Glück im Unglück für Wirte und Fans

Atomic Café: Gute Nachricht vor der Schließung

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Zum Feiern, zum Musikhören – und natürlich auch zum Ratschen: Das Atomic Café hatte einen treuen harten Kern an Stammgästen.

München - Das war's! Das Atomic Café an der Neuturmstraße macht zu – einer der renommiertesten Clubs der Stadt. Nach knapp 18 Jahren geht eine Ära zu Ende. Vorher gibt es noch eine kleine gute Nachricht für Fans.

Eigentlich sollte das Atomic Café schon diesen Samstag schließen. Doch am Mittwochabend gaben die Betreiber eine kleine gute Nachricht für die groß trauernden Fans bekannt: "Nach zähen Verhandlungen hat uns unsere Vermieterin nun doch noch eine Fristverlängerung gewährt. Nicht ganz uneigennützig, aber dennoch. Einige werden nun denken: 'Verarsche', andere werden weinen vor Glück. Wir denken: jeder weitere Tag Atomic Café ist ein guter Tag. Es gibt also doch noch eine Silvesterparty bei uns. Das genaue Programm der letzten drei Dezember-Wochen geben wir asap bekannt. Kommendes Wochenende ist also ganz normal Betrieb, ohne das Gästelistenprozedere."

Das Aus war schon länger beschlossene Sache, nachdem der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Bitte für die Besucher und die Wirte Roland Schunk und Christian Heine. Für die Betreiber ist es auch das Ende eines Lebensabschnitts. „Ich hab das Atomic fast 18 Jahre lang mitgemacht, so lang habe ich keinen anderen Beruf ausgeübt“, sagt Heine. „Es tut mir besonders leid, die ganze Mannschaft zu verlieren. 30 Angestellte, das war ein eingespieltes Team, das unglaublich loyal war.“ Und: „Wir liebten die Musik und wollten sie in unserem eigenen Laden hören.“

Der Eingang zum Atomic Café.

Dass sie dann Gastronomen wurden, habe sich zwangsläufig ergeben. Ihr Atomic war so etwas wie das Mekka für Independent-Bands. Die Folge: viele denkwürdige Episoden. Heine: „Albert Hammond Junior von den Strokes setzte sich nach seinem Auftritt und der obligatorischen Dusche mit Flip-Flops und Bademantel an die Bar, rauchte und trank Martinis.“ Auch Pete Doherty spielte schon im Atomic, mit und ohne Babyshambles, telefonierte während der Show gute fünf Minuten mit seinem Handy. Bei Campino gab’s Stagediving statt Tote Hose und beim Auftritt von „Man Or Astroman“ jagte die Band armdicke Blitze aus einer Tesla-Spule in die Club-Decke. „Ich war mir sicher, dass jetzt der Strom im ganzen Stadtviertel ausfällt.“

Geschichte(n) schrieben aber auch Künstler, die gar nicht da waren. So wie die Kult-Band Kiss, die der Türsteher abwies, weil ihre Bodyguards sich weigerten, ihre Waffen abzulegen. Alles Geschichte – bald steigt die letzte Party.

Thomas Oßwald

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