Schöner bauen an der zweiten Stammstrecke

Diese Schallschutzmauer für eine Million Euro soll an Mega-Baustelle für gute Laune sorgen

Die ersten Wandteile am Marienhof in München stehen: Von der Dienerstraße blickt man virtuell auf die Weinstraße.
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Die ersten Wandteile am Marienhof in München stehen: Von der Dienerstraße blickt man virtuell auf die Weinstraße.

Am Münchner Marienhof wird für die zweite Stammstrecke gebuddelt. Hinter einer Mega-Mauer soll nun die Baustelle verschwinden. Fotomotive sollen die Leute während der Bauzeit bei Laune halten.

München - Passanten flanieren bei Sonnenschein auf der Theatinerstraße. Im Herzen der Stadt herrscht Sommer im Herbst – und er bleibt. Zumindest optisch: Bis Mitte der 2020er-Jahre wird eine Schallschutzwand am Marienhof Passanten nicht nur vor Krach und Dreck schützen – 2019 gehen die Bauarbeiten für die zweite Stammstrecke hinter dem Rathaus in die heiße Phase. Fotorealistische Impressionen, die sich auf 445 Metern um den Platz ziehen, sollen die Leute während der langen Bauzeit bei Laune halten.

Marienhof: Baustelle im Herzen der Stadt

Zwar wird am Marienhof schon seit etwa eineinhalb Jahren gebuddelt. Doch das war nur der Anfang, sagte Projektleiter Markus Kretschmer gestern. „Nächstes Jahr im Frühjahr beginnen am Marienhof die lärmintensivsten Baumaßnahmen.“ Der Rohbau der neuen S-Bahn-Station in 40 Metern Tiefe entsteht. Um die künftige Baugrube wird im Boden eine massive Betonwand erstellt. Ein Gigant rückt an: Eine Schlitzwandfräse frisst sich 55 Meter tief ins Erdreich.

Schallschutzwand am Marienhof wird errichtet. Die Wand wird aus Alu-Elementen zusammengesetzt.

Lärmschutz am Marienhof: Mega-Mauer wird 4,50 Meter hoch  

Die 4,50 Meter hohe Schallschutzwand um den Marienhof, die momentan für knapp eine Million Euro entsteht, soll Anwohner, Gewerbetreibende und Passanten entlasten. Der Clou: Wenn es an der Oberfläche in ein paar Jahren leiser wird, weil die Arbeiten unter dem Tunneldeckel weitergehen, kann die Wand dank modularer Bauweise aus Alu-Elementen auf drei Meter Höhe reduziert werden. Laut Schallschutzexpertin Marina Jäger von der Bahn verringert sich der Schall, der von der Wand reflektiert wird, um zwölf Dezibel. Direkt dahinter sind es rund 25 Dezibel weniger.

Bevor der Bau der neuen unterirdischen Station am Marienhof beginnt, gab’s hier archäologische Ausgrabungen.

Marienhof soll attraktiv bleiben

Dass der Marienhof attraktiv bleibt, ist Wolfgang Fischer wichtig. „Stellen Sie sich einen hohen, dunklen Bretterzaun vor. Wir hatten das schon beim Ruffinihaus. Diese Dimension wäre fatal für das Umfeld des Marienhofs gewesen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins City-Partner, in dem sich die Innenstadthändler zusammengeschlossen haben. Unter dem Motto „Heute schon die Zukunft sehen“ geht die Bahn zusammen mit Stadt, Freistaat und CityPartner neue Wege: Passanten blicken von der Wein-, der Diener- und der Schrammerstraße nicht auf triste Mauern, sondern auf die jeweils gegenüberliegende Straße – virtuell auf der Wand. Und zwar so, wie es aussehen wird, wenn‘s fertig ist. An der Landschaftstraße dürfen die Bürger ran: Künstler, Kitas und Schulen sind aufgerufen, sich zu verwirklichen. Die Kunstwerke werden nach Erstellung auf Planen gedruckt, die dann aufgehängt werden. Die Auswahl trifft die Stadt.

Marienhof: Baustelle für die 2. Stammstrecke liegt im Herzen der Stadt München.

2. Stammstrecke: Das wird gebaut

Entlastung für Münchens Nadelöhr: Die zweite Stammstrecke wird auf rund zehn Kilometern zwischen den Bahnhöfen Laim im Westen und Leuchtenbergring im Osten gebaut. Kernstück ist ein sieben Kilometer langer Tunnel, der den Hauptbahnhof und den Ostbahnhof miteinander verbindet. Drei neue unterirdische Stationen am Hauptbahnhof, Marienhof (Visualisierung) und Ostbahnhof sind geplant. Weil mehrere U-Bahn-Linien gekreuzt werden müssen, liegen die Stationen in rund 40 Metern Tiefe. Mit nur drei Stationen sollen die Fahrzeiten deutlich kürzer werden.

2. Stammstrecke in München: So soll der neue Bahnhof mal aussehen.

Lesen Sie auch: Zweite Stammstrecke: Das ist der Baustellen-Fahrplan am Marienhof 

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