Residenzpost am Max-Joseph-Platz

Aus Luxus-Apartments wird Hotel? Wirbel um Pläne an der Oper

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Eine schmucke Kulisse bietet der Max-Joseph-Platz – nicht nur wegen der Palmen, die zur Zeit im Rahmen einer Installation vor der Staatsoper stehen. 

Der Eigentümer von 27 Wohnungen im Palais an der Oper erwägt, aus ihnen einen Hotelbetrieb zu machen. Das ist grundsätzlich möglich. Lokalpolitiker laufen aber schon jetzt Sturm.

München - Der Prachtbau an der Maximilianstraße 2 gilt als eines der teuersten Wohnobjekte der Stadt. Im Anschluss an die aufwendige Sanierung der alten königlichen Residenzpost vor ein paar Jahren hieß es, die Mietpreise für die luxuriöse Mietwohnungen im fünften und sechsten Obergeschoss sollen bei 50 Euro pro Quadratmeter liegen. Allein schon deswegen ranken sich diverse Gerüchte um das heutige Palais an der Oper: Unklar ist etwa, ob und von wem diese Wohnungen genutzt werden – und wem sie mittlerweile überhaupt gehören.

Rätseln um den Eigentümer

2013 soll die russische Investmentfirma Lenhart Global das Anwesen erworben haben – angeblich im Auftrag eines Unternehmers, dem eine Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird. 300 Millionen Euro sollen damals geflossen sein. Um den aktuellen Eigentümer gibt es aber seit Jahren Rätselraten – auch jetzt wieder.

Palais an der Oper ist eines der teuersten Gebäude der Stadt

Denn wie zu erfahren ist, wurde bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt, um die Wohnungen im Palais möglicherweise umzuwandeln. „Es geht um eine Nutzungsänderung der 27 Wohnungen zu einem Hotel, einem Boardinghouse oder zu anderweitigem Beherbergungsgewerbe“, bestätigte Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats. In einem Boardinghouse wären laut Definition Mietverhältnisse von bis zu sechs Monaten mit hotelähnlichen Leistungen möglich. „Der Vorbescheid wurde positiv erteilt“, sagt Vogel. Denn: „Das Areal liegt in einem sogenannten Kerngebiet und damit sind solche Nutzungen dort planrechtlich zulässig.“ Einen Ermessensspielraum gebe es da schlichtweg nicht.

Zweckentfremdung? BA fordert Stellungnahme der Stadt

Im örtlich zuständigen Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel sorgt dies für großen Unmut: „Aus meiner Sicht wäre das ein massiver Eingriff in die Wohnungssituation in der Innenstadt“, schimpft Wolfgang Püschel (SPD), Vize-Vorsitzender im BA. „Meiner Meinung nach handelt es sich um eine Zweckentfremdung.“ Der Lokalpolitiker ärgert sich: „Anscheinend glauben irgendwelche Privatleute, hier das große Geld machen zu können.“ Möglicherweise, so die Befürchtungen in dem Gremium, könnten Wohnungen für superreiche Medizintouristen oder Ähnliches entstehen. Der BA fordert vom Planungsreferat eine Stellungnahme.

Doch dort ist auch unklar, welche Art von Unterkunft der Eigentümer tatsächlich anstrebt. Dies dürfte sich vermutlich auch erst herausstellen, wenn tatsächlich ein Bauantrag eingereicht wird. „Bislang liegt aber kein Bauantrag vor“, versichert Referatssprecher Vogel. „Erst dann würde geprüft werden, ob womöglich das Thema Zweckentfremd eine Rolle spielt.“

Beim Luxus-Umbau blieb einst nur die Fassade

Bei dem Umbau der alten Residenzpost wurde nur die prächtige Fassade zum Max-Joseph-Platz stehen gelassen (in den Arkaden residieren Nobel-Boutiquen und das Restaurant „Kuffler“), der Rest wich einem Neubau. Der erste bis vierte Stock sind Büro- und Praxisflächen, Die beiden obersten Geschosse wurden dem Luxus-Wohnen vorbehalten. Zum Max-Joseph-Platz, zum Hofgraben und zur Residenzstraße hin entstanden Maisonettewohnungen, deren Mittelpunkt jeweils ein zweigeschossiger Raum mit Galerie bildet. Um den Innenhof herum wurden Apartments mit raumhohen Fenstern und französischen Balkonen gebaut. Die größte Wohnung soll rund 240 Quadratmeter haben.

Lesen Sie auch: Max-Joseph-Platz: Busse sollen endlich verschwinden

von Sven Rieber und Hüseyin Ince

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