Bellevue di Monaco

Großkundgebung vor der Oper: Ein Zeichen für die Vielfalt

Der Max-Joseph-Platz war gut gefüllt. Zu den Demonstranten gehörten auch (v. li. ab roter Mütze): Katharina Schulze (Grüne), Erzpriester Apostolos Malamoussis, SPD-Stadtrat Christian Vorländer, Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Wolfgang Heubisch (FDP).

München - „Angst? Sicher ned!“ Unter diesem Motto haben am Donnerstag etwa 4000 Menschen auf dem Platz vor der Staatsoper demonstriert und Künstlern gelauscht.

„Bayern ist bunt – auch wenn wir Tracht tragen – wir dürfen nicht engstirnig denken“: Mit markigen Worten eröffnete Maximilian Brückner, Schauspieler und Mitglied der Jungen Riederinger Musikanten, gestern Abend das Großkonzert mit Kundgebung. „Wir sind alle von wo! Angst? Sicher ned! Für eine angstfreie und offene Gesellschaft“ war das Motto, dem geschätzt rund 4000 Menschen auf den Max-Joseph-Platz gefolgt waren (wir berichteten live im Ticker).

Es sei schlimm, was in Berlin passiert ist. „Aber wir sind hier, um uns von so etwas nicht spalten zu lassen“, sagte Brückner. „Wir dürfen uns keine Angst einjagen lassen“, rief Volkstheater-Intendant Christian Stückl von der Bühne. Auch Flüchtlinge, mit denen er gesprochen habe, seien durch das Gerede von Quoten und Abschiebung „total verunsichert“.

Veranstaltet wurde die Versammlung vom Bündnis Bellevue di Monaco, das an der Müllerstraße ein Flüchtlingsprojekt ins Leben gerufen hat. Insgesamt hatten rund 70 Organisationen dazu aufgerufen, zur Kundgebung zu kommen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt versammelten sich am gleichen Tag wie vor exakt zwei Jahren engagierte Bürger auf dem Platz, die allerlei bunte Zeichen setzten. Eine Teilnehmerin hatte sich eine Lichterkette auf die Mütze gebunden. Ein anderer trug einen goldenen Stern mit der biblischen Botschaft „Fürchtet euch nicht“. Die Staatsoper hatte Transparente aufgehängt: „Humanität – Respekt – Vielfalt“.

Die Redner auf der Bühne scheuten keine klaren Worte. „Man kann es sich nicht aussuchen, woher man kommt“, sagte Lustspielhaus-Chef Till Hofmann. „Wir müssen die Leute erst mal willkommen heißen, bis es ihnen wieder gut geht.“ Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat sagte: „Eine offene und freie Gesellschaft kriegt man nicht geschenkt. Man muss dafür einstehen, wenn jemand etwas anderes sagt.“ Es hagelte auch Kritik an der Bundes- und der bayerischen Staatsregierung. Grünen-Stadtrat Dominik Krause vom Bündnis „München ist bunt“ nannte das neue bayerische Integrationsgesetz einen „Angriff auf uns alle“. Weinzierl nannte Abschiebungen nach Afghanistan „Unrecht“. CSU-Stadtrat Marian Offman warnte vor rechtsextremem Gedankengut und sagte: „Wir dürfen nie zulassen, dass unsere Grundwerte mit Füßen getreten werden.“

Am 22. Dezember 2014 hatten auf demselben Platz geschätzt 15 000 Menschen für Toleranz und Weltoffenheit demonstriert. Das Motto damals war: „Flüchtlinge sind hier willkommen. Gemeinsam gegen Pegida, Rassismus und Hetze.“ Veranstaltet hatte die Kundgebung mit Konzert ebenfalls die Initiative Bellevue di Monaco.

Hajer Dhari vom Muslimrat München sagte: „Wir müssen als eine Einheit, als eine Gesellschaft hier stehen und uns gegen den Hass stellen, der dazu dienen soll, uns gegeneinander aufzuhetzen.“ Es sei Zeichen einer Demokratie, auch Minderheiten zu schützen. Die Zuhörer klatschten und jubelten. Auf Plakaten stand zum Beispiel „Parolen-Gebrüll ist nicht die Stimme des Volkes“.

Heuer hatte die Demonstration durch den Lkw-Anschlag in Berlin noch an Brisanz gewonnen – das dürfte weitere Teilnehmer motiviert haben zu kommen, um ihren Trotz auszudrücken und ihren Gefühlen einen Ort zu geben. Mitveranstalter Hofmann hatte am Mittwoch „nun erst recht“ einen Grund gesehen, die Demo durchzuführen. „Gerade jetzt ist es wichtig, zu zeigen, dass die Stadtgesellschaft zusammensteht“, sagte er. Später am Abend standen noch Größen wie die Spider Murphy Gang und The Notwist, Willy Astor und Hannes Ringlstetter auf dem Programm.

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