewerber vom Balkan im Schnellverfahren an der Grenze abzulehnen, mobilisiert die Menschen. Die Polizei spricht von 2000 Teilnehmern, Matthias Weinzierl vom Flüchtlingsrat von 4000. Bei aller Nachdenklichkeit ist auch Spaß angesagt: Die Rapper von Blumentopf lassen es krachen, G. Rag & Die Landlergschwister blödeln mit ihrem „Räuber und der Prinz“ herum.

Ach ja, und dann war auch wieder Pegida unterwegs. Laut Polizei liefen 85 Teilnehmer mit, begleitet von 100 lautstarken Gegendemonstranten. Dass Pegida nur 150 Meter entfernt von der Bellevue-Kundgebung vorbei marschierte, bekam dort gar niemand mit. Eine Pegida-Frau wurde wegen einer verfassungsfeindlichen Fahne vorübergehend festgenommen.

Demo gegen Asyl-Politik: Tausende Teilnehmer

Demo gegen Asyl-Politik: Tausende Teilnehmer

Mia san mehr

Hans Wildung (38), Eventmanager: "Die CSU setzt sich immer mit Bayern gleich. Wenn man aber Wahlbeteiligung und -ergebnis betrachtet, sind nur ein Viertel CSU-Anhänger. Ich plädiere für mehr Offenheit gegenüber Flüchtlingen. „Mia san mehr“ statt „mia san mia“ würde mir gefallen."

Weltoffen sein

Dominik Ahlert (27) und Florian Pollok (34, rechts): "Die CSU muss aufhören, Stimmen am rechten Rand zu sammeln. Integrative statt ausgrenzende Politik ist unbedingt notwendig. Wir als Münchner Buam haben gelernt, dass wir weltoffen sein sollen. Denn: Mensch ist Mensch, egal woher man kommt."

Ich bin grantig

Peter Brugger (42), Sportfreunde Stiller: "Die Aussagen von Horst Seehofer machen mich grantig. Allein wenn ich das Wort Abschiebelager höre, wird mir schlecht. Plakativ über alle urteilen, geht einfach überhaupt nicht. Jahrelang nichts machen und dann aus Überforderung Parolen raushauen – abscheulich."

Schämen uns für Politik

Karin (29, links) und Angelica (27) aus München: "Wir sind hier, um ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen. München muss toleranter und offener werden. Wir schämen uns für die Politik. Außerdem wollen wir zeigen, dass Pegida und Co. nicht die Mehrheit sind."

Allein am Samstag kamen 1100 an

Die Zahl der Asylbewerber steigt weiter! Am Samstag sind in Bayern 1100 Einwanderer ohne Papiere registriert worden – so viele wie noch nie an einem Tag. Sie kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan und Afrika. In der gesamten Vorwoche kamen fast 6000 Menschen illegal über die Grenze. Eine Woche davor lag der bisherige Höchststand noch bei knapp 4500 Fällen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum etwa 500.

Thomas Borowik, Sprecher der Bundespolizeidirektion München, sagt: „Die Zahlen steigen bereits seit Langem kontinuierlich, seit rund drei Monaten sogar explosionsartig.“ Die meisten Einwanderer kämen über die österreichische Grenze. Am stärksten betroffen sei das Bundespolizeirevier Passau, wo im ersten Halbjahr über 13 000 Flüchtlinge ankamen, 2014 waren es im ersten Halbjahr nur 900. Auch die Rosenheimer Bundespolizei hat viel zu tun. Bayernweit kamen heuer schon 32 000 Asylbewerber an, im Vorjahr waren es insgesamt rund 23 500, wobei im ersten Halbjahr 7000 Menschen ankamen.

Die Flüchtlinge strömen meist aus den Bürgerkriegsstaaten Syrien und Afghanistan sowie aus der Diktatur in Eritrea, vermehrt auch aus anderen afrikanischen Ländern wie Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Kamerun, Mali, Marokko, Mauretanien, Nigeria oder Somalia zu uns. Borowik: „Anzeichen, die einen Rückgang der illegale Grenzübertritte erwarten ließen, sind nicht erkennbar.“ We

Johannes Welte, Severin Schötz

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